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VICE Snow

So holst du dir die perfekte Hüttengaudi nach Hause

Wir zeigen dir wie Zillertaler Holzknechtkrapfen, Flying Hirsch und hässliche Deko zu einem unvergesslichen Après-Ski-Abend verhelfen.
04 Dezember 2013, 8:00am

Der feucht-weiße Traum der Skihütte

Wenn man jung ist und das Geld braucht, trifft man des Öfteren unüberlegte Entscheidungen. Sich fürs Unterschichtenfernsehen zum Idioten machen, oder bei 40 Grad im Schatten Gyros für asoziale Bonzen braten, waren vergleichsweise harmlos zu meinem hirnrissigen Plan, mir auf einer Après-Ski Hütte Taschengeld zu verdienen. Es war ein Monat gefüllt mit Arschgrabschen (am liebsten vom Chef persönlich), mir auf die Titten starren lassen („AUSSE MIT DE TEPF!“) und Gesprächen, deren Niveau deutlich unter oben besagtem Unterschichtenfernsehen lag.

Ich durfte auf 40 m2 zusammengepfercht mit meinen Kolleginnen wohnen, keine von ihnen die hellste Birne in der Fassung („Wos haßt ‚without’? Mit ohne? Oiso mit oda ohne jezna?? Hm, na frog ma die Yalda“) und auch nicht sonderlich nett zu mir (ich war die „G’spritzte“ und „Studierte“ aus Wean). In die Arbeit musste ich zu Fuß 30 Minuten auf der Landstraße wandern, weil ich als „Weanarin“ natürlich kein Auto besitze und die Pisten durfte ich nur durch die Fenster erleben. Gegipfelt ist das Ganze an Heiligabend, den ich mit einer Handvoll anderer Kellner zuerst in einem komplett leeren Schladminger Club und anschließend auf einer verschissenen Tankstelle verbracht habe, wo sich einer von ihnen am Spielautomaten seinen nächsten Urlaub verdiente.

„ZUR MITTE, ZUR TITTE, ZUM SACK, ZACKZACK!"

Abgesehen von einer Reihe bizarrer Erlebnisse, hat mich die Skihütte aber auch gelehrt, dass man beim Après-Ski, egal wie pipifein man ist, den absolut primitivsten Urinstinkten freien Lauf lassen kann und das ist etwas Wunderschönes. In der Skihütte sind alle gleich. Geld, Herkunft oder sozialer Rang zählen nicht, denn so lange du ein stark alkoholisches Getränk in den Händen hältst und lallend zur Musik mitgrölst, gehörst du dazu. Die Après-Ski-Hütte, ein heißes, dampfendes, nach Schweiß, Skischuhen und Kotze stinkendes Paradies, in dem du der Mensch sein kannst, für den deine Eltern und jeder deiner Freunde sich schämen würden.

Der „DJ“ spielt Lieder, deren Text und Choreografie du nach dem ersten Hören auswendig kannst, sodass du eine halbe Stunde später, wenn das Lied wiederholt wird, beherzt mit deinen Kollegen mitbrüllen kannst. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, der vollkommenen Akzeptanz (weil tiefer könnt ihr alle nicht mehr sinken) und der vielen zerstörten Gehirnzellen, ist einmalig. Leider bleibt dieser Traum vielen Menschen, die sich Skiurlaub nicht leisten können, verwehrt. Ich habe mir deshalb ans Herz gefasst, ein paar meiner Freunde (die komischerweise auch nach diesem Abend noch meine Freunde sind), mit gratis Essen angelockt und einen Guide to Après-Ski-Home-Party verfasst.

ESSEN

Weil ich mich nach meinem Monat auf der Ski-Hütte mit vielem, worauf ich nicht stolz bin, aber leider nicht mit dem Kochen von zünftigem Essen auskenne, habe ich diese Aufgabe ausgelagert. Dafür herhalten musste Alex, gebürtiger Zillertaler. Alex kommt nicht nur aus dem Zillertal sondern war dort mal Snowboardlehrer und arbeitet jetzt im Winter in einem Skiverleih, mitten im Geschehen also. Rechtzeitig bevor die Saison so richtig losgeht, habe ich ihn also mit der Bitte für ein „paar Leute“ zu kochen, zu mir geholt. Aus den paar Leuten wurden letztendlich 12, aber da war es schon zu spät und die Tür nach draußen verschlossen. Sorry dafür!

ZILLERTALER HOLZKNECHTKRAPFEN

FÜLLUNG:

8 Kartoffeln (mehlig)
2 Zwiebeln
150 g Zillertaler Graukäse
1 Bund Schnittlauch
Salz
Pfeffer
1 Speisetopfen
aufgekochtes Wasser

Alex und die Kartoffelpresse

PALATSCHINKEN:

3 Eier
300 ml Milch
230 g Mehl
1 EL Salz

Die Kartoffeln kochen und zerstampfen. Zwiebeln und Schnittlauch klein schneiden, Graukäse reiben und alles mit dem Kartoffelgatsch vermischen. Das Ganze dann mit dem aufgewärmten Wasser vermengen. Speisetopfen, Salz und Pfeffer reinleeren, alles kräftig durchrühren und FERTIG. Die Palatschinken in der Pfanne zubereiten, nach dem ersten Wenden die Füllung reingeben, Palatschinke zuklappen und in den Backofen bis die Füllung geschmolzen ist. Ein mehr oder weniger deppensicheres Rezept, das ich mir sogar selbst zutrauen würde. Pluspunkte sammelst du mit einer Kartoffelpresse, wir hatten außerdem illegal nach Wien geschmuggelten, original Tiroler Käse. Illegal deshalb, weil Käse in Tirol länger schimmeln darf als bei uns, ein bisschen Thrill also.

