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Meine Antworten auf die Hate-Comments gegen Conchita Wurst

Okay, ich heule oft, und erst recht nach dem Sieg für Conchita Wurst. Aber diesmal ist es wirklich aus reiner Freude. Erst recht, seit ich Antworten auf alle Hate-Comments zum Thema gefunden habe.
12.5.14

Foto von the_jetboy

Ich heule nicht oft. Okay, stimmt nicht. Ich heule eigentlich ziemlich oft. Aber wie alle Menschen, die häufg heulen, lege auch ich Wert darauf, dass es jedes Mal aus gutem Grund passiert, weshalb ich bei der Häufigkeit lieber untertreibe. Diesmal ist mir das aber egal. Und damit meine ich den letzten Samstagabend, als die Punkte für Österreich beim ESC-Voting stiegen und stiegen wie James Deens Schwanz—da konnte ich mein Wasser dann wirklich nicht mehr zurückhalten (sozusagen). Als dann die „Queen of Europe“ gekürt wurde, war’s sowieso um mich geschehen.

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Weshalb ich heute auch mit einem Glücksgefühl aufgewacht bin. Und dieses Glücksgefühl hab ich immer noch, auch nach dem 154.786-maligen Anhören von „Rise like a Phoenix“ im Radio. Aber es gibt halt auch gefühlskalte Menschen. Die schimpfen auch nach unserem phänomenalen Triumph (ja, das war’s!) immer noch weiter. Das hat mich schon geärgert. Jetzt aber nicht mehr so—weil ich auf all die blöden Sprüche passende Antworten gefunden habe:

„Wieso redet die oder der eigentlich so wie die Piefke? Man muaß wirkli ned versteckn, woher ma kumt.“

Also, als erstes: Die, bitte. Und: nein, muss man eh nicht. Obwohl’s manchmal besser wäre. Nur die Conchita Wurst, die kommt ja nicht aus so einem klitzkleinen Dorf wie der Tom, also spricht die auch nicht so. Zudem ist sie ja quasi internationale Love & Peace-Botschafterin, und da muss man, bitte schön, schön sprechen. Das hat dann schon mehr Klasse, als wenn die Frau mit Bart plötzlich auf echt Wienerisch anfangen würde: „Oida, huach moi zua. I buda, wen i wü. Check, oida, he?“ Interessant außerdem auch, dass ich dieses Argument vorher noch nie gehört habe. Aber klar, wenn man siegt, dann steigt auch der Patriotismus. Vorher hätt’s wahrscheinlich geheißen: „Boah, gottseidank redt die ned so wie wir!“

„Ich erkenne keine Message über Toleranz und so. An der Einstellung der Menschen wird sich nix ändern, nur weil die gewonnen hat.“

So hat Martin Luther King sicher auch nicht gedacht, als er über seinen Traum gesprochen hat. Oder Gandhi. Oder Mutter Teresa. Zugegeben, die Wurst ist keine Mutter Teresa (weil halt viel stylisher) und auch kein King (sondern Queen). Aber: Wo kämen wir denn hin, wenn man immer davon ausgeht, dass sich in der Gesellschaft sowieso nix ändern wird? Das lässt doch jeden Kampf für eine bessere Welt im Keim ersticken. Klar, Europa wird jetzt nicht über Nacht ultra-tolerant und Schwule werden zukünftig nicht vergöttert werden (wär auch nicht wirklich toll, wenn man so drüber nachdenkt). Aber der Sieg von Conchita Wurst war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es hat nicht nur Österreich gewonnen, sondern eine gesamte Community. Letztendlich ganz Europa und ganz letztendlich die gesamte Welt. Es war ein wichtiges Statement „gegen lauter werdende Hassbotschaften, die es überall in Europa gibt, gegen kroatische und französische Demonstranten, die eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften im Eherecht durch Massendemos verhindern wollten, gegen rechtspopulistische Politiker oder die Alf Poiers dieser Welt“, wie es Marco Schreuder im Standard so schön ausdrückte. Und dass „Rise like a Phoenix“ auf Platz 1 der russischen iTunes-Charts einstieg, beweist, dass da schon was richtig gelaufen ist.

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„Der zweite Platz wäre mir lieber gewesen. Dann hätten wir nächstes Jahr das ganze Halligalli in Österreich nicht.“

Sorry, aber was ist denn das für ein Argument?! Dieses Halligalli wird Österreich Prestige bringen, wie es unser Land seit Jahrzehnten nicht mehr erfahren hat. Der Tourismus wird davon profitieren und folglich die Wirtschaft und das Ausland wird endlich checken, dass es bei uns keine Kängurus gibt. Wir werden endlich das Sisi-Image abschütteln. Abgesehen davon: Wie geil ist das denn bitte, der ESC in Österreich??!! Der Song Contest ist die geilste Party Europas und wir alle werden das Haus sowas von rocken, dass Österreich endlich mal so richtig, aber richtig, cool dasteht.

„Ich finde die einfach nur abartig.“

Been there, done that. Lass dir was Neues einfallen.

„Die hat doch nur wegen dem Bart gewonnen. Typisch Song Contest halt.“

Klar, der Bart hat geholfen. Auch die Botschaft für Toleranz und Liebe hat ihr Übriges getan. Aber, und davon bin ich überzeugt: Wenn der Song und die Stimme scheiße gewesen wären, hätte sie auch nicht gewonnen. Wirklich nicht. Lustig und crazy zu sein ist okay, aber man hat an den russischen Omis oder den Gogol Bordello-esken Mustache-Franzmännern gesehen, dass das allein nicht für den Sieg reicht. Dass die Wurst singen kann, hat sie schon als Tom Neuwirth reichlich bewiesen. Und der Song?! Sicher, bissi dramatisch, aber hat schon Stil. James Bond-Material halt. Nein, nein, das hat schon alles so gepasst.

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„Ein Nazi-Experiment.“

Ähm, ja.

„Das ist der Untergang von Europa.“

Hihihihihihihihihihihihihihihihihihihihihi.

Manuel auf Twitter: @ManiSimbuerger