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Der Erfinder des Zombiehammers

Jörg Sprave hat sich mit seinen todbringenden Waffen zum Guru unter den Steinschleuder-Fanatikern aufgeschwungen.
19.7.12

Auch du fandest als Kind Steinschleudern bestimmt geil. Erst recht, wenn deine Mutter dir verboten hat, mit der Wasserpistole vom Nachbarskind zu spielen, weil sie einer 68erin ist und selbst bei einer Runde Risiko nicht davon ablassen konnte, allen den Spaß zu verderben, indem sie lieber eine Diskussion über die politische Implikation von Kriegsspielen anzettelte, anstatt sich einfach zu entspannen. Abgesehen davon, dass Risiko sowieso doof ist, weil es gleichbedeutend damit ist, dass sich Freunde extra treffen, nur um sich gegenseitig anzuschreien, hat sich ein Mann die kindliche Freude für Steinschleudern nicht nehmen lassen. Jörg Sprave hat nicht nur den Drang, seine stählerne Körperkraft in schnalzenden Gummi und fliegende Schrapnelle zu verwandeln, bis ins hohe Erwachsenenalter kultiviert, sondern sich auch zum Guru unter den Schleuder-Fanatikern aufgeschwungen. Jede Woche erklärt er auf seinem YouTube-Channel, wie du dir jede Menge kruden Scheiß selbst bauen kannst. Wenn Jörg Sprave also mal nicht die stärkste Steinschleuder der Welt baut (laut seines YouTube-Videos hält er den Weltrekord), zeigt er dir, mit welchen Waffen du dich bei der Zombie-Apokalypse zur Wehr setzen kannst. (Europa wäre ja im Gegensatz zu den USA immer noch massiv aufgeschmissen, wenn die Welt vor die Hunde geht, da es bei Aldi keine Schrotflinten gibt.) Auch wenn The Slingshot Channel auf Englisch verfasst ist, versteckt sich dieser Kerl eigentlich tief in der bayerischen Provinz und beglückt uns von dort wöchentlich mit selbstgebastelten „Destruction Fun“-Waffen.

VICE: Was ist die beste Waffe, falls die Zombie-Apokalypse tatsächlich kommen sollte?
Jörg Sprave: Zombies sind derzeit ein riesiger Hype. Die Leute verbringen unglaublich viel Zeit damit, sich dieses Apokalypse-Szenario vorzustellen. Wenn ich also versuche, mich da rein zu denken, dann hat eine Steinschleuder natürlich was für sich. Du bist munitionsunabhängig. Außerdem kannst du auch Pfeile damit schießen, die sind natürlich gegen einen Zombie-Angreifer wesentlich effektiver. Ein Pfeil hat deutlich mehr Penetration. Aber wenn jemand glaubt, dass er sich einfach mit einer Astgabel und einem Gummi von einem Einmachglas eine effiziente Waffe basteln kann, der würde schneller zum Futter werden, als ihm das lieb wäre.

Hast du dich schon auf die Apokalypse vorbereitet?
In Wahrheit ist das ja so: Das Thema Zombie erlaubt es vielen, im Internet über Gewaltfantasien zu schwadronieren. Weil es ja Monstren sind, entgeht man jeglicher Zensur. Deswegen gibt es auch unglaublich viele Foren, die sich mit Zombies beschäftigen, aber in Wahrheit ist da eine ganz andere Motivation dahinter. Ich will das eher von der komischen Seite nehmen. Ich will keinen Menschen umbringen und an Zombies glaube ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber wenn mein Zombiehammer mal einen Gastauftritt in The Walking Dead bekommen könnte, wäre das natürlich toll.

Wie bist du dann zu den Steinschleudern gekommen, wenn schon nicht über die Zombies?
Wir jeder Junge habe ich mit meinem Vater aus einer Astgabel eine Schleuder gebaut. Da war ich zwischen sechs und neun Jahren alt. Dann habe ich sogar eine Zeit lang welche in der Schule verkauft. Ich hatte einen handgemalten Katalog, den musste mir jeder Kunde nach dem Kauf zurückgeben, da es nur ein Exemplar gab. Als dann aber eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen ist, hat der Rektor mein Geschäft geschlossen.

Ist der Staat auch so ein Spielverderber wie dein Rektor damals und hat Schleudern gesetzlich reglementiert?
Schleudern sind Waffen, aber nicht im Sinne des Gesetzes. Im Sinne des Gesetzes sind Schleudern Spielzeuge. Es gibt nur eine Einschränkung: Du darfst keine Schleuder mit Armstütze haben. Die sind irgendwann in den 70ern verboten worden. Die darf man nicht besitzen, auch nicht mit Waffenschein. Alles andere ist nicht reglementiert, das darfst du also geladen durch die Innenstadt schleppen, wenn du willst.

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Hast du auch Hardcore-Fans, die alles nachbauen?
Ja, die findet man vor allem in meinem Forum. Teilweise sind die richtig gut. Ich hab viele Fans aus den ländlichen Gegenden der USA. Das sind die Ersten, die Kommentare zu meinen Videos hinterlassen und regelmäßig meinen Blog lesen. Da gibt's natürlich ein paar Hardcore-Fans, aber ich hab auch meine Gegner.