It's WINTER CRAZY TIME oder auch: Ich habe die besseren Freunde

KAISERSCHMARRN

8 Eier
60 g Zucker
2 Pck Vanillezucker
750 ml Milch
250 g Mehl
80 g Butter
Puderzucker
Salz

Eigelb, Zucker, Salz und Vanillezucker mit einem Schneebesen schaumig rühren. Milch und Mehl unterrühren. Eiweiß steif schlagen und unter den Teig heben. In einer Pfanne Butter erhitzen, Teig einfüllen und bei niedriger Hitze braten bis die Unterseite leicht gebräunt ist. So lange wenden, bis alles leicht angebraten ist, dann wild darin herumstochern. Wenn euch besonders fad im Schädel ist, gebt ihr rosa und türkise Lebensmittelfarbe dazu. Als Beilage Schlagobers, Kompott, oder was auch immer ihr in den Untiefen des Kühlschranks und der Vorratsschränke findet.

Viel Busen, Schmarren und Glühwein deuten auf einen gelungenen Abend hin.

GETRÄNKE

Es ist natürlich wichtig, dass deine Gäste sich bei deinem leckeren Hütten-Dinner so satt essen, dass sie sich für kurze Zeit kaum bewegen, sondern eigentlich nur mehr geplagt Stöhnen können. Aber das alles nutzt nichts, wenn du dich nicht um ihre Trinkfreude kümmerst. Um bei authentischem Hütten-Flair zu bleiben, gilt als absolute Regel: je mehr, desto besser. Sprich möglichst oft Trinksprüche aus, erhebe dein Glas im Minutentakt zum Prosten und sorg dafür, dass die Gläser und Tassen IMMER gut gefüllt sind. Wie soll nach so einem schweren Essen auch sonst wieder Stimmung aufkommen?

FLYING HIRSCH

Die Mutter aller Hütten-Getränke und absolut immer das Erste, das ich brülle, wenn ich eine Skihütte betrete. Ein Glas halbvoll mit einem widerlich süßen Energy Drink machen, Jägermeisterflasche öffnen, reinstellen und dann unbedingt alles auf ex wegkippen, sodass du eigentlich sowieso gar nichts schmeckst. Den Brechreiz unterdrücken.

WILLIAMS BIRNEN SCHNAPS

Selbsterklärend, aber um noch etwas professioneller zu sein, schneidest du am Vorabend Birnen in kleine Stücke, legst sie in Hochprozentigem ein und servierst sie auf einem Zahnstocher aufgespießt, zusätzlich zum Schnaps im Glas.

LUMBUMBA

Heiße Schokolade mit einem (seien wir ehrlich: drei) Stamperl Rum. Obendrauf ein Häubchen Schlagobers und Kakaopulver, fertig ist der 3.000 Kalorien Rausch.

GLÜHWEIN

Um ehrlich zu sein haben wir fertigen Glühwein aus dem Supermarkt gekauft, weil er sehr billig war, aber wie schwer kann es schon sein, Glühwein selbst zu machen. Rotwein erhitzen und viel, viel Zucker dazu würden wir mal sagen.

DEKORATION

Alles was möglichst rustikal ist. Hirsche, Dirndln, Karos, Oktoberfest. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass man generell auch einfach sehr schirche Deko-Elemente von Omas Dachboden stehlen, oder in 1-Euro-Shops kaufen kann. Going that extra mile: ein Baumstamm, Nägel und einen Hammer für das allerbeste Trinkspiel der Welt: NAGELN! Dabei könnte möglicherweise Inneneinrichtung zu Bruch gehen, aber das wird es wert gewesen sein. Glaub mir!

MUSIK

Man möchte meinen, das hier wäre einfach, aber ein falsches Lied und du tötest die Stimmung komplett. Darauf folgt betretenes Schweigen sowie das erste von vielen „Ich muss morgen sooo früh raus zu meinem total wichtigen Job, wo ich mega viel Verantwortung trage und WÜRG“. Ehe du dich versiehst sitzt du einsam in deinem Wohnzimmer und isst frustriert die Reste von den Tellern der anderen, während du dir so viel Glühwein reinschüttest, dass du den Rest der Nacht mit Kotzen verbringst. Die richtige Musik schweißt euch zusammen, ihr grölt gemeinsam die absolut sinnfreien und hohlen Texte. Nichts zählt, außer dieser Moment, in dem Niveau keine Rolle mehr spielt. Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblings-Playlist:

I sing a Liad für di—Andreas Gabalier

Das rote Pferd—Markus Becker

Ich bin ein Döner—Tim Toupet

Schatzi schenk mir ein Foto—Mickie Krause

20 Zentimeter—Möhre

Knallrotes Gummiboot—Antonia aus Tirol

The burger dance—DJ Ötzi

Ai se eu te pego (NOSSA NOSSA)—Michel Teló

Cowboy und Indianer—Olaf Henning

Hey, wir wollen die Eisbären sehen—Puhdys

Generell eigentlich alles, was Tim Toupet jemals veröffentlicht hat, sowie Chart-Kracher, die mindestens fünf Jahre zurückliegen. Wenn du dich also an das alles hältst und Freunde hast, die sich auch mal gerne zum hinterletzten Redneck Idioten machen, steht einem wunderschönen Hüttengaudi-Abend nichts mehr im Weg.

Ja, ich habe meine Frende dazu gezwungen Skianzüge zu tragen und Polonnaise zu tanzen.