Der VICE Guide, um als Frau Männer im Club aufzureißen

Nachdem uns letztens eine Frau erklärt hat, wie man im Club Frauen aufreißt, machen wir es heute exakt andersrum.

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20 März 2015, 11:00am

Titelfoto: Oliver Capuder

Vor Kurzem haben wir uns Männern erklärt, wie man beim Clubbesuch erfolgreich Frauen aufreißt, ohne ein aufdringlicher Dreckskerl zu sein. Beim einen oder anderen Punkt dürften sich viele von uns Männern ertappt gefühlt oder zumindest dazugelernt haben. Da wir aber bekanntlich nicht mehr (vollständig) hinterm Macho-Mond leben, ist auch klar, dass es nun als Antwort eines Aufreiß-Guides bedarf, der die Sache von der Gegenseite aufrollt.

Ich werde also versuchen, den Damen der Schöpfung aus der Perspektive eines Mannes Tipps zu erteilen, um sich auf korrekte und erfolgreiche Art und Weise Männer aufzureißen. Denn auch, wenn es noch nicht in jedem Winkel des Universums angekommen ist: Nicht alle Männer sind geifernde, sabbernde Halb-Mensch-halb-Hund-Kreaturen, die zu jeder Frau automatisch Ja sagen. Und bei den meisten weiblichen Reißerinnen gibt es sehr viele Optimierungsmöglichkeiten im Jagdverhalten. Hier eine Auflistung der wichtigsten Dos und Don'ts für den Männeraufriss im Club.

Glaube nicht, dass du dämliche Anmachsprüche nötig hast

Ein Mädchen hat mir kürzlich beim Feiern erzählt, dass sie noch nie aktiv einen Kerl klargemacht hat, weil sie einfach nicht weiß, wie man jemanden auf die richtige Art und Weise anspricht. Sie hatte dieses fixe Bild in ihrem Kopf, dass man, um ein halbwegs erfolgreicher Flirter zu sein, einen dieser klassischen Anmachsprüche und eine übertrieben selbstbewusste Körperhaltung benötigt. In Wahrheit brauchen weder Männer noch Frauen irgendeinen einstudierten Spruch, um einen Stich zu landen.

Der 08/15-Anmachspruch-Scheiß ist ja schon von Seiten der Männer hochgradig bescheuert, und andersrum kommt das Ganze auch nicht wirklich besser an. Kein Mensch, der nicht direkt dem Drehbuch eines Hollywood-Autors entsprungen ist, will irgendwelche pseudocoolen Sätze hören, die zuvor vor dem Spiegel auf der Toilette auswendig gelernt wurden. Wichtigste Regel: Wenn euch ein Kerl gefällt, dann sagt es doch einfach ganz gerade raus. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären.

Finde dich damit ab, dass du abblitzen könntest

Männer, die versuchen, Frauen aufzureißen, blitzen oft ab. Sehr oft. Ich habe beim Aufriss schon Männer kläglich scheitern sehen, die aussahen wie eine Mischung aus Johnny Depp und Brad Pitt (nur jünger) und sich artikuliert haben wie zukünftige Literatur-Nobelpreisträger. Im Laufe des Männerlebens lernt man normalerweise aber, mit diesen teilweise niederschmetternden Niederlagen umzugehen, und akzeptiert sie als Kollateralschäden auf der Straße zum Erfolg.

Irgendwie scheint Frauen das Risiko, womöglich zurückgewiesen zu werden, aber viel öfter abzuschrecken. Liebe Frauen: Wenn ihr erfolgreich Männer aufreißen wollt, dann müsst auch ihr das Risiko in Kauf nehmen, hin und wieder einmal einen dicken, fetten Korb zu kassieren. So eine Abfuhr muss man sich nicht gezwungenermaßen zu Herzen nehmen. Nur weil irgendjemand euch nicht scharf findet, heißt das nicht, dass der nächste Typ nicht komplett anders über euch denkt. Dieser äußerst banale Grundsatz ist ja auch das Geheimnis hinter der immer währenden Aufrissmotivation von uns Männern.

Hab keinen Schiss, ihn anzutanzen

Im letzten Aufriss-Guide wurde uns Männern ja erklärt, dass wir gefälligst nicht permanent Frauen antanzen (oder viel eher anbumsen) sollen. Dem kann man nur zustimmen—vor allem, weil es einfach scheiße ist, Mädchen in körperliche Bedrängnis zu bringen. Natürlich bedeutet das aber auch, dass jemand anders als der Mann den ersten Schritt auf der Tanzfläche machen müsste, wenn wir nicht in einer völlig nahtanz- und twerk-freien Welt leben wollen.

