8 Lives by Windows 8 feat. Urbanauts

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8 Lives by Windows 8 feat. Urbanauts

Die Urbanauts haben ein Hotel-Konzept wie aus einem Film: Du buchst für deinen Aufenthalt ein ehemaliges Geschäftslokal und erlebst die Stadt völlig neu. Zusammen mit Microsoft haben wir sie mit Windows 8-Devices ausgestattet und mit ihnen über die...
5.7.13

Fotos: Marko Mestrovic

URBANAUTS ist ein Hotel-Konzept, wie es sonst nur in Filmen und Büchern existiert: Reisende mieten sich in frühere Gassenlokale ein und erleben dort neben bestem Komfort und perfektem Design auch gleich das Feeling des umgebenden Grätzls. Gleichzeitig sind die Räume bei Urbanauts nicht einfach nur Hotelzimmer, sondern immer auch eine Art Kunst-Installation, die an die vormalige Verwendung des Geschäfts erinnert.

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Und als Zuckerguss oben drauf beleben die Betreiber Theresia, Jonathan und Christian auch gleich das jeweilige Grätzl mit und verwirklichen mit schönen Zimmern ihre Vision von der "nachhaltigen Reaktivierung der Stadt" durch eine "neue Nutzung für ehemalige Geschäftslokale". Das klingt auch schon viel weniger nach Filmen oder Büchern, als vielmehr nach einem ziemlich schlauen Projekt, um das gesamtwienerische Erdgeschoß vor dem Aussterben zu bewahren.

Weil dieses Kollektiv genau wie Microsoft mit Windows 8 auf Visionen für eine lebenswerte Zukunft setzt, haben wir Urbanauts im Rahmen des Microsoft-Projekts 8 Lives mit Windows 8-Devices ausgestattet: einem Acer Aspire 7600U und einem Acer Aspire S7- 391. Die beiden Geräte sollen nicht nur als Geschenk für die (im wahrsten Sinne des Wortes) Stadtkünstler dienen, sondern ihnen auch maßgeblich die Arbeit erleichtern: Ziel ist es, dass die Urbanauts sämtliche Buchungsanfragen künftig über die Tablet-PCs via Windows 8 abwickeln können.

So unterstützt Microsoft mit 8 Lives neben dem neuartigen Hotel-Konzept von Urbanauts auch gleich die Aufwertung des Grätzls mithilfe von Windows 8. Anstatt zu zählen, wie viele Fliegen das mit nur einer Klappe sind, haben wir uns mit den drei Gründern der Urbanauts getroffen, sie interviewt und auch einen Tag lang mit der Kamera durch ihr Grätzl begleitet.

Foto: Marko Mestrovic

VICE: Liebe Urbanauts, wie seid ihr zu eurem Hotel-Konzept gekommen?

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Urbanauts: Wir haben zu dritt an der TU- Wien Architektur studiert und uns bei einer Städtebauexkursion in Kolumbien kennengelernt, wo wir vor allem mit urbanen Resträumen zu tun hatten. Zurück in Wien fiel uns dann der extreme Leerstand der hiesigen Gassenlokale auf. Deshalb haben wir uns dann auf die Suche nach nachhaltigen Lösungskonzepten zu deren Wiederbelebung gemacht. Außerdem kommen wir zum Teil selbst aus der Hotellerie, was uns die Entscheidung, das Konzept in Form von Hotelzimmern anzugehen, sehr erleichtert hat.

Was verbindet euch drei, abgesehen von der Exkursion und dem Studium?

Wir haben sehr viel Spaß am Reisen, der Beschäftigung mit anderen Städten und neuen Antworten auf die Frage, wie Bewohner ihre Stadt erleben—und wie man Bewohnern auf Zeit Möglichkeiten bieten kann, sich genauso wohlzufühlen, wie wir uns in anderen Städten wohlfühlen wollen.

Spielt es bei eurem Konzept auch eine Rolle, wie ihr selbst Hotels in anderen Städten erlebt habt?

Ja, es spielt sicher mit hinein, wie wir und unsere Freunde selbst gerne reisen. Am meisten Spaß macht es doch, wenn man Dinge „off the beaten track“ erlebt und entsprechende Empfehlungen bekommt. Man braucht niemandem zu erklären, wo er in Wien den Stephansdom findet. Den findet er sowieso, wenn er ihn unbedingt finden will.

Mit spezielleren Lokalen im Grätzl sieht das schon anders aus.

Ja, das nette Caféhaus gegenüber oder den kleinen Club ums Eck findet man als Besucher hingegen nicht so schnell. Das ist ein bisschen die Grundidee: Dass man nicht nur in eine Stadt, sondern auch in eine Community hinein reist.

