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"Wir haben hier eine Club-Venue geschaffen, die ich mir in Wien wünschen würde" – im Gespräch mit dem Lighthouse-Festival-Veranstalter

Was das Lighthouse Festival, dieser August und eine Insel in Kroatien gemeinsam haben und warum es auch in Zukunft nicht mehr Tickets geben wird, verrät uns Hennes Weiss im Interview. Außerdem verlosen wir noch 2x2 Tickets für das Lighthouse Festival.
29.5.18
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung vom Lighthouse Festival

Hennes Weiss hat schon gefühlt tausend Leben gelebt. Der einstige Chef der "alten" Pratersauna ist auch der Manager von HVOB und einer der Köpfe hinter dem Lighthouse Festival in Poreč und in Südafrika. Bald auch der Kopf hinter einem Festival auf einer kroatischen Insel. Kurz gesagt: Wo sein Name dahinter steht, kann man zumindest ausgelassen tanzen. Unser letztes Interview ist bald drei Jahre her und nun wird es Zeit, über 2018 und die letzten sechs Jahre Lighthouse Festival zu reden. Warum HVOB nicht jedes Jahr dabei ist, ob das Ticketing so bleibt und was es mit dem Insel-Festival auf sich hat, hat er uns gut gelaunt im Interview erklärt.


Die Geburt von Techno in 1989:


Noisey: Springen wir gleich rein: Gibt es Überraschungen dieses Jahr am Lighthouse Festival?
Hennes Weiss: Es wird eine große Act-Überraschung geben, die wir geheim halten wollen. Wir wissen noch gar nicht, ob wir es in der App ankündigen, eine Stunde vorher oder gar nicht – ich liebe es, einen spontanen Spielraum zu haben. Zweite Überraschung ist ein komplett neuer Floor mit dem Namen "Nassraum", der neue Maßstäbe für das Feiern in der Nacht setzt. Es ist total irre, was mein Team hier zustande bringt und ich werde die Assoziation nicht los, dass wir ein kroatisches Berghain geschaffen haben. Wir haben hier eine Club-Venue geschaffen, die ich mir in Wien wünschen würde.

Also es kann gut sein, dass die Gäste gar nicht wissen, wer, wann und wo spielt? Und wo ist dieser neue Floor?
Nein – Samstag auf der Mainstage von 20 bis 24 Uhr. Ein vier-Stunden-Set. Das ist auch unser einziger Surprise-Act. Wir wollen den nicht groß ankündigen, sonst stürmen viele Gäste aus der Umgebung das Gelände und die Homogenität der Crowd wäre zerstört. Der angesprochene neue Floor befindet sich im Zodiak-Bereich und soll kein Geheimnis sein.

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Gibt es dieses Jahr Neuerungen?
Wir gehen in eine neue Ära. Fünf Jahre sind vorbei und die Strategie ist es, sich internationaler zu platzieren. Dazu gehören gewisse Standards: Das Green Lighthouse ist zum Beispiel eine der Maßnahmen, die wir setzen. Bei unserem Feedback-Fragebogen kam heraus, dass sich viele über den Müll am Beachfloor beschwert haben und sie haben recht. Es wird ein eigenes Trash-Team geben und unser Fokus ist es, dieses Jahr besonders auf die Natur zu schauen.

Und was das Programm betrifft, bleibt alles beim Alten?
Neu ist auch das Modular Lab, da wollen wir uns langfristig drauf setzen. Das Modular-Thema ist ein riesiges Thema in der Szene. Wir fangen heuer leicht mit Live-Sessions an. Nächstes Jahr wollen wir auch da internationaler werden und Workshops sowie Lectures anbieten. Ach ja, neu ist auch ein fast durchgehend offener Ambient- und Chill-Floor.

Internationaler zu werden, bedeutet ja, auch mehr Gäste einzuladen – das Lighthouse Festival ist mit knapp 4000 Plätzen, zumindest was die Unterkünfte betrifft, am Maximum. Oder?
Ja, wir wollen unserem Konzept treu bleiben. Bei meinem ersten Interview mit euch – wir haben ja mit 600 Plätzen begonnen – habe ich gesagt, dass das Festival langsam wachsen muss. Wenn man zu schnell wächst, dann kann man die Qualität nicht mehr halten und ist an der Grenze zum Mainstream. Deshalb sind wir pro Jahr um maximal 1000 Plätze raufgegangen. Jetzt vor der sechsten Ausgabe muss ich sagen, dass wir das gut geschafft haben und das Areal ist auch komplett ausgebucht. Wir haben zwar noch ein paar Tickets Only verkauft, aber wir werden nie mehr als 5000 Leute haben. Wir wollen es auch nicht. Und wir sind jetzt bei 85 bis 90 Prozent am Limit. Uns blutet eh das Herz, weil die Nachfrage so groß ist und viele traurig sind, dass sie nicht dabei sein können. Es arbeiten auch fast 200 Leute am Festival, da sind die Artists und das Personal nicht mitgezählt, und eigentlich ist es sehr schade, dass die ganzen Installationen und Bühnen von eigentlich – im Vergleich zu anderen Festivals – so wenigen Menschen gesehen werden.

