Warum alle jungen Frauen einen Vibrator haben sollten

Männliche Teenager wissen, was ihnen gefällt. Vibratoren helfen Mädchen, das ebenfalls herauszufinden.

|
11 September 2015, 3:10pm
Ich war früher nicht in der Lage, mich selbst zum Orgasmus zu bringen.

Jeglicher Versuch, sexuellen Frust abzubauen, zumindest mit meiner Hand, resultierte in noch mehr sexuellem Frust.

Ich erinnere mich, wie ich im South-Park-Film von der mysteriösen „Klitoris" erfuhr (ich war 12), doch es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis ich das verdammte Ding fand. Ich erdreiste mich jetzt einfach mal zu verallgemeinern und behaupte, Jungs haben dieses Problem nicht. Sie kommen in die Pubertät, kapieren, wie man sich einen runterholt, und von da an ist das Leben ein einziges großes Wichsfest.

Was mir allerdings sehr geholfen hätte? Ein Vibrator.

VIDEO: Die Königinnen des Erotikbuch-Imperiums

Diese Woche haben einige Erstsemester von der University College Literary and Athletics Society der University of Toronto als Teil ihrer Willkommenspakete Vibratoren erhalten, mit freundlichen Grüßen von dem örtlichen Geschäft Love Shop.

„Als Love Shop diese Geschenke beisteuerte, haben wir sorgfältig überlegt, ob wir sie in die Pakete mit aufnehmen sollten oder nicht. Schließlich kamen wir zu dem Schluss, dass es in Ordnung war," sagten Erstsemester-Organisatoren in einer E-Mail, die VICE vorliegt. „Wir sind der Meinung, dass wir eine Umgebung schaffen müssen, in der Studentinnen und Studenten sich nicht scheuen, Themen wie Verhütung, gesunde Beziehungen und die Zustimmung zu sexuellen Handlungen zu besprechen."

Wenn du einfach nicht in Stimmung kommst: Munchies hat das ultimative Rezept für ein potentes Aphrodisiakum

Wir können uns vorstellen, dass Gruppen wie die „Besorgten Eltern", die ein großes Problem damit haben, dass Kinder überhaupt wissen, wie ihre Körperteile heißen, das Sexspielzeug für Erstsemester ganz grauenhaft fänden.

Haters gonna hate, aber ich halte das für eine sagenhaft gute Idee. Vibratoren haben mein Leben verändert. Je früher sie vorgestellt werden (innerhalb gewisser Grenzen—ich würde sagen, ab Volljährigkeit ist gut), desto besser.

Vibratoren haben eine lange Geschichte hinter sich, seit sie im 19. Jahrhundert von Ärzten eingesetzt wurden, um „Hysterie" bei Frauen zu behandeln. Die Ärzte hatten es wohl satt, ihre Finger bei ihren Patientinnen einzusetzen, also erfanden sie ein Gerät, dass es ihnen abnahm. Diese „Massagestäbe" haben seitdem viele Formen angenommen, von Häschen bis Lippenstift. Doch obwohl etwa diversen Umfragen zufolge etwa ein Drittel bis ein Fünftel aller Frauen in Deutschland Vibratoren verwendet, wird selten darüber gesprochen.

Ich habe meinen ersten Vibrator erst mit 24 gekauft. Eine kleine Umfrage unter meinen Freundinnen kam zu dem Ergebnis, dass sie etwa im selben Alter waren. Die meisten von uns hatten eine ganze Weile Sex, bevor wir uns mit Vibratoren bekanntmachten, und wisst ihr was? Ein großer Prozentsatz dieser sexuellen Erfahrung war sehr, sehr scheiße.

„Wenn ich gewusst hätte, wie gut ein Vibrator ist, wäre ich nicht so lange mit meinem Ex zusammengeblieben", sagte mir eine meiner Freundinnen.

Männliche Teenager wissen, was ihnen gefällt. Vibratoren helfen Mädchen, das ebenfalls herauszufinden. Ohne dieses Wissen sind wir komplett der Person ausgeliefert, mit der wir Sex haben, und die orientiert sich höchstwahrscheinlich an Hardcore-Pornos. Das Endergebnis ist, aus heterosexueller Perspektive, jede Menge peinlicher Dirty Talk und Sex, der einzig der Befriedigung des Mannes dient.

Meine erste Beziehung war in jeder Hinsicht ein Albtraum, doch der Sex war besonders schlimm. Er war oft betrunken und hatte noch nie von Vorspiel gehört—einer von diesen Typen, die einfach deine Unterwäsche beiseiteschieben, statt sie dir auszuziehen. Tatsächlich erfreut hat es mich nur, wenn es endlich vorbei war (gnädigerweise dauerte es meist nur fünf bis zehn Minuten). Doch das Tragischste daran ist: Da ich keine Ahnung hatte, hielt ich das für normal. Ich nahm an, Sex sei überbewertet, und wir würden diese große Lüge kollektiv aufrechterhalten, indem wir alle bis zum Abwinken schwärmen, wie toll es doch sei.

Ich ging danach mit viel besseren Männern aus, aber der Sex war immer noch nicht umwerfend. Ich konnte nicht zum Ausdruck bringen, was mir gefiel. Und das kann für beide frustrierend sein. Schließlich sank meine Libido immer weiter. Es vergingen Monaten, und sogar mehr als ein Jahr, in denen ich keinen Sex hatte. Es macht mir keinen Spaß, also warum sollte ich es tun? Doch dann, nachdem einige fortschrittliche Freundinnen mir eine Weile damit in den Ohren gelegen hatten, kaufte ich mir einen Vibrator. Und meine Orgasmus-Lehre begann. Dadurch wollte ich häufiger einen Orgasmus haben, sowohl alleine als auch mit anderen.

Es heißt, Frauen würden ihren sexuellen Höhepunkt in den 30ern erreichen, aber ich würde wetten, es könnte noch früher sein, wenn wir Sexspielzeug zur Verfügung hätten.

Das erste Mal, als ich beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus hatte, war ich 22. Weil ich den Typen noch nicht so lange kannte, verkniff ich es mir, vor Freude schreiend durchs Zimmer zu rennen.

Damals fragte ich mich, wann ich diese Erfahrung wohl ein zweites Mal haben würde. Heute weiß ich, dass die Antwort nur einen Griff in meine Sockenschublade entfernt liegt.

Mehr VICE
VICE-Kanäle