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Ein Bestatter soll Leichen an Auszubildende verliehen haben

Den Verstorbenen sollen sogar Wunden zugefügt worden sein. Die Angehörigen wussten angeblich nichts davon.
Symbolfoto: imago | medicimagz

Der Tod ist ein schwer zu fassendes Konzept. Im einen Moment noch ist da ein lebender, atmender, warmer Mensch, im nächsten nur noch eine Ansammlung von Zellen, keine Person mehr, lediglich ein Körper. Sich wehren oder Entscheidungen treffen kann er nicht mehr; in Deutschland wird er deshalb von der sogenannten Totenruhe geschützt. Die soll sicherstellen, dass Verstorbene und ihre letzte Ruhestätte vor Übergriffen bewahrt werden.

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Das sollten insbesondere Menschen wissen, die im Bestattungsbereich tätig sind. Trotzdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Schweinfurt aktuell gegen einen Bestatter, der die Totenruhe in sieben Fällen massiv gestört haben soll. Der Vorwurf: Ralf M. soll Leichen zu Übungszwecken an das Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt weitergegeben haben, ohne vorher die Angehörigen der Verstorbenen zu kontaktieren. Was man dort mit den Leichen veranstaltete, soll laut Augenzeugen weit über das hinausgegangen sein, was Bestatterinnen und Bestatter nach dem Tod einer Person sowieso durchführen müssen. Angeblich sollen den Leichen sogar Wunden zugefügt worden sein, damit die Auszubildenden üben konnten, diese korrekt zu vernähen.


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"Es sind bis zu 15 Kursteilnehmer im Raum, da wollen viele üben", zitiert die Süddeutsche Zeitung einen Zeugen. Ehemalige Mitarbeiter M.s erklärten, ihr Chef habe Angehörigen bewusst nicht erzählt, dass die Verstorbenen zu Übungszwecken in das Ausbildungszentrum gebracht werden würden. "Kaum ein Angehöriger würde, wüsste er davon, dem auch zustimmen", sagte ein Zeuge laut SZ. Das Ausbildungszentrum bestreitet die Vorwürfe, der Bestatter schweigt aktuell zum Ermittlungsverfahren.

Ralf M. gilt in der Branche als angesehen. Er ist Chef des Bayerischen Bestatterverbandes und wurde vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur mit der Goldenen Verdienstnadel ausgezeichnet. Die Vorwürfe, er würde Leichen ohne Absprache mit den Hinterbliebenen zu Ausbildungszwecken zur Verfügung stellen, wurden bereits Anfang des Jahres laut. Als ihn die Süddeutsche Zeitung im Februar damit konfrontierte, bestritt er, überhaupt Tote in das Ausbildungszentrum gebracht zu haben.

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"Und wenn es so wäre, wenn ich Verstorbene, rein hypothetisch, nach Münnerstadt gebracht hätte, hätte ich mich keines Vergehens schuldig gemacht", sagte er. Alle Maßnahmen würden mit den Hinterbliebenen abgestimmt, er würde sich das Totenfürsorgerecht schriftlich abtreten lassen. Nur so könne er schließlich "die Aufgaben erfüllen, die notwendig sind".

2014 kritisierte M. im Gespräch mit tz.de als einer von mehreren Bestattern übrigens den Umgang mit Leichen, die Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sind. Der Titel des Artikels: "Profit vor Pietät: Das miese Geschäft mit den Leichen".

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