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Ist diese Wiederbelebung des Grätzls nur ein angenehmer Nebeneffekt davon, dass ihr Gassenlokale vorm Brachliegen rettet? Oder ist das Teil des Konzepts?

Das Grätzl ist definitiv ein wichtiger Bestandteil unserer Idee. Wir sind der Überzeugung, dass die Erdgeschoßzone die wichtigste und aktivste Zone des urbanen Lebens ist. Hier bewegen wir uns täglich, in ihr läuft nun mal der Großteil unseres Alltags außerhalb der Wohnung ab. Wenn diese Zone ausstirbt, setzt das eine Bewegung in Gang und sorgt so für ein sukzessives Absterben des gesamten Grätzls. Das Eine hängt sehr stark mit dem Anderen zusammen. Wir legen mit unserem Zimmerangebot ein vertikales Hotel in die Horizontale.

Foto: Marko Mestrovic

Wie viele Räume vermietet ihr aktuell?

Seit Juli sind es drei, ab September dann vier.

Was ist insgesamt eure Vorstellung davon, wie man als Reisender eine Stadt erleben kann oder soll?

Die Sache ist, dass wir in einer globalisierten Welt leben in der alles zunehmend vergleichbarer wird—egal, ob man nun die Architektur, das Essen oder die Mode betrachtet. Wenn man in eine bestimmte Nachbarschaft eintaucht hat man die Gelegenheit, die Einzigartigkeiten im Stadtgefüge wahrzunehmen. Gerade diese Unterschiede machen ja die Spannung und Schönheit einer Stadt wie Wien aus.

Wie habt ihr die Eigenheiten der Wiener Grätzl für euch entdeckt?

Vor dem Start mit Urbanauts haben wir natürlich lange recherchiert, Besonderheiten dokumentiert, Details verarbeitet, uns in der Stadt umgesehen. So entstand ein ziemlich guter Eindruck von jeder Gegend. Wien ist sehr stark in Grätzl gegliedert. Wenn man im Siebten wohnt, braucht man sein Eck nicht mal zu verlassen, wenn man keine Lust dazu hat. Deshalb gibt es zwischen den einzelnen Gebieten starke Unterschiede—und es ist hochinteressant, diese kennenzulernen.

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Habt ihr selbst ein Lieblings-Grätzl?

Ein Lieblings-Grätzl haben wir eigentlich nicht. Wir finden meistens das spannend, was gerade neu auftaucht oder sich aktuell verändert.

Gibt es ein Grätzl, das eurer Meinung nach gerade besonders aufblüht?

Da gibt es einige Grätzl, die wieder stark im Kommen sind. Der zwanzigste Bezirk hat viele solcher Gegenden. Die einzelnen Grätzl sind auch unter Ihren speziellen sozialen Gesichtspunkten sehr spannend.

Wie steht ihr zu Gentrifizierung generell?

Finden wir super … Nein, nur Spaß.

Foto: Marko Mestrovic

Mein Eindruck von Urbanauts ist auch, dass es im Vergleich zu anderen urbanen Wohn-Vermittlungs-Angeboten Gentrifizierung eher entgegenwirkt.

Wir versuchen das bestehende Grätzl in unsere Arbeit miteinzubeziehen. Uns liegt viel daran, die lokalen Strukturen und kleinen Geschäfte am Leben zu erhalten. Das klingt vermutlich romantisch und wirkt ein bisschen naiv, aber wenn wir Zimmer in einem Bezirk vermieten, dann bewerben wir eben dieses Café gegenüber oder den speziellen Shop um die Ecke –letzten Satzteil bitte streichen-. Dadurch hoffen wir, dass sich unsere Gäste in die Stadtstrukturen einfügen und es erst gar nicht zu Gentrifizierung kommt.

Wie arbeitet ihr dem entgegen?

Aufwertung im Bestand bedeutet für uns Wahrnehmen und Vernetzen. Wir sind ja kein Massenbetrieb und können damit auch keine Massenbewegungen hervorrufen … Das hoffen wir zumindest. Vielleicht ist das aber auch nur ein Irrglaube, weil leider jede Aufwertung früher oder später auch zu Gentrifizierung führen kann.

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Und Immobilienmakler immer die ersten sind, die von dieser Aufwertung Wind bekommen.

Genau. Deshalb ist es so wichtig den bestehenden Strukturen die Möglichkeit zum Fortbestand zu geben. Unser Konzept vernetzt die Geschäfte die wir im Grätzl als Fellows featuren miteinander. Die Betreiber vom Hammam Mon Corps und vom Café Goldegg kannten sich beispielsweise davor gar nicht. Dass die jetzt überhaupt miteinander reden, sich austauschen und vernetzen, ist über Urbanauts passiert. Durch diese wechselseitige Unterstützung helfen sich diese authentischen Betriebe auch dabei, sich gegenseitig zu erhalten. Und wie gesagt, wir sind keine hippe 200-Betten-Burg, sodass dann 200 Hipster ins Café Goldegg strömen. So bewahrt man doch zumindest eine gewisse Echtheit.

