FYI.

This story is over 5 years old.

Stuff

Die 6 Typen der Ecopop-Befürworter

Endlich neue Feindbilder! Damit ihr die Übersicht behält, haben wir die Gattung der Ecopop-Befürworter für euch aufbereitet.
12 November 2014, 9:47am
Foto von Diana Pfammatter

Normalerweise sind die Leute, die zu „Das Boot ist voll"-Initiativen Ja sagen alle gleich (langweilig). Denn normalerweise gehören die alle zur selben Peer Group: Es gibt ein Klischee des Geranien-Chalet-Schweizers, der poltert, quengelt und endlich im realen Märklin-Eisenbahnland leben will, das ihm „Heidi" und das „Swiss Nostalgia"-Fotoshooting auf dem Titlis versprochen haben. (Seine Kinder haben ihm das Fotoshooting zum Hochzeitstag geschenkt und nicht gewusst, was sie damit auslösen.)

Der Ecopop-Initiative geht es aber vordergründig um Ressourcen und Überbevölkerung und nicht um Zuwanderer. Mit Ausnahme der Sektionen Schwyz, Basel-Land und Aargau lehnt die SVP die Initiative ab. Und auch Natalie Rickli lächelt von „Nein zu Ecopop-Inseraten". Darum bringt die Ecopop-Initiative ganz viele Leute zusammen, die sonst nicht am gleichen Stammtisch sitzen. Wir haben für euch die herausragendsten Spezies unter ihnen aufgearbeitet:

Der Volkswillen-Fetischist

​Foto von Diana Pfammatter​

​Den Volkswillen-Fetischisten können wir uns nur mit „Groll, groll! Hrmmpff."-Comicsprechblasen vorstellen. Ihm stösst vieles auf—nicht nur die Fleischchügeli-Pastete vom Mittagessen: Der Bundesrat setzt den Entscheid vom 9. Februar nicht richtig um. Oder zu richtig. Jedenfalls nicht so, wie er will. Rotgrüne Kräuterfrauen. Eveline Widmer-Schlumpf hat die SVP verraten. Darbellay auch. Die Sozis gehören zur Sozialmafia. Der Bergier-Bericht, die Einführung der AHV, der Umgang mit General Guisan, rotgrüne Kräuterfrauen, die französische Revolution. Der Tod von Winkelried, Gessler, dass Cäsar die Helvetier bei Bibracte geschlagen hat und rotgrüne Kräuterfrauen. Hrmppf. Hrmmpff. Hrmpff. Gollum, Gollum.

Der langweilige Rechte

Foto von ​Crisco1492; ​Wikimedia Commons; ​Public Domain​

Wir alle kennen ihn. Wir alle lieben ihn für seine absurde Vorgestrigkeit und wir alle hassen ihn, wenn er uns wiedermal ein Gesetz beschert, dass entweder von Erich Honeckers Kleinhirn oder Wilhelm Tells keusch-feuchten Träumen inspiriert ist.

Der langweilige Rechte ist vielleicht ein Nazi, ein SVP-Bauer und Impfskeptiker, ein ultrakonservativer Evangelikaler, ein übergewichtiger SDler, ein Kalter Krieger mit Stimmprothese, ein Ultima Thule-Nostalgiker oder Ehrenpräsident der Autopartei. Er findet es nicht wirklich (je nachdem überhaupt nicht!) gut, dass man den „schnusigen Negermeitlis" (Zitat aus einem alten Kasperli-Hörspiel) Kondome verteilen geht, aber sei es drum: Weniger ist mehr. Und dann studieren wenigstens nicht ganz so viele IS-Dschihadisten an der ETH.

Der Öko

Foto von ​Sir James; ​Wikimedia Commons; ​CC BY-SA 2.0 DE​

​​Der Eco-Öko lebt in einer isolierten Anthroposophen-Siedlung, kauft nur Bio-Dinkel im Naturkostladen, schrotet ihn in der eigenen Getreidemühle und packt seinen sieben Kindern eine Scheibe des hausgemachten Brots und ein paar ungespritzte Tomaten aus dem Garten in die Vesperbox. Portionsweise werden sie dann im Fahrradanhänger zur Rudolf-Steiner-Schule gefahren.

