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Der Valentinstag soll sich bitte ins Knie ficken

Ich habe endlich einen Grund, Valentinstag scheiße finden zu dürfen: Ich habe gerade eine Trennung hinter mir.
14.2.16

Acht Jahre. In acht Jahren lernt man essen, trinken, sprechen, schreiben, überleben—mit acht Jahren ist man fürs Erste einigermaßen weit. Du weißt über Sex Bescheid, du weißt, was der Tod ist und du weißt, dass du bald zu alt für deine Barbie bist. Mit dieser Zeit kann man viel anfangen. Man kann sie beispielsweise in einer Beziehung verbringen. So wie ich—ich war acht Jahre lang in einer Beziehung, mit einem Mann, von dem ich dachte, dass ich mit ihm wie in The Notebook gleichzeitig sterben würde. Und ja, das ist eigentlich selbst mir zu romantisch.

Aber die Romantik hat mit Trennungsschmerz Platz getauscht und heute, an diesem verdammten Valentinstag, schaue ich all den verliebten Idioten dabei zu, wie sie vor der Frage „Rote Rosen oder doch einfach nur Pralinen?" stehen und mit einem verliebten Grinsen in der Fresse in die Bim steigen. Wir haben uns getrennt, „wir" sind jetzt er und ich. Es gibt uns nur noch auf Fotos, die mir immer wieder auf Instagram, Facebook oder meinem Laptop begegnen. In my face.

Und heute ist Valentinstag, Tag der Blumenläden, Tag des Liebes-Kapitalismus—der Muttertag der Liebenden. Der Valentinstag könnte mir nicht egaler sein—zumindest war er mir das bisher. Heute aber habe ich tatsächlich einen Grund, ihn beschissen zu finden und ihn zu verabscheuen. Ich darf diesen Tag endlich hassen, ohne groß erklären zu müssen, warum.

Vor der Trennung war ein Anfang und in meinem Fall war das ein Proberaum. Also in einem extrem räudigen Umfeld, das so ehrlich war, dass es am Ende doch wieder Sinn ergibt, habe ich diesen Mann lieben gelernt. Und jetzt frage ich mich: Wozu? Ich weiß, dass es zu radikal und auch schlicht falsch wäre, zu sagen, es war reine Zeitverschwendung, aber mit der Trauer und der Wut flackert auch dieser Gedanke auf.

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Ein Gedanke, der sich ganz natürlich aus dem Nichts in mein Herz-Kreislauf-System schwingt. Dieser irre. Während ihr händchenhaltend und verliebt der Liebes-Konsumation frönt, werde ich Andy Shauf hören und mich bei „And I stood in the room that I'd created" umsehen und niemanden entdecken, der mir irgendwas Blumenartiges schenkt.

Was ich heute noch machen werde? Ich gehe mir eine Wohnung ansehen, in die ich alleine ziehen werde. Ist das nicht schon fast ulkig, sich nach einer Trennung am Valentinstag eine potenzielle neue Bleibe ohne Partner zu suchen? Ich habe noch nie alleine gewohnt und ich denke, das wird diese Trennung erst richtig real und spürbar machen. Der heutige Tag grinst mir süffisant ins Gesicht und sagt mir, dass sich mein Leben schlagartig geändert hat. Er sagt mir, dass meine Realität, wie es sie vor ein paar Wochen noch gab, nicht mehr existiert.

Meine Beziehung war ein Märchen, das in einer Welt gespielt hat, in der alles heil war. Wir haben selten gestritten (verhältnismäßig) und haben in einem Bubblebath aus Liebe, Glückseligkeit und Zusammenhalt gebadet. Was dann letztendlich auch dazu geführt hat, dass wir unsere—doch existenten—Probleme ignoriert haben. Und genau das hat uns letzten Endes auch zerstört.

Wir wurden „Opfer" unserer eigenen Ignoranz, weil wir es schön haben wollten und wir auch nicht das Gefühl hatten, dass man sich jetzt groß streiten müsse. Schau uns jetzt an. Jetzt weinen wir bei einem unserer hundert Abschiedsgespräche, bei denen wir uns fast immer im Kreis gedreht haben.

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Irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen, dass wir uns nach so langer Zeit ruiniert haben und dass es kein „Xiu Xiu", kein gemeinsames Rectify, kein Homeland, kein gemeinsames Kochen (OK, er hat gekocht), kein gemeinsames Baden mehr geben wird—vorbei. Und ja, während ich das schreibe, führe ich einen kleinen Kampf gegen Tränen, meine treuen Wegbegleiter.

Auf die ist in den letzten Wochen Verlass. Besonders, wenn man sich all den lästigen, aber notwendigen Fragen stellt, die so eine Trennung mit sich bringt: Wer zieht aus? Wohin zieht man dann? Wer bekommt was? Will man überhaupt über diese Banalitäten reden? Ist es eine gute Idee, sich noch zu treffen oder ist es eigentlich komplett falsch, sich gegenseitig in einer Situation zu helfen, in der man gemeinsam—und wegen dem anderen—steckt? Hat er schon jemand anderes gefickt? So in etwa sieht dieses Fragen-Spiel aus und derzeit ist noch kein Sieg in Aussicht—besonders heute nicht. Tag der Liebenden, my very ass.

Foto via Flickr | Miss Skew | CC BY 2.0

Acht Jahre. Man geht acht Jahre lang ins Gymnasium. Acht Jahre musste die Frau ins Gefängnis, die sich beim Sex mit einer Freundin als Mann ausgab (I kid you not). Vor acht Jahren wurde der Inzestfall Josef Fritzl entdeckt, vor acht Jahren hat Michael Jackson noch gelebt.

Vor acht Jahren wusste ich noch nicht, dass ich den heutigen Tag ohne meinen Freund verbringen werde. Ja, eh. Das klingt pathetisch und nachher ist man immer gescheiter—aber ich frage mich, ob man als Besserwisser überhaupt über Liebe schreiben kann und wie man es schafft, dabei nicht pathetisch zu wirken. Wenn man ehrlich ist, kommt man nur schwer drumherum.

Um zum Punkt zu kommen: Valentinstag ist die Erfindung des Teufels. Dieser Tag ist dazu da, einsame Menschen daran zu erinnern, dass sie einsam sind, frisch Getrennte daran zu erinnern, dass sie mit diesem Stechen im Herzen jetzt wohl noch einige Zeit auskommen müssen. Euer Valentinstag ist mein Schmerz und das alles nur, weil den Blumenläden nicht ausreichend Menschen wegsterben, nicht genügend Hochzeiten gefeiert werden.

Ich sage jetzt nicht, dass Valentinstag eine Schöpfung des Kapitalismus ist, das ist nämlich Bullshit. Aber natürlich will man diesen Tag nützen und ihn zu Barem machen. 1969 wurde der Valentinstag aus dem römischen Generalkalender gestrichen und das war eine weise Entscheidung. Können wir ihn denn nicht auch aus unserem streichen? Liebt euch halt einfach jeden Tag, bis auch ihr irgendwann vor den Scherben eures Glückes steht. Und was den Valentinstag angeht: Der soll sich ins Knie ficken.

Isabella auf Twitter: @isaykah