Weil sich das Hipster-Aufkommen durch euch nicht multipliziert.

Durch uns wird es zumindest nicht so massiv und unüberschaubar wie etwa durch andere Angebote. Und die Betriebe, die bei uns angedockt sind, sind auch nicht die ersten großen Anlaufstellen für diese Kundschaft. Wir featuren zwar auch die Pratersauna, aber eben genauso die Edel-Kreißlerei, das Hammam—und auf unserer Website vor allem die Charaktere hinter diesen Betrieben. Das macht es vom Hipster-Projekt zum Grätzl-Konzept.

Welche Rolle spielt die Technik für ein Wohn-Angebot wie Urbanauts?

Technik ist natürlich sehr wichtig. Ohne die Vernetzung mit unserer Zielgruppe und die Geräte zum nahtlosen Arbeiten wäre ein Vorhaben wie unseres nur sehr schwer zu realisieren. Es gibt natürlich auch Old School-Wege wie Mundpropaganda, aber ohne Website und Online-Buchung wäre es bedeutend komplizierter.

Foto: Marko Mestrovic

Im Rahmen von „8 Lives“ hat euch Microsoft einerseits mit Windows 8-Devices ausgestattet und wird andererseits bis September ein Projekt mit euch realisieren, das die Buchung der Urbanauts-Locations erleichtert. Zuerst zu den Geräten: Wie geht es euch damit?

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Die Devices sind klasse. Man kann Sie ja wie ein Laptop auf den Tisch stellen um damit zu arbeiten oder wie ein Tablet durch die Gegend tragen. Da unser Hotel dezentral ist, ist man dann doch immer irgendwie unterwegs. Und unabhängig von einem fixen Arbeitsplatz oder Back- Office zu sein ist bei uns extrem wichtig.

Was sind eure Lieblings-Features oder Apps? Und hat sich mit Windows 8 generell etwas an eurer Computernutzung verändert?

Wie gesagt, die Mobilität ist eine ganz andere. Auf den Geräten gibt es ja jetzt diese neue Benutzeroberfläche mit den Apps. Um z.B. einem Gast möglichst unkompliziert den Weg von A nach B zu zeigen oder einem Journalisten den neuen Trailer. Gleichzeitig können wir jetzt aber auch von überall auf unseren Buchungsserver zugreifen und das komplexe Hotelprogramm ausführen.

Könnt ihr uns noch kurz ein bisschen etwas über das Projekt rund um euer Buchungssystem erzählen?

Unser großes Problem war die Verbindung vom Buchungsserver mit den verschiedenen Funktionen der Homepage. Bei uns gibt’s ja keine standardisierten Zimmer im ‚Rack’, sondern viele kleine dezentrale Einheiten. Und das kann natürlich kein durchschnittliches System verarbeiten. Wir brauchen da eine maßgeschneiderte Lösung, die in ihrer Funktionalität die Urbanauts Welt auch digital zugänglich macht.

Was muss eine Stadt haben, damit sie aus eurer Sicht interessant ist?

Dichte! Die macht eine Stadt so richtig spannend. Da versammeln sich viele unterschiedliche Lebenskonzepte, verschiedenste soziale Milieus und Akteure auf engem Raum. Das kann man gut an Städten wie Barcelona und Hongkong beobachten – beides sind klassischerweise Städte, die sowohl räumlich klar begrenzt, als auch sehr interessant sind. Das hat viel damit zu tun, dass man sich bei aller Enge neue Wege überlegen muss, weiter zu wachsen und gleichzeitig sich widerstrebende Lebenskonzepte unter einen Hut zu bringen.

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Heißt das im Umkehrschluss auch, dass beispielsweise Berlin nicht spannend ist?

Bei Berlin ist es so, dass die Stadt insgesamt zwar weitläufig ist, aber in sich einzelne Zentren hervorbringt, wo dann wiederum diese Dichte herrscht. Damit ist auch nicht notwendigerweise räumliche Dichte gemeint—es kann auch um unterschiedliche Einflüsse in einer Nachbarschaft gehen, die gemeinsam so etwas wie spirituelle Dichte produzieren.

Noch eine Frage als Abschluss: Was für ein Projekt würdet ihr realisieren, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Wenn Geld wirklich keine Rolle spielt? Unsere Stadt umbauen!