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​Das berühmteste Sturmgewehr der Welt bekommt ein Makeover

Russlands größter Waffenfabrikant hat jetzt ein schickes neues Logo—und behauptet, sich für den Frieden einzusetzen.
5.12.14

Nachdem sie jahrzehntelang als das wohl weltweit bekannteste Symbol für Tod und Zerstörung gedient haben, bekommen die sowjetischen Kalaschnikow-Sturmgewehre (darunter auch die berühmt-berüchtigte AK-47 und ihre Weiterentwicklung AK-74—die heutige Ordonnanzwaffe der russischen Armee) ein Makeover verpasst, das sie in unseren modernen, style-verliebten Zeiten wieder en vogue machen soll.

Seit dem Kalten Krieg hat das sowjetische Äquivalent zum deutschen G3 und dem amerikanischen M16 treue Dienste in den Händen von ​Gad​dafi, afrikanischen Kindersoldaten und den Taliban geleistet—es gibt sogar ​chinesisc​h​e Plagiate des berühmten Gewehres. Und es gibt kaum eine Schusswaffe, die derart robust und verlässlich ist: Wenn du eine AK-47 in der irakischen Wüste vergräbst und sie dir 20 Jahre später wieder holst, wird sie noch immer voll funktionsfähig sein.

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Für diejenigen unter uns, die noch nie eine AK-47 abgefeuert haben: Die Waffe ist trotz ihrer Robustheit nicht gerade perfekt. Die Munition ist recht groß und im vollautomatischen Betrieb schwer zu kontrollieren, weshalb westliche Streitkräfte auch leichtere und präzisere Sturmgewehre bevorzugen. Nichtsdestotrotz hat sich die Kalaschnikow zur wahrscheinlich einflussreichsten technischen Meisterleistung des ehemaligen Sowjetregimes gemausert.

Jetzt, da Russland aber auf Teufel komm raus versucht, seinen Status als globale Militärmacht zu sichern, stehen auch beim Kalaschnikow-Hersteller einige Veränderungen an. ​Sputnik N​ews, die staatliche Nachrichtenagentur Russlands, ließ verlauten, dass der ​Konzern Kalasc​hnikow (das ist der neue Name des größten Schusswaffenherstellers Russlands—bis 2013 hieß das Unternehmen NPO Ischmasch—momentan eine neue Unternehmensstrategie ausarbeitet, die die Ausrichtung des Rüstungsunternehmens bis ins Jahr 2020 vorgeben soll.

Dieser ​RT-Me​ldung zufolge gab der Kalaschnikow-Konzern umgerechnet 310.000 Euro aus, um seine Marke ansprechender zu machen. Die Militär-, Zivil- und Sportsparten wurden alle ordentlich aufgemotzt und um einen neuen Bereich mit Survival-Kleidung und Jagdmessern ergänzt. Ja, es wurde sogar in Erwägung gezogen, ​Steven Seagal als Markenb​otschafter zu engagieren—dieser Plan ist aber wohl wieder vom Tisch.

Kalaschnikow gab bekannt, dass nicht alle neuen Waffen über die gleiche charakteristische Optik verfügen werden, die wir von der AK-47, der AK-74 und der AKM gewohnt sind. In dem neuen Logo der Sparte für Militär- und Polizeiwaffen findet sich jedoch das unverkennbare gebogene Magazin der AK-47 in ein rotes K integriert.

„Es ist unmöglich, im globalen Rüstungsgeschäft ohne eine starke Marke mit hohem Wiedererkennungswert mitzuhalten", heißt es aus dem Konzern.

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Teil von Kalaschnikows neuer Firmenstrategie ist auch der Slogan „Protecting Peace" für den internationalen Markt. Das russische Firmenmotto lässt sich allerdings entweder mit „Waffen des Friedens" oder „Waffen der Welt" übersetzen—je nachdem, wie man das russische Wort mir interpretiert. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Konzern ein bisschen stolz darauf ist, wie weit verbreitet seine Waffen auf der Welt sind.

Die AK-47 ist das wahrscheinlich ikonischste Schusswaffe auf diesem Planeten. Welches Sturmgewehr hat es sonst auf eine ​Nationa​lflagge oder das ​Gesicht e​ines Rappers geschafft?

Egal, welche AK-Variante du jetzt bevorzugst, das russische Sturmgewehr ist in der Popkultur zum Erkennungsmerkmal antiamerikanischer und antiwestlicher Kämpfer geworden. Ganz egal wo und gegen wen amerikanische Soldaten auf diesem Planeten ins Feld ziehen, der Feind schießt eigentlich immer mit AKs.

Wie die Waffenschmiede  ​stolz auf ihrer We​bsite verkündet, sind seit der Erfindung vor über 60 Jahren mehr als 100 Millionen Sturmgewehre dieses Typs hergestellt worden—von den ganzen Nachbauten, die man auf den illegalen Waffenmärkten dieser Welt erstehen kann, brauchen wir hier gar nicht zu reden.

Während die Effektivität der Waffe unter Rüstungsexperten kaum angezweifelt wird, hat der Konzern außerdem bei der Bekanntmachung seiner neuen Unternehmensstrategie angegeben, dass er  ​Frieden in​ di​e Welt bringen wird—wahrscheinlich auch, um angesichts der anhaltenden ​Rüstung​ssanktionen des Westens gegen Russland sein Image zu retten. Die Neuausrichtung des Konzerns scheint darauf abzuzielen, den Ruf, den der Name Kalaschnikow schon hat, ins rechte Licht zu rücken und seine Absatzmärkte in Russland wie auch international zu vergrößern.

Warum ändert man aber ein Konzept, das sich über so viele Jahre mehr als bewährt hat? Welcher andere Waffenhersteller kann sich schon mit einer vergleichbaren Erfolgsgeschichte brüsten? Wobei, vielleicht findet sich auch genau hier die Antwort: Der russische Rüstungskonzern könnte seine Waffensysteme so aufrüsten, dass potenzielle Kunde zu einer Neuanschaffung gezwungen werden.

Ob die Umgestaltung der Marke Kalaschnikow das Ende der klassischen AK-47 bedeutet, wie wir sie kennen, wird sich noch zeigen. Fest steht allerdings, dass das kulturelle Erbe und der berüchtigte Ruf des charakteristischen Sturmgewehrs für immer weiterleben wird. Zum Abschluss noch ein ​Zitat von Michail Kalasc​hnikow: „Eine Schusswaffe muss schön sein wie eine Frau, sie muss perfekt in deiner Hand liegen und dich dazu bringen, sie ergreifen zu wollen!"