Der Erbsenzähler ist Heilpädagoge, Conga-Spieler, Birkenstock- und Leinenhemd-Träger und engagiert sich im Vogelschutzverein. Weiter hält er die Temperatur im Haus auf 14 Grad und therapiert die Lungenentzündung seiner Kinder nur mit Globuli. Er spült seine Toilette einmal täglich, wenn alle im Bett sind. Der Eco-Öko hasst Menschen, nicht persönlich, sondern global betrachtet: Je misanthropischer, desto biozentrischer. Ihm geht's wirklich nicht um den roten Pass, aber hey: Think Global, Act Local!

Der Doomsday Prepper

Foto von ​Dirk Vorderstrasse; ​Flickr; ​CC BY 2.0​

Der ​„Doomsday-Prepper" bereitet sich auf das Leben in einer postapokalyptischen Wüste vor, in welcher er (Es sind eigentlich immer Männer.) der Boss sein wird, weil er schon immer alles vorausgesehen hat. Als der Prepper noch ein kleiner Junge war, hat man ihm ausschliesslich das Märchen von der Ameise und dem Grashüpfer vorgelesen. Später hat sich dieses Exemplar hoffentlich die Mad Max Trilogie aber viel wahrscheinlicher Waterworld und Dan Browns Inferno zu Herzen genommen und pinkelt seither sein Frühstück in eine selbstgebastelte Kläranlage.

 Ecopop liegt dem Prepper, weil die Apokalypse ohnehin kommen wird und er einfach nicht noch mehr Munition in seinem DIY-Bunker lagern kann, ohne einen Teil der Astronautennahrung rauszuwerfen. Also besser, wenn es weniger Menschen gibt, auf die er während der Zombieapokalypse schiessen muss.

Der Technokrat​

Foto von ​Skyerise; ​Wikimedia Commons; ​Public Domain

​Der Technokrat sieht das alles nicht so emotional. Es gibt Statistiken und Hochrechnungen, unwiderlegbare Fakten, die eine ganz klare Nachricht sprechen: Wir Menschen sind zu viele, zu dumm, zu fett und machen deutlich zu viel Dreck. Zudem vögeln wir dauernd und vermehren uns besonders in den Regionen, in denen wir es uns nicht leisten können. Mit der Empathie eines Meerschweinchen-Züchters zieht er das frostige Fazit: Wir brauchen dringend weniger Menschen auf dem Planeten.

Da die meisten industriellen (und effizienten) Lösungen zur Massenvernichtung (und daraus folgender Bevölkerungskontrolle) insbesondere in den letzten hundert Jahren ein klein wenig an Popularität eingebüsst haben, müssen hier neue und möglichst global wirksame Alternativen her: Präservative! Die verhindern, dass Menschen überhaupt erst geboren werden und lösen so das Problem, bevor es entsteht. Klingt alles recht logisch. Oder?

Thomas Minder

​​Foto von ​parlament.ch​

​​Thomas ist immer dagegen. Nicht nur, weil die anderen sein Mundwasser nicht angemessen ehren (aber auch!), sondern weil es unglaublich volksnah ist gegen einen angeblichen Mainstream zu sein. (Minder-Heit. Haha.)

Er mag keine Politiker und wird nicht müde, seinen Amtskollegen zu erklären, dass er als Hirte weiss, wie die Schäfchen ticken. Er ist ein Volksversteher, der sonst keine Volksversteher mag. Gesunder Menschenverstand, den versteht er. Den hat er. Wohl als einziger. Zuwanderer sind noch schlimmer als Abzocker. Aber weil er ja auch ein bizzeli dagegen sein kann, dass andere abzocken und er nicht mitspielen darf, sucht er für seine Firma Fachkräfte in Deutschland.

Die Konsequenz lässt er sich nicht absprechen. Bei ihm als Schaffhauser ist's aber auch was anderes, Grenzkantone hat man nicht mit dem Rest der Schweiz zu vergleichen. Imfall. Er droht damit, sich einliefern zu lassen, wenn es mit der Zubetonierung „seiner" geliebten Heimat so weitergeht. Vielleicht ist er ja konsequent.