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Trotzdem gibt es ja Stimmen, – vor allem von Menschen, die schon ein paar Mal am Lighthouse Festival waren – dass ihr mittlerweile zu groß seid.
Ja, auch ich höre das von Freunden. Aber ich find’ das nicht. Auf die Mainstage passen 4000 Leute hin und gleichzeitig hat der Beachfloor mit einer Kapazität von 2500 Menschen offen. Das Areal ist für 4000 Leute also nicht zu klein, trotzdem ist es für uns die selbe Arbeit, egal ob 4000 Gäste oder doppelt so viele.

Ihr wollt generell internationaler werden – was bedeutet das für das Booking?
Seit drei Jahren versuchen wir, andere Städte einzubinden. Natürlich gibt es dann für heimische Acts weniger Slots. Aber da bitte ich auch um Verständnis: Im Endeffekt soll das Lighthouse eine qualitative Plattform für heimische Acts sein, die sich vor internationalem Publikum, Acts, aber auch vor internationaler Presse präsentieren können.

Wir haben immer alle Augen und Ohren offen und jeder, der da irgendwie heraussticht, bekommt auch eine Chance von uns. Wir haben das Booking-Team mit Genre-Experten erweitert und legen noch mehr Wert drauf, einerseits aus dem Underground heraus zu buchen, sowie anderen Festivals der Zeit voraus zu sein. Natürlich gibt’s immer ein paar große Namen. Wir sind aber in der dankbaren Position, dass wir keine großen Namen als Verkaufsgrund brauchen, da wir ganz ohne LineUp in 20 Stunden ausgebucht sind. Man darf nie ein Konzept anhand des Bookings aufbauen.

Und in welche Länder geht dann die musikalische Reise?
Wir binden jetzt auch nicht mehr so viel heimische Crews ein. Dafür haben wir andere Aktionen: Letztes Jahr gab’s einen South-Africa-Exchange. Das haben wir dieses Jahr bewusst nicht gemacht, so etwas wird es aber nächstes Jahr ganz groß geben. Heuer haben wir nach Städten gebrainstormt, die eine starke elektronische Musikszene haben und nie oder selten nach Mitteleuropa kommen. Deshalb holen wir eine starke Crew aus Neapel und auch Acts aus Los Angeles. Also sie spielen schon im Berghain, aber nicht wirklich in Wien oder München, weil sie noch unterm Radar sind – auch wenn sie in ihren Städten bereits Heroes sind und die coolsten Partys schmeißen. Das ist auch das Ziel des Bookings: Immer neue Sachen zu präsentieren, weil wir ja doch zu 80 Prozent mit derselben Zielgruppe arbeiten.

Das Ticketprinzip – dass nur Freunde von ehemaligen Besuchern buchen dürfen – zementiert ja die Zielgruppe doch auch ein bisschen?
Auch das wollen wir lockern, um frisches Blut reinzubringen. Eine Idee ist, dass man zum Beispiel City Codes macht. Nächstes Jahr zum Beispiel mit Tiflis, weil das gerade in aller Munde ist, Proportionen machen. Oder Budapest, Brüssel, was auch immer. Wir wollen ja dann, dass die Leute dann auch von dort kommen, damit die Gäste auch gut gemischt werden.

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Dieser selektive Zugang bei den Tickets: Seid ihr mit dem Vorgehen nach wie vor zufrieden?
Grundsätzlich war auch das eine langfristige Strategie, die wir strikt durchgezogen haben. Wir werden es aber wieder öffnen, beziehungsweise ändern. Vor zwei Jahren haben wir das ganze Ticketing extrem selektiv gemacht. Einerseits bin ich sehr überzeugt, dass das notwendig war. Man merkt das als Gast nicht so, aber wir hatten einen extremen Überhype. Wir hätten mit einem Camping-Platz das Festival auf 10.000 Leute aufblasen können, haben uns aber bewusst dagegen entschieden. Man muss es halt selektieren, sonst geht die Homogenität der Crowd verloren. Ich kann nachvollziehen, dass das nicht jeder ganz so cool gefunden hat.

