Wegen der AfD darfst du bald nicht mehr mit Armbrust ins Parlament

Denn ja – das durftest du bisher anscheinend.

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06 April 2019, 9:00am

Foto Bundestag: imago | photothek || Machete: imago | Panthermedia || Pistole: imago | Torsten Becker

Feuerwaffen. Pfeil und Bogen. Armbrüste. Schleudern und Katapulte. Messer jeglicher Art. Sprengstoffe. All diese Gegenstände, haben wir jetzt gelernt, darf man aktuell noch in den Bundestag mit reinnehmen. Was für eine schöne Überraschung!

Das scheint zumindest die Meldung vom 5. April nahezulegen, laut der die Bundestagsverwaltung jetzt erst auf die Idee gekommen ist, Waffen im Bundestag zu verbieten. Das berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland, das eine sogenannte "Tischvorlage" für eine Sitzung der Sicherheitsbeauftragten des Parlaments am 10. April zitiert, bei dem eben all diese Gegenstände untersagt werden sollen. Bisher seien diese offiziell noch nicht verboten gewesen.

Jetzt soll die Hausordnung ergänzt werden und es verbieten "Waffen, Munition, Sprengstoffe, explosionsgefährliche Stoffe, gefährliche Werkzeuge" oder Ähnliches "mitzubringen". Dazu sollen dann nicht nur die oben aufgezählten Waffen wie Maschinengewehre und Armbrüste (spießig!) zählen, sondern auch "Spielzeugwaffen und Imitationen von Feuerwaffen" sowie "Betäubungsgeräte, die Handlungsfähigkeit herabsetzende Chemikalien, Gase und Sprays".


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Auslöser für diese Neuregelung war laut dem Netzwerk übrigens ein Zwischenfall mit einem AfD-Mitarbeiter: Der wurde bei einem Besuch bei der EU-Kommission in Brüssel mit einem Messer erwischt und erklärte dann, im Bundestag gebe er das Messer immer an der Pforte ab. Was dann wohl doch bedeutet, dass er es nicht mit in den Bundestag hineingenommen hat.

(Man kann sich trotzdem vorstellen, wie sehr die Mitarbeiter an der Pforte sich gefreut haben, dem aufrechten Volksdiener jeden Morgen sein Messer abzunehmen – und vor allem, es ihm abends wieder auszuhändigen, auf dass er frisch bewaffnet in die Berliner Nacht hinausschreite und Gutes tue!)

Trotzdem wirft der Fall die Frage auf: Wenn der AfD-Typ behauptet, er gebe sein Messer immer an der Pforte des Bundestags ab, würde das ja bedeuten, dass man schon jetzt keine Waffen mit hineinnehmen darf. Hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland jetzt also aufgedeckt, dass man ihn nach aktueller Gesetzeslage eigentlich hätte hereinlassen müssen? Fragen über Fragen, die wir direkt an die Pressestelle des Bundestages weitergegeben haben!

Die Pressestelle hat auf die Anfrage von VICE, was denn nun Sache ist und welche Waffen man denn aktuell noch in das hohe Haus hineinnehmen darf (Hellebarde? Florett, falls man Christian Lindner begegnet und zum Duell herausfordern will?), nur geäußert, dass die Bundestagsverwaltung "sich nicht über den Inhalt und den Anlass solcher interner Sitzungen äußern" kann. Schade.

Deshalb ist bis jetzt noch nicht abschließend geklärt, ob es sich bei der neuen Hausordnung eher um eine Formalität handelt, weil man auch jetzt schon nicht mit einer Armbrust am Pförtner vorbeikommt. Oder – und das ist natürlich die spannendere Option – ob man tatsächlich bis zum 10. April noch auf die Hausordnung pochen und darauf bestehen könnte, mit seiner Panzerfaust auf die Zuschauergalerie gelassen zu werden. Muss ja nicht geladen sein!

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