Liebe Frauen, ihr vermutet es wahrscheinlich schon: Diese Aufgabe bleibt leider an euch hängen. Wenn ihr also das dringende innerliche Bedürfnis verspürt, auf der Tanzfläche an, neben, mit oder auf irgendeinem bestimmten Typen zu tanzen, dann tut es einfach. Und nein, mit „tanzen" ist nicht zwingend exzessiven Grinden und an den Beinen des Kerles rauf und runter Rutschen, als wären sie Stripperstangen, gemeint.

Schicke NIEMALS deine Freundinnen vor

Diese Taktik gehört zu den uncoolsten und postpubertärsten, tragischerweise aber auch zu den am häufigsten praktizierten Angrabmethoden, die Frauen im Club anwenden (zumindest, wenn sie mit mehreren unterwegs sind). Mach dir aber bewusst: Wenn deine BFF zu ihm rüberspaziert und sagt: „Hey, meine Freundin da drüben findet dich voll süß" und dann auf dich zeigt, sagt sie damit eigentlich: „Hey, wir verhalten uns gerne wie 16-Jährige und meine Freundin hat nicht genug Mumm, um eigenständig Hallo zu dir zu sagen."

Als Mann fühlt es sich außerdem sehr, sehr seltsam an, zu diesem Mädchen rüberzublicken und ihr schüchternes Grinsen oder Winken leicht gezwungen zu erwidern. Noch seltsamer fühlt es sich aber an, dem Tipp der Freundin auch noch zu folgen und mit der Little Miss Schüchtern eine Konversation zu beginnen, die schon von Anfang an dazu verdammt ist, peinlich zu werden. Da verfliegt das Interesse schon, bevor es jemals existiert hat.

Lass seine Haare, seine Kappe und seine Mütze aus dem Spiel

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Postpubertäre Anmach-Methode Nummer 2: Versuchen, einen Kerl ins Gespäch zu verwickeln, in dem man ihm sein (vermutlich sehr geliebtes) Cap oder seine Beanie vom Kopf zupft und sich selbst aufsetzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemals auch nur ein einziger Mann irgendwo auf diesem Planeten dieses Verhalten auch nur für eine Sekunde als süß oder sympathisch empfunden hat.

Das Schlimmste: Man kann diesem Schwachsinn als Mann nicht mal entkommen, in dem man auf Kopfbedeckungen verzichtet, denn dann wird einem von der Frauenwelt einfach durch die Haare gewuschelt. Frauen, macht euch bewusst, dass wir Männer der Gegenwart in den meisten Fällen mindestens so eitel sind wie ihr, und dass wir vor dem Ausgehen im Schnitt 10 Minuten vor dem Spiegel verbringen, um zu überprüfen, ob die Frisur sitzt. Und dann kommt ihr, und zerstört dieses—zugegeben bescheidene—Meisterwerk innerhalb von Sekunden. Ist es da nicht völlig logisch, dass wir keine Lust mehr haben, uns weiterhin mit euch zu unterhalten?

Hör auf, permanent über andere Typen zu reden

Wenn ihr die ersten Schritte irgendwie auf die Reihe bekommen habt und infolge tatsächlich mit dem Kerl eures Interesses im Gespräch seid, tut euch selbst einen Gefallen und versucht, nicht unaufhörlich von anderen Männern zu schwärmen. Ich weiß nicht, warum sie es tun, aber es erstaunt mich immer wieder, wie viele Mädchen permanent anklingen lassen, was für geile Kerle, von denen man selber keiner ist, sie kennen.

Solltet ihr tatsächlich andere Kerle kennen, die noch viel tollere Männer sind als eure Gesprächspartner, dann ist das natürlich super. Aber ihr solltet vermeiden, es im Gespräch bei jeder Gelegenheit anklingen zu lassen. Denn genau wie bei euch Frauen haben auch wir Männer keinen Bock, uns wie ein Vergleichsobjekt zu irgendeinem atemberaubenden Traumkerl vorkommen zu müssen (auch wenn wir genau das sind). Uns ist sowieso schon schmerzlich bewusst, dass wir nicht aussehen wie Ryan Gosling. Stellt euch nur mal vor, wie armselig es wäre, wenn ein Kerl sich mit euch an die Bar stellen würde, und dabei in jedem dritten Satz anklingen lassen würde, wie geil die Braut war, mit der er kürzlich was am Laufen hatte. Eher uncool, oder?

Zieh die Spendierhosen an

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Zu den schönsten Errungenschaften der Gegenwart gehört, dass sich ein Mann nicht mehr weniger potent vorkommen muss, wenn mal nicht er die Drinks zahlt. Euch Damen eröffnet das an der Bar einen Haufen Möglichkeiten. Natürlich könnt auch ihr nicht fix damit rechnen, dass ihr euch unsere Gunst mit Alkohol erkaufen könnt. Aber ihr könnt es zumindest probieren. Und ganz ehrlich: So schlecht stehen eure Chancen gar nicht, denn viele Kerle sind immer noch leicht überrascht, wenn ihr sie von euch aus an die Bar schleppt. In dem Sinne: Prost, und frohen Aufriss.

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