Anzeige
Teenager

O-Saft und Post-Punk – Menschen erzählen von ihren peinlichsten Teenager-Phasen

Komisch – so etwas ist uns natürlich nie passiert.

von Linda Yang
27 April 2017, 7:42am

Photo by Jacob Lund via Stocksy

Wir alle hatten sie wohl: Diese Zeit in unseren Leben, die unsere Eltern heute nur noch als "die Phase" beschreiben. Du hast in der Grundschule nur Primärfarben getragen, warst als Teenager absolut besessen von dieser einen Band oder hast dir eine Zeit lang die Haare hochgegelt und bist zu Konzerten von Bands gegangen, die sich "Destroyer Porn" nannten? Du bist nicht alleine. Viele dieser Phasen sind ein Produkt zeitgenössischer kultureller Trends — und manche dieser Phasen