Alle Illustrationen: Dan Evans

Das schreckliche Verhalten stinkreicher Menschen zur Urlaubszeit

Es ist aber auch wirklich nicht leicht, sich von dem ganzen Stress zu erholen, der mit dem Verkauf der Seele an den Teufel einhergeht.

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15 Juli 2016, 11:23am

Alle Illustrationen: Dan Evans

Allgemein gesprochen, können reiche Leute richtige Arschlöcher sein. Aber wie soll man denn auch Menschen mögen, die unverdienterweise immense Boni einstreichen, Kinderheime abreißen und durch riesige Bürokomplexe ersetzen oder Waffen an Entwicklungsländer verkaufen. Im Urlaub können diese Leute jedoch noch unausstehlicher agieren. Es ist jedoch auch wirklich nicht leicht, sich von dem ganzen Stress zu erholen, der mit dem Verkauf der Seele an den Teufel einhergeht.

Zum Glück haben wir einige Freunde, die in den Luxustourismus-Ressorts von Griechenland, Frankreich und Spanien arbeiten und uns deshalb auch einige haarsträubende Geschichten erzählen konnten.

Rassismus im Golfclub

Einmal checkte ein amerikanischer Banker um die 40 zusammen mit seinem afroamerikanischen Butler bei uns im Hotel ein. Abgesehen vom Golfen machte besagter Banker wirklich keinen einzigen Finger krumm. Anfangs ging ich ganz naiv auch noch davon aus, dass es der Butler eigentlich ganz gut haben würde. Immerhin war sein Boss ja unglaublich reich. Später sollte der Banker jedoch den ekelhaftesten Satz sagen, den ich je gehört habe. Nachdem er seinen Golfball irgendwo ins Unterholz geschlagen hatte, drehte er sich zu mir und meinte laut: "Den soll mein Labrador einfach für mich zurückholen." Der Butler lief daraufhin direkt los, um den Ball zu suchen.

Ein anderes Mal buchte ein Deutscher eine ganze Suite für sich allein und dann noch drei weitere Zimmer für seine Bodyguards. Bei der Ankunft bat er mich darum, ihm das Hotelgelände zu zeigen—und zwar in einem Golfwagen. Er saß dann auf dem Beifahrersitz und hatte eine Weinflasche zwischen seine Beine geklemmt, während seine Leibwächter hinter uns herrannten. Und dabei hätten auf jeden Fall mehr als zwei Personen in den Golfwagen gepasst. So ging es dann eine ganze Dreiviertelstunde lang und ab und an verlangte der reiche Deutsche sogar von mir, extra Gas zu geben, damit seine Bodyguards richtig sprinten mussten. Sein teuflisches Lachen setzte dem Ganzen noch die Krone auf.

Christophe, Empfangschef und Golfclub-Manager, Deauville

Ein ganz spezieller Geburtstag

Eine russische Familie feierte in Madrid den Geburtstag der jüngsten Tochter. Sie waren kaum angekommen—noch nicht mal der Check-in war vollzogen—, als sie mich schon anwiesen, einen Helikopter zu organisieren, der sie auf dem Hoteldach abholen und über die Stadt fliegen sollte. Während des Flugs wollten sie außerdem Ballons in den Himmel steigen lassen, auf die sie die Geburtstagsgrüße für ihre geliebte Tochter geschrieben hatten. Und im Hintergrund musste dazu natürlich noch das Lieblingslied besagter Tochter in Dauerschleife laufen. Ein Nein als Antwort ließen sie gar nicht erst gelten und waren auch dazu bereit, jegliche Summe auf den Tisch zu legen, um ihren Plan in die Tat umsetzen zu lassen.

Gloria, Concierge, Madrid

Happy End in der Ägäis

Vier Russen mieteten zwei unserer Jachten für einen Trip entlang der griechischen Inseln. Ein Boot war dabei für sie, das anderen für eine Gruppe von Frauen, die sie ebenfalls gemietet hatten. Schon bald glich die ganze Sache jedoch eher einem Porno-Set, denn kaum war der Anker gelichtet, liefen die Typen vor unseren Augen schon komplett nackt herum. Irgendwann hatten sie dann auch direkt vor uns Sex. Der ganze Trip war für mich sehr unangenehm, aber technisch gesehen ist das Boot leider so etwas wie ein Privatbereich der Kunden. Und so lange sie uns Angestellte nicht dazu auffordern, bei ihrem Treiben mitzumachen, haben wir keine andere Wahl, als uns in Diskretion zu üben.

Jeden Morgen verwandelte sich die Jacht in den Schauplatz einer großen Orgie, die bis spät in die Nacht andauerte. Dann schickten die Russen ihre Frauen in einem Schlauchboot zurück auf deren Jacht. Diese ganze Szenerie mag zwar ziemlich verlockend und scharf klingen, aber für arbeitende Angestellte ist sie doch eher ein Albtraum. Unser Ziel besteht aber darin, dass der Kunde glücklich ist. Und glaubt mir, glücklich waren sie auf jeden Fall.

Michael, Schiffskapitän, meistens in den Kykladen

Genauso wie zu Hause

Das Hotel, für das ich arbeite, bietet einen 'From Home to Home'-Service für die Gäste an, die länger bei uns bleiben. Normalerweise müssen wir dafür Teppiche, Sofas, Vorhänge und so weiter austauschen, damit sich besagte Gäste während ihres monatelangen Aufenthalts wie zu Hause fühlen. Wenn allerdings Araber oder Adelige bei uns einchecken, wird das Ganze etwas absurd. Vor Kurzem mussten wir in einer unserer Suiten zum Beispiel die Badewanne rausreißen und mit einer gold- und diamantbesetzten Version ersetzen.

María, Gästebetreuung, Madrid

Kokain an Bord

Ich arbeite den Sommer über immer als erster Offizierin auf Luxusjachten, die normalerweise mehrere Millionen Dollar wert sind. Mein Job ist es dabei, einen reibungslosen Ablauf zu gewähren und gleichzeitig die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen. Außerdem muss ich immer ein Auge auf die Besatzung haben, damit nichts außer Kontrolle gerät.

Einmal hat ein Engländer eine 35 Meter lange Jacht gemietet und dann alle seine Freunde eingeladen. Dabei handelte es sich durch die Bank um alteingesessene Kapitalisten Mitte 50, die alle im Finanzsektor arbeiteten und total darauf standen, ihre jungen Freundinnen inklusive falschen Brüsten zu präsentieren. Und natürlich liebten sie es, richtig die Sau rauszulassen—was auch bedeute, riesige Mengen an Kokain mit an Bord zu nehmen. Bevor wir ablegten, versteckten sie das Zeug auf dem ganzen Schiff. Anfangs war es noch recht aufregend und lustig, mit ihnen Party zu machen. Gleichzeitig hatte ich aber auch schon Schwierigkeiten, mit ihnen mitzuhalten. Vor allem mein "Boss" ließ es richtig krachen, indem er quasi rund um die Uhr Lines zog—beim Mittagessen, vor der Jetski-Tour, beim Fischen und auch noch mitten in der Nacht. So ging es dann eine ganze Zeit lang, bis ich an Bord schließlich noch härtere Drogen fand. Da war das Maß für mich voll: Am darauffolgenden Tag packte ich meine Sachen und machte mich auf die Suche nach einer gesünderen Arbeitsumgebung.

Sophie, erste Offizierin auf Segelbooten, meistens in der Karibik und in den Kykladen

Der religiöse Serbe

Meistens verlangen unsere Gäste Frauen und Drogen. Wenn man da selbst nichts mit zu tun haben will, muss man ihnen zumindest den Kontakt zu den richtigen Ansprechpartnern vermitteln. Drogen sind hier einfach zu beschaffen, kosten dafür aber richtig viel Geld. Frauen stellen da schon eine größere Herausforderung dar. Meine verrückteste Geschichte mit einem reichen Gast hat aber weder mit Kokain noch mit Prostituierten zu tun. Nein, die Hauptrolle spielt ein serbischer CEO, der gleichzeitig gläubiger Christ war.

Am ersten Tag seines Aufenthalts bat er mich darum, die Möbel in seinem Zimmer neu zu positionieren, ihm ein paar CDs mit byzantinischer Musik zu brennen und ein paar Flaschen Champagner (im Wert von je 1.500 Euro) zu öffnen. Außerdem verlangte er von mir, ihn überall hinzubegleiten—egal ob nun an den Strand, zum Abendessen oder zu Partys. Er ließ mich nicht von seiner Seite weichen und ganz ehrlich, es machte mir richtig viel Spaß. Als wir eines Nachts schließlich von einer ziemlich wilden Feier zurückkehrten, kam in ihm der Wunsch auf, sofort auf die kleine und ungefähr eine Stunde entfernte Insel Tinos zu fahren, um dort eine Kerze anzuzünden und zu beten. Tinos ist nämlich im Grunde so etwas wie das griechische Ibiza für christliche Großmütter. Also mietete er uns eine 40 Meter lange Jacht und ehe ich mich versah, befand ich mich um sieben Uhr auf Tinos—umgeben von alten Damen, die zur Wallfahrtsbasilika der Jungfrau Maria krochen.

Manos, Hotelpage, Mykonos

Zu alt und zu viel Geld

Der schlimmste Job, den ich jemals hatte, war bei einem Jachtcharter-Unternehmen. Damals war ich 20, der Sommer klopfte an die Tür und ich hielt es für eine brillante Idee, für das Hin- und Herspringen zwischen griechischen Inseln bezahlt zu werden. Ein Freund verschaffte mir bei dem besagten Unternehmen schließlich einen Job als Kellnerin und man sagte mir, dass ich den Gästen rund um die Uhr zur Verfügung stehen müsste und mich niemals über die Arbeitszeiten beschweren dürfte. Bei einem Gehalt von 750 Euro pro Woche kam es mir jedoch gar nicht in den Sinn, irgendetwas in diese Richtung zu tun.

Man schickte mich auf eine Luxus-Segeljacht, auf der sich zwei russischen Pärchen Mitte 70 breitgemacht hatten. Besagte Jacht kostet pro Woche 75.000 Euro und natürlich hatten sie auch die komplette Crew—inklusive einer weiteren Kellnerin, einem Koch, dem Kapitän und einer Putzkraft—dazugebucht.

Das Verhalten der Pärchen war dabei von Anfang an unter aller Kanone. Als erste Mahlzeit servierten wir ihnen Garnelen-Pasta und eine der Frauen verlangte direkt von mir, ihr die Garnelen zu schälen. Das machte ich zwar, musste dabei aber ständig den Wunsch unterdrücken, ihr die Tiere in die Augen zu rammen. Nach dem Essen wies mich die andere Rentnerin an, ihr die Füße zu massieren. Ich meinte daraufhin, dass ich ich nur für das Servieren der Getränke und der Speisen zuständig wäre. Und schon riefen sie meinen Chef an, um sich zu beschweren. Da entschloss ich mich dazu, alles hinzuschmeißen. Die darauffolgenden Tage wartete ich dann nur noch darauf, dass die Jacht an der nächsten Insel anlegt. Im Suff nannte mich eine der Frauen auch weiterhin eine "kleine Schlampe".

Außerdem klingelte sich mich mitten in der Nacht ständig aus dem Bett, damit ich ihr Wasser brachte. Sie ließ den Koch nach Feierabend immer sofort irgendein neues Gericht kochen und verschüttete absichtlich Wein, damit die Putzkraft die Sauerei wegmachen musste. Ihr Mann setzte dem Ganzen jedoch die Krone auf: Immer wenn ich an den Tisch trat, um die Getränke nachzufüllen, packte er mich am Oberschenkel und rutschte mit seiner Hand immer höher—bis ich meinte, dass ich seiner Frau davon erzählen würde. Sowas passiert eben, wenn alte Leute zu viel Geld haben. Sie wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Deshalb werden sie zu absoluten Wichsern. Bei der nächsten Insel ging ich von Bord, nahm die Fähre nach Hause und warte noch bis heute auf meine Bezahlung.

Dimitra, Kellnerin auf einer Jacht, meistens im Ionischen Meer

Himmlischer Wein

Ich habe mal als Sommelier im Restaurant eines Fünf-Sterne-Hotels gearbeitet. Eine der häufigsten Wünsche der reichen Gäste war dabei nach ihrem Lieblingswein, der oft natürlich nicht auf unserer Karte stand. Eigentlich wäre das gar keine große Sache, wenn besagter Lieblingswein nicht aus einem komplett anderen Teil der Erden stammen würde. Ich war also ständig mit Leuten aus Paris, London, New York oder Buenos Aires in Kontakt, um Weine in der Preisklasse zwischen 2.000 und 7.000 Euro pro Flasche ranzuschaffen. Dazu brauchte ich natürlich auch immer ein Flugzeug inklusive Piloten, der den Wein rechtzeitig zum Abendessen des entsprechenden Gastes nach Barcelona brachte.

Gustavo, Sommelier, Barcelona

Ein unanständiges Angebot

Manchmal flirten verheiratete Männer mit mir. Sie wollen mir einen Drink an der Bar spendieren und stecken mir ihre Telefonnummer zu. Weiter geht es jedoch nie. Ich habe bestimmt schon Hunderte Nummern von relativ bekannten Geschäftsmännern und Politikern in meinem Handy gespeichert. Manchmal laden sie mich aber auch auf ihr Zimmer ein. Ich weiß noch, wie ich einmal an der Rezeption arbeitete, als ein Vater Mitte 50 zusammen mit seinen beiden Töchtern im Teenageralter in die Lobby kam. Er wollte zwei Zimmer in unterschiedlichen Stockwerken—eins für sich und eins für seine Kinder. Ich erfüllte seinen Wunsch und bekam dafür auch ein Trinkgeld von 100 Euro zugesteckt. Am darauffolgenden Abend verstand ich dann auch, warum. Nach dem Essen schickte der Vater seine Töchter ins Bett. Anschließend kam er zu mir rüber und meinte mit einem Lächeln auf den Lippen: "Falls dir langweilig ist, weißt du ja, wo du mich findest." Darauf konnte er natürlich lange warten.

Unter den ganzen reichen Leuten gibt es aber auch viele Diebe. Einmal bemerkte die Putzkraft, dass im Zimmer eines gerade ausgecheckten weiblichen Gasts sowohl die Kissen als auch ein Gemälde fehlten. Ich musste dann die Kreditkarte der Frau belasten und sie anrufen. Anstatt das Ganze abzustreiten, sagte sie jedoch nur: "Klar, buchen sie mir das ruhig ab. Ich bin keine Diebin. Ich wollte einfach nur dieses Gemälde haben." Sie dachte wohl, dass unser Hotel so etwas wie ihr persönliches Einkaufszentrum sei.

Émilie, Empfangsdame, Paris