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Susanne Winter, Wutanfälle und die Illuminati: Das war die Minidemo der ,Partei des Volkes‘

Die angekündigte Großdemonstration fiel wie erwartet eher klein aus. Einzig die Auftritte von Susanne Winter und Karin Küssel waren ein bisschen überraschend.
5.3.16
Alle Fotos: Paul Donnerbauer / VICE Media

Die „Partei des Volkes"—das sind die, die in Graz zum Bürgerkrieg aufgerufen haben—hatte für Samstagnachmittag eine Großdemonstration in Wien angekündigt. Tatsächlich trafen sich ein paar Anhängerinnen und Anhänger dieser völkisch-nationalistischen, rechtsextremen Partei zu Mittag am Ballhausplatz. Das Zusammentreffen der pegidaesken Meute war aber weder groß noch eine Demonstration.

Während bereits zu Mittag am Heldenplatz eine Kundgebung des KZ Verband Wien mit Arbeiterliedern und prominenter Unterstützung begonnen hatte, war es am hermetisch abgeriegelten Ballhausplatz noch ruhig—abgesehen von dröhnender Schlagermusik. Eine PDV-Anhängerin stand etwas verloren mit einem Packen Flyer in den Händen herum—offensichtlich, um die Flugblätter an Passanten zu verteilen, die aber von der Polizei daran gehindert wurden, überhaupt erst auf den Ballhausplatz zu gelangen.

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Viel ist da ja nicht los — Gewitterlandwirt (@gewitterland)5. März 2016

In gebrochenem Deutsch versuchte sie mir zu erklären, worum es denn bei dieser Veranstaltung der selbsternannten Volksretter überhaupt ging. Viel mehr, als das man „gegen Zuwanderung und EU und so" sei, konnte sie mir aber auch nicht sagen.

Etwas weiter Richtung U-Bahnstation Herrengasse war dann so etwas wie eine kleine Bühne aufgebaut, die ein paar Österreich-Fahnen zierten. Von der Bühne redete ein Bayer den versammelten Wutbürgern Mut zu und sagte, dass der offizielle Beginn der Veranstaltung sich etwas verschieben würde, weil die Facebook-Seite der PDV „gehackt" worden war. Dort stand dann zu lesen, dass sich die PDV ab 14.00 Uhr am Heldenplatz treffen würde—und tatsächlich verirrten sich ein paar Rechte zur Antifa-Kundgebung.

13:03 PDVler haben sich gerade an Rand der antifaschistischen Kundgebung verirrt. Antifas gehen hin. Cops etwas nervös. Lage ruhig. #nopdv
— autonome antifa [w] (@antifa_w) 5. März 2016

Als dann auch noch die Sound-Anlage der PDV von Antifaschisten gekapert und dort plötzlich der Redebeitrag des KZ Verbandes übertragen wurde, waren die Aufregung und das Chaos perfekt. Die Veranstalter der „Großdemonstration" liefen hektisch umher und riefen „wo sind die Linken, wo sind die Linken", fanden sie aber nicht. Obwohl man sagen muss, dass vermutlich knapp ein Drittel der etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Journalisten und Antifa-Aktivisten bestand.

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Gegen 14:00 Uhr gab es dann doch noch ein paar Reden. Zuerst faselte der Bayer etwas von seinem Stolz als Ausländer auf Österreich, obwohl man ihn in Graz abschieben wollte (fragt mich nicht, was er damit meint) und dass in Österreich seit etwa 60 bis 70 Jahren eine Diktatur herrsche. (Wie er im Vergleich zu jenem Österreich steht, das vor den besagten 60 bis 70 Jahren liegt, hat er leider nicht verraten.)

Auch ein Ausländer durfte reden

Danach begab sich der Parteiführer selbst ans Rednerpult, wo dieser sichtlich Probleme damit hatte, keine Kraftausdrücke zu verwenden und sich mehrmals für seine Worte entschuldigte. Seine Wut war dennoch deutlich zu spüren, da ihm dann doch immer wieder lautstarke Flüche auf die EU, die Regierung, den Faymann, die Linken und irgendwie überhaupt alle herausrutschten. Außerdem regte ihn die Gegenveranstaltung merklich auf—so äußerte er gegen Ende den Wunsch, man möge doch zu der Kundgebung des KZ-Verbandes hinüberzugehen und dort „eini schreien".

PDV-Chef Thomas Kirschner

Begleitet von „Wir sind das Volk"- und „Faymann raus"-Rufen hielt dann noch die wahrscheinlich bekannteste Person am Ballhausplatz, Nationalratsabgeordnete und Ex-FPÖ-Frau Susanne Winter, eine Rede und erklärte darin, warum sie Nichtwählerin sei; sie wolle nämlich das System nicht unterstützen.

Bevor sie auf die Bühne geholt wurde, hatte Winter ein Pläuschchen mit Karin Küssel, der Ehefrau von Gottfried Küssel.

Susanne Winter auf der Kundgebung der PDV

Gegen 15:30 hatte der ganze Spuk ein Ende. Zwischenfälle gab es keine—es sei denn, man wertet die erste Erwähnung der in Verschwörungskreisen beliebten Illuminati bei einer öffentlichen Rechtskundgebung in Österreich als einen solchen. Dass man hier jedoch weniger Nachrichtenwert und mehr Skurrilitäten bekommen würde, wurde bereits bei der Rede des Parteichefs klar. Dieser rief die Zuhörer zu Einheit auf und meinte, dass nicht jeder eine eigene Partei gründen sollte. Die 70 Besucher nahmen das Statement mit ernstbleibenden Gesichtern hin.

Paul auf Twitter: @gewitterland