Also kein Apply for Log In mehr?
Was bei elektronischen Festivals extrem selten ist: Unser Frauenanteil liegt bei 45 Prozent und unser Altersdurchschnitt ist um fünf Jahre höher als bei den anderen. Und ganz ohne Selektion wird es nicht gehen, da wir sonst in zwei Stunden unkontrolliert ausverkauft sind. Ich möchte mich mit meinem eigenen Festival auch noch in zwei Jahren identifizieren können. Die Crowd beim Lighthouse Festival zählt zu den besten in Europa, die gilt es auch zu schützen. Aber sie wird auch älter und uns ist auch klar, dass wir neues, frisches Blut brauchen.

Was aber doch immer lokaler am Lighthouse Festival wird, sind zum Beispiel die Indie-Acts und auch die HipHop-Stage. Wollt ihr kein rein elektronisches Festival sein?
Ich reise mit HVOB durch die ganze Welt und ich bin in der privilegierten Situation, verschiedene Festivals aus der Sicht des Veranstalters zu sehen. Fast alle Festivals vergessen einen wichtigen Punkt: Das Entertainment drum herum. Wenn du dich immer nur zwischen Techno, TechHouse und House befindest, dann schränkt das stark ein. Wenn du aber in die Richtung Indie, Disco oder HipHop gehst, dann erhöht das den kreativen Spielraum. Die Leute brauchen die Abwechslung. Jeder DJ aus Wien, der länger als sechs Jahre auflegt und gut performt, hat eh schon mal bei uns gespielt. Der Indie-Ecke haben wir zum Beispiel noch nicht so viele Möglichkeiten gegeben und trotz Internationalisierung bleiben wir ein österreichisches Festival. Das erklärt auch tolle Bookings aus Österreich wie Lea Sante oder Leyya.

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HVOB kommt nach drei Jahren wieder, du bist der Manager. Warum so lange nicht?
Wir haben das gemeinsam entschieden, weil wir nichts von Freunderlwirtschaft halten. Jetzt ist es aber wieder an der Zeit und das wird bestimmt eines der Highlights.

Gab’s Konzepte, die im Laufe der Zeit verworfen werden mussten?
Ja, beispielsweise das Thema Sponsoring. Es ist in den ersten Jahren essentiell, Sponsoren zu haben, letztes Jahr war es mir selbst zu viel. Da haben wir uns sensibilisiert und wir sagen mittlerweile Sponsoren ab und geben vor, was sie dürfen oder nicht – bis hin zu ganz klaren sponsorfreien Zonen. Das haben wir in der letzten Zeit punktuell ehrlich gesagt ein bisschen aus der Hand verloren und diese Selbstkritik gestehe ich ein.

Die Zielgruppe wird laut ein paar Älteren immer jünger?
Nein, überhaupt nicht, die Älteren werden älter und nicht die Gäste jünger. Wir haben das Durchschnittsalter zwischen 26 und 27. Ich bin 40 und mein Freundeskreis genauso. Wir sind ein älteres Festival und wir verstecken uns nicht vor jüngeren Gästen.

Wie siehts mit dem Lighthouse Festival in Südafrika aus? Es gibt ja keine Pakete, der Gast organisiert sich den Flug und die Unterkunft selbst, man ist nur untertags am Gelände, nachher geht’s in Clubs weiter. Ist das für die ältere Zielgruppe gedacht?
Wir haben das zwei Mal gemacht und es war auch nicht für Europäer sondern für die lokale Szene gedacht. Am Ende des Tages waren es im ersten Jahr 85 Prozent lokale Gäste und der Rest Touristen, die sowieso dort waren. Wir haben dort einen anderen Produktionspartner und sind dort sehr eingebunden. Es ist auch wirklich eher ein Herzensprojekt von mir und soll der Internationalisierung der Marke dienen.

Von wie vielen Gästen reden wir da?
Zirka 1600. Wobei man sagen muss, dass die Szene dort auch nicht viel größer ist und wir da auch in eine Nische reingehen. Wenn wir es größer machen wollten, müssten wir größere Bookings machen oder zum Beispiel in die Drum'n'Bass-Szene reingehen, da die dort sehr groß ist. Es soll auch nicht größer werden, auch wenn wir es mehr in Europa bewerben wollen. Wir wollen es auch nicht großartig wachsen lassen, 2500 ist das Maximum. Für uns ist das eine Non-Profit-Geschichte. Das war nie als großes Ding geplant und das Lighthouse Festival in Kroatien wird auch immer unser Flagship bleiben.

