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Diese Typen behaupten, sie hätten das größte illegale Graffiti-Piece der Welt erschaffen

Die Crew Indecline war bislang eher bekannt als Erschaffer von ‚Bumfights' und dafür, mutmaßlich Leichenteile aus einem thailändischen Krankenhaus gestohlen zu haben, jetzt wollen sie auf den Klimawandel aufmerksam machen.

von Jamie Lee Curtis Taete
04 Juni 2015, 9:39am

Ich bin letztens von einem Typen aus einer Gruppe namens Indecline kontaktieret worden, der behauptet, dass er und ein paar Kumpels das größte illegale Graffiti der Welt erschaffen haben.

Indecline beschreiben sich selber als eine „Underground-Bewegung" aus „Aktivisten, Musikern, Graffitikünstlern [und] Fotografen." Du kennst sie aber wahrscheinlich eher als die Macher der Bumfights-Videos oder die Typen, die dafür verhaftet wurden, mutmaßlich Leichenteile aus einem thailändischen Krankenhaus geklaut zu haben.

Das Graffiti-Piece mit dem Schriftzug „THIS LAND WAS OUR LAND" wurde auf einer ungenutzten Landebahn in Kaliforniens Mojave-Wüste erstellt. Es brauchte sechs Tage, mehr als 950 Liter Farbe und erstreckt sich über fast einen Kilometer. Damit ist es etwa doppelt so lang wie das MTA Piece am L.A. River, das bis zu seiner Entfernung als das größte illegale Graffiti der Welt galt.

Ich habe mich mit jemandem von Indecline unterhalten, um mehr über das Piece zu erfahren. Aus nachvollziehbaren Gründen wollte er anonym bleiben.

Bild via Google Earth Blog

VICE: Woher wisst ihr, dass es das größte Graffiti der Welt ist?
Indecline: Wir haben dafür eine Menge Recherche betrieben. Wir legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen illegalen Graffitis—unserer Meinung nach die einzig echten Graffitis—und Auftragsarbeiten. Es gibt riesige Murals, die als Auftragsarbeiten von Regierungen oder Geschäftsleuten entstanden sind—wie zum Beispiel in Dubai—aber es sind eben Murals. Es gibt einen großen Unterschied zwischen legalen Auftragsarbeiten und etwas, für das man seine Freiheit aufs Spiel setzt, dicke Bolzenschneider und eine Menge gut durchdachter Guerilla-Taktiken braucht.

Wo und wann habt ihr das Piece gemacht?
Diesen April. Wir haben etwas mehr als einen Monat mit der Suche verbracht, damit, dorthin zu kommen, alles abzumessen und uns mit der Landschaft vertraut zu machen. Wir haben lange bei Google Earth recherchiert, dann gab es ein paar Trips, bei denen es vor allem um die ganze Vorbereitung ging, also wie man das Team dorthin bekommt und wie wir das überhaupt anstellen. Es ist unglaublich schwierig, zu dieser Landebahn zu kommen. Von Kramer Junction, Kalifornien, aus musst du etwa 45 Minuten auf komplett verwilderten Dirt Roads durch die Wüste fahren—und du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, wie viel Farbe und Material wir dorthin befördern mussten.

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Warum habt ihr euch genau diese Landebahn ausgesucht?
Vor allem wegen der Location. Wir haben uns etwa ein halbes Dutzend Landebahnen in Kalifornien und Nevada angeschaut. Diese passte einfach perfekt. Das Gebiet dort gilt als ein Niemandsland aus Bomben, Patronenhülsen und Militärflugzeugen, die dort einfach vor sich hin gammeln. Es war einfach interessant für uns, dass das Militär dieses Stück Land genommen und dann vollständig zerstört hatte. Ich glaube, die haben dort sogar mal eine Atombombe gezündet, und alles dann einfach so gelassen. Es ist schon ziemlich im Arsch da draußen. Wir fanden die Location perfekt: Sie ist ziemlich poetisch und außerdem war die Landebahn im Vergleich zu vielen anderen, die wir uns angeschaut haben, in einem ziemlich guten Zustand. Die Reinigung brauchte trotzdem drei Tage, bevor wir überhaupt anfingen konnten, Farbe aufzutragen.