Herausforderer, die besser sein wollen als du?
Nein, im Gegenteil. Es gibt in Deutschland viele Leute, die mit Schleudern schießen und glauben, dass es bald aufgrund von meinen Videos ein Verbot aller Schleudern gibt. Die hassen mich wie sau. Ich bin in der Schleudergemeinde das enfant terrible. Die wollen nicht, dass es sich herumspricht, dass eine Schleuder gefährlich sein kann. Sie möchten, dass es lieber unter den Teppich gekehrt wird. Diskutiert werden soll darüber nur in geschlossenen Foren. Die denken, die Politiker lesen im Internet alles mit und verbieten es dann.

Glaubst du an sowas?
Gefährlich als Waffe ist vieles. Ein Brotmesser kann gefährlich sein. Alles Mögliche ist gefährlich. Mit einer Steinschleuder kannst du keinen Amoklauf machen. Das Nachladen ist viel zu zeitaufwendig. Man kann jemanden verletzen, wie mit vielen anderen Dingen auch, aber es wird keine Amokläufe geben, die Gesetzesverschärfungen nach sich ziehen.

Ist dein Steinschleuderrekord auch vom Guinness-Buch der Rekorde anerkannt?
Nee, für alles, was mit Waffen zu tun hat, gibt es beim Guinness-Buch keine Rekorde mehr. Der Rekord ist nicht offiziell registriert, aber er steht ja im Internet und jeder, der es möchte, hat die Gelegenheit, ihn zu überbieten. So etwas wie das Guinness-Buch braucht man heute gar nicht mehr. Es kann einfach jeder ein Video auf YouTube machen und es als Antwort auf mein Video posten.

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Was ist denn deine massivste Steinschleuder?
Meine Kanone. Ich habe zuerst ein kleines Modell von einer Kanone gemacht. Dann hab ich mir gedacht, das müsste man ja auch in zehnmal größer bauen können. Das Ergebnis war beängstigend, aber immer noch mit Muskelkraft angetrieben. Auf der Wiese zu stehen und mit dem Ding auf das Auto zu pflastern, hat Spaß gemacht. Das Teil hat eine unglaubliche Gewalt: 1000 Joule. Ist das jetzt eine gefährliche Waffe? Na ja, wenn man bedenkt, wie lange es dauert nachzuladen und wie immobil das ist.
Das ist wohl eher was für eine Belagerung.
Da aber eine Belagerung in der Realität heutzutage eher selten vorkommt, ist es ein Fun-Gerät. Ich habe das gebaut, um damit Spaß zu haben. (lacht)

Was ist deine nächste große Herausforderung?
Ich möchte das Leonardo-da-Vinci-Versprechen umsetzen. Leonardo da Vinci war auch Waffenkonstrukteur. Er hat nur wenige Waffen gebaut, aber viele gezeichnet. Eine davon war eine Belagerungsmaschine, die es schaffen soll, eine 44-Kilo-Steinkugel 30 Meter weit zu schmeißen. Sie wurde nie gebaut. BBC und der Discovery Channel haben schon versucht, sie nachzubauen, sind aber gescheitert. Ich würde es aber mit Einsatz von Gummi realisieren. Ich habe mal ausgerechnet, das müsste dann sieben bis acht Meter lang sein und würde zwischen 800 Kilo und 1,2 Tonnen wiegen. Dann wäre ich der Erste, der das Versprechen erfüllen könnte, das Leonardo seinem Auftraggeber gegeben hat. Meine Berechnungen sagen, dass es funktioniert!

Worum geht es also vor allem bei deinem YouTube-Channel?
Was jetzt immer mehr Thema wird, sind Waffen, die man zu Hause nachbauen kann. Ich baue keine Waffen, die richtig gefährlich sind, sondern eher verrückt. Es geht nicht nur um Zombies, auch ein bisschen Wissenschaft, ein bisschen „Destruction Fun“ mit verrückten Konstruktionen. Die Schleuder macht Spaß und hat für viele einen Nostalgieeffekt. Man entdeckt wieder, was einem bereits als Junge Spaß gemacht hat.

Wie bau ich mir dann jetzt schnell eine Schleuder, wenn mich die Nostalgie gepackt hat?
Am besten nimmst du eine natürliche Astgabel und schneidest dir ein Y-förmiges Stück raus. Die Gabelenden muss man schön abrunden und eine Kerbe einschneiden für den Gummi. Als Gummi eignen sich am besten Gymnastikbänder. Du brauchst noch ein Stück Leder, um das Geschoss darin einzuwickeln und dann musst du das einfach zusammenknoten. In 30 Minuten hast du eine vernünftige Schleuder.

(Anm. d. Red.) Alternativen, die Jörg mir später zeigte, funktionieren mit Urinalkathetern oder Einweghandschuhen als Gummiersatz. Sein besonderer Tipp waren auch Magnum-Kondome, die aufgrund ihrer Länge normalen Kondomen beim Steinschleuderbau vorzuziehen sind—endlich mal ein realer Grund für dich, zu den XXL-Kondomen zu greifen.


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