Tattoofrei

Hertha BSC hat sich eine besonders idiotische PR-Aktion ausgedacht

Sie entstellt dich lebenslang.
2.2.18
Screenshot aus dem YouTube-Video "Die Dauerkarte deines Lebens – Hertha BSC - Berlin - 2018 #hahohe" von Hertha BSC

Zwischen 198 und 692 Euro kostet eine Dauerkarte bei Hertha BSC in dieser Saison. Currywurst, Bier und Anfahrt sind da noch nicht einberechnet. Die Liebe zum Klub kann für Normalverdiener also teuer werden. Das soll sich für einen Anhänger nun ändern: Mit der Aktion "Dauerkarte deines Lebens" will der Bundesligist eine oder einen Auserwählte/n ein Leben lang umsonst ins Stadion lassen – dafür muss die Person sich nur einen QR-Code tätowieren lassen. Als wäre das nicht schlimm genug, hat die Aktion noch so viele Hürden wie die Laufbahn im Olympiastadion.

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Die lebenslange Dauerkarte ist ein von Hertha vorgegebenes Tattoo-Kunstwerk aus einer blau-weißen Fahne, den Stadtgrenzen Berlins, der Silhouette des Olympiastadions und des QR-Codes, mit dessen Hilfe man durch die Stadiontore gelassen werden soll. Um die lebenslange Dauerkarte zu gewinnen, müssen sich die Fans bis nächste Woche bei Hertha bewerben. Per Bild oder Video sollen sie beweisen, wieso ausgerechnet sie es verdient haben, eine Dauerkarte unter der Haut zu tragen, die aussieht, als hätte sie der Tätowierer aus "Mein bester Feind" gestochen.

Immerhin wird der glückliche Gewinner nicht auf einem Sofa in einer Neuköllner Altbauwohnung tätowiert, sondern bei Profis: Das Kunstwerk übernimmt ein Berliner Tattoo-Studio, dessen Name auch ein Motto der Hertha-Fans sein könnte: "Love is Pain". Auch Jérôme Boateng und RAF Camora lassen sich dort stechen. Das hilft dem armen Gewinner aber nicht: "Ich schließe aus, dass der QR-Code ein Leben lang klare Linien hat", sagt der Berliner Tattoo-Künstler Nick Kater. "Im besten Fall sieht er fünf Jahre lang so aus wie am Anfang. Das variiert aber natürlich von Haut zu Haut." Im schlimmsten Fall steht der Hertha-Fan vielleicht mit einem matschigen Quadrat auf dem Arm vor verschlossenen Stadiontoren.

Doch es stellt sich eine weitere Frage: Nutzt noch jemand dieses QR-Code-Verfahren – außer Zeitreisende aus dem Jahr 2014? Amazon will zumindest bei Werbeaktionen künftig mit einem vergleichbaren "Smilecode" arbeiten.


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Manche Hertha-Anhänger schreckt diese Vorstellung offenbar nicht genug ab, sie bewarben sich schon in den Kommentaren unter dem YouTube-Video für das Tattoo. Andere fragten nur: "WTF". Der Grund für solche Aktionen: Hertha kämpft um Fans und versucht, das eigene Stadion zu füllen. "We try. We fail. We win. Berliner Start-­up seit 1892", hieß der "hippe" Slogan des Klubs im Jahr 2016, um auch zugezogene Berliner anzulocken. Trotz guter sportlicher Leistungen in der letzten Saison geht der Klub bei den 3,5 Millionen Berlinern irgendwo zwischen Berghain, Philharmonie und Streichelzoo verloren. In der laufenden Saison blieben im Olympiastadion durchschnittlich mehr als 26.000 Sitzplätze frei.

Deshalb ein Vorschlag von uns: Warum sollte nicht jeder Fan, der sich dieses Tattoo auf den Arm stechen lässt, sein Leben lang umsonst Hertha-Heimspiele besuchen dürfen? Dann kommen auch mehr Zuschauer – und eine größere Liebesbekundung als ein QR-Code-Tattoo gibt es wohl kaum.

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