Wie habt ihr saubergemacht?
Wir hatten sechs Hochleistungslaubbläser und eine Konstruktion aus Maschendraht. Die haben wir mit Gewichten beschwert, hinten an einem Truck befestigt und dann stundenlang über die Landebahn geschleift.

Wie viele Leute waren involviert?
Insgesamt acht.

Und wie lange habt ihr gebraucht?
Sechs Tage mit jeweils 18-20 Stunden Arbeit und sehr wenig Schlaf.

Wie oft musstet ihr rausfahren?
Nur einmal. Wir hatten einen großen Wohnwagen und ein paar Trucks dabei. Dann haben wir diese riesige Tarnvorrichtung gebaut, die Autos dahinter versteckt und für sechs Tage dort gecampt.

Gab es irgendwelche unerwarteten Probleme?
Wir hatten etwa 90% fertig, als wir merkten, dass ein Flugzeug über der Landebahn kreist. Es war eine Militärmaschine—die scheinen also immer noch in dem Gebiet zu sein. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber es gab dann den Konsens, einfach weiterzumachen. Wir hatten auch keine andere Wahl: Wir konnten nirgendwohin abhauen und waren fast fertig, also haben wir es einfach zu Ende gebracht und sind dann verschwunden. Abgesehen davon lief alles ganz gut. Wir hatten uns nur total mit der Menge an Farbe verschätzt. Wir mussten also zwischendurch noch mal zum nächsten Baumarkt fahren, um neue zu holen.

Wie viel Geld hat das alles gekostet?
So an die 20.000 Dollar.

Was hat es mit dem Spruch auf sich?
Es ging uns um Relevanz. Wir hatten eine Menge Messages, die im Raum standen. Es spielte dann aber vor allem mit rein, dass das Piece wahrscheinlich bei Google Earth gesehen werden kann, also wollten wir auch etwas machen, bei dem es um die Erde ging. Wir entschieden uns also für den Klimawandel.

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Was hat „This Land was our Land" mit dem Klimawandel zu tun?
Wir sind große Fans von Woody Guthrie und dem ursprünglichen Song, den er geschrieben hat—die meisten Leute kennen den Text dazu gar nicht. Hier in Amerika singt man nur noch die abgeänderte Version. Wir wollten das also mit der Message verbinden, dass uns die Erde eigentlich allen gehört und wir sie uns von anderen Leuten haben wegnehmen lassen.

Wie illegal war die Aktion?
Das Land gehört der Regierung. Ich glaube, es würde wie jede andere Form von Vandalismus behandelt werden. Vielleicht sogar etwas härter, weil es sich um Militärgelände handelt. Ich weiß es aber nicht und ich will es auch gar nicht wissen.

In den Kommentaren zu dem Video, das ihr von der Aktion gemacht habt, schreibt jemand, „War gestern da draußen. Die Navy war schon da und hat ein schweres Tor installiert. Außerdem haben sie das Indecline mit USN [US-Navy] überschrieben." Glaubst du, dass das wahr ist?
Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, aber das ist ziemlich cool.

Hättet ihr im Nachhinein lieber eine Message genommen, die etwas schwerer für andere zu übernehmen ist? Euer Piece eignet sich ja eigentlich perfekt dazu, einfach „USN" über euren Namen zu schrieben.
Wir haben doch schon den ganzen Credit bekommen. Dieses Video wird noch viel weitere Kreise ziehen. Wir leben im digitalen Zeitalter und das Video ist jetzt in Umlauf. Ich kann dir außerdem fast garantieren, dass wir dorthin zurückkehren und es wieder übermahlen werden.