Wenn man mit dir und den Köpfen hinter dem Lighthouse Festival in den sozialen Medien befreundet ist, dann sieht man, dass Fotos von einer ominösen Insel geteilt werden. Kommt ein neues Festival?
Ja, diese Insel haben wir letztes Jahr gescoutet. Von Wien aus sind es sieben Stunden, von Sibernik aus 30 Minuten mit dem Boot. Und da geht’s um ein neues Konzept und eine neue Ausrichtung, wo wir schon versuchen, die ältere Zielgruppe mitzunehmen und anzusprechen.

Welches Konzept wäre das?
Der Fokus liegt auf Retreat, Yoga, Massage, Relaxing und easy listening Musik, also kein Techno. Dieses Jahr ist es das erste Jahr und auf 300 Personen limitiert. Natürlich gibt es dort auch Partys – das liegt uns wohl im Blut –, aber es wird zum Beispiel keine langen Afterpartys geben. Es ist auch einfach so, dass wir uns in diese Insel verliebt haben. Man hat das Inselgefühl, das beginnt schon im Boot. Man ist in einer gewissen Community. In Poreč ist das anders, da gehts ganz klar um’s Feiern.

Welche Musik erwartet dann die Gäste?
Das Ticket, das wir anbieten, kostet genauso viel wie ein Aufenthalt auf der Insel eine Woche davor oder danach. Man bucht auch direkt auf ihrer Plattform, wir sind da nicht dazwischen geschaltet. Das gesamte Personal kommt auch von dort, wir machen nur einen musikalischen Takeover, der Rest ist schon dort. Für uns ist erstmal wichtig, dass wir einen Fuß drinnen haben, weil wir wissen, dass sich viele internationale Promoter und Brands für die Location interessieren. Es ist erstmal ein Experiment, das sich schon sehr gut entwickeln könnte. Die Idee ist schon, dass wir die ganze Insel übernehmen, was dann insgesamt 700 Plätze wären. Wir wollen dann musikalisch in Richtung Live-Musik gehen. Die Leute sollen sich das einfach mal anschauen. Es wird so zirka so wie Poreč in den ersten Jahren, back to the roots.

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Wann findet das Festival statt und bei welchem Kostenpunkt sind wir?
Es wird vom 1. bis 5. August stattfinden. Da gibt’s Luxus-Glamping. Und ich hasse Camping. Aber auch wenn der Begriff Luxus-Glamping hässlich klingt, es ist echt mega. Man hat einen Kühlschrank im Zelt, auch eine Klimaanlage. Man bekommt Zelte mit zwei bis sechs Betten, da ist so ein Mehrbett-Zelt eh super günstig, kommt auf 35 bis 40 Euro die Nacht. Die Luxus-Meerblick-Zelten, die auch ein Badezimmer drinnen haben, die kommen dann schon auf 80 bis 90 Euro pro Person. Aber pro Ticket zahlt man nichts. Man muss halt selbstständig runterkommen, aber es gibt Airport-Shuttles von Split. Auf der Insel geht es schon um Qualität, sieht man zum Beispiel an der internationalen und sehr guten Küche. Jeder ist willkommen. Besonders Menschen, die gutes Essen und eine schöne Insel zu schätzen wissen.

Welche Aktivitäten gibt es?
Es gibt ein Spa, Massagen und Yoga-Kurse. Es arbeitet ein sehr internationales Team dort vor Ort, also nicht wirklich das, was man aus Kroatien gewohnt ist.

Also einfach ein besserer Urlaub mit euch.
Genau, haha. Wir starten nach Poreč den Verkauf am Mittwoch und zuerst vergeben wir auch 150 Tickets an Freunde, den Rest öffnen wir dann natürlich: First come, first serve.

Spaßfrage: Kommt mal ein Lighthouse-Club nach Wien?
Haha, ich bin mit einem Lokal im Gespräch. Das würde aber in Richtung Essen und Bar gehen, mit einer ganz kleinen Tanzfläche für 250 Menschen. Aber schauen wir mal, vielleicht habe ich auch keinen Bock drauf. Wir verlosen 2x2 Tickets von Mittwoch bis Sonntag ohne Unterkunft für das diesjährige Lighthouse Festival in Poreč. Unterkünfte findest du auf AirBnB, Booking.com oder ähnlichen Seiten deiner Wahl. Schicke uns einfach eine Mail an noisey@vice.at mit dem Betreff LHF18. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden am Mittwoch um 12 Uhr benachrichtigt.

Besucht uns am Freitag ab 21 Uhr im Noisey-Kino:
21.00 - 22.30 : Speaking in Code
22.45 - 23.00: Unterwegs in der ukrainischen Rave-Szene
23.15 - 23.30: Shanghais und Rave
23.45 - 00.00: Brenk Sinatra Kaisermühlen Beats (Premiere)

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