Gipfelibrunch zu Porno-Kurzfilmen
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Popkultur

Gipfelibrunch zu Porno-Kurzfilmen

Die Porny Days zeigten drei lustvolle Tage lang, dass sich Erregung und Reflexion nicht ausschliessen.
10.12.14

Alle Fotos von Yves Bachmann​

​Denken wir an Pornos, stellen wir uns normalerweise Sex, also Akt und Voyeur-Reinraus-Aufnahmen von dicken Schwänzen, die jede Körperöffnung eines vollbusigen Silicon Valley-Häschen vögeln, vor. Das war an den Porny Days dieses Wochenende anders. Die Porny Days sind das Film-Kunst-Festival, das sich von der Einwegmentalität der Mainstream-Pornografie distanziert und mit lustvollem, aber auch kritischem Blick auf die omnipräsente Repräsentation von Sex späht.

Sie verwandelten das vorweihnachtliche Zürich in eine lustvolle Hochburg für Sexnerds. Wenn auch mit gewissen Anlaufschwierigkeiten.

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Meine Hoffnung, bereits an der Eröffnung in eine lustvolle, offene Stimmung einzutauchen, war vergebens. Die Festivaleröffnung am Freitag mit Kunstvernissage, dem Eröffnungsfilm Everything that Rises Must Converge von Omer Fast und die anschliessende Porny Party in der Amboss Rampe gestalteten sich eher nüchtern und narkotisierten jede Erwartung, sich doch auf einer konventionellen Pornomesse zu befinden.

Es schien, als sei es den Veranstaltern sehr wichtig gewesen, von Beginn weg dem feuchten Schmuddelimage von Pornografie fernzubleiben. Die Stimmung war deshalb so trocken wie auf jedem anderen Kunst-Film-Festival.

Der Samstag machte dann wett, was am Freitag gefehlt hatte. Auch wenn die Swiss Sex Shorts meine Erwartungen punkto erregende Schweizer Sexfilme nur teilweise befriedigen konnten, herrschte am Samstagabend im Festivalzentrum der Amboss Garage eine fast schon zärtliche Stimmung.

Die Performances von Teamamerika heizten mit einem „Sexy White Trash Gangsta StripHop" und ausgesuchten Beats ein. Endlich erreichten wir einen offenen Raum für spannende Gespräche rund ums Thema Sex.

Mein absolutes Highlight war dann die Performance Makeout4ultimate von Manuel Schwiller und Co. Als die Anal-Laser-Tanz-Show startete, wurde auch die eine oder andere Handycam gezückt. Hyperhorny Sex-Touristen mit professioneller Kameraausrüstung gab es aber auch hier keine.

Dem Kater am Sonntag wirkte ich mit einem Porny Brunch entgegen. In fast schon familiärem Rahmen wurden Kurzfilme zum Gipfeli präsentiert. Meine Angst, die Kombi könnte mir auf den Magen schlagen, hat sich aber nicht bewahrheitet. Vielmehr bot sich die Möglichkeit, mit den Filmemachern persönlich und mit klarem Kopf über ihre Arbeit zu sprechen.

Nach drei Tagen Porny Days ist klar, dass an diesem Festival der konventionelle Porno definitiv hinten ansteht, dass aber eben genau dies die Diskussion über die diversen Facetten von Sexualität fördert. Als weibliche Betrachterin stärkt das definitiv meine Hoffnung, dass mit solchen Festivals rein patriarchalischen Repräsentationen von Sex endlich ein Ende gesetzt wird und sich irgendwann doch ein gleichberechtigtes Verhältnis bei der Darstellung von Sex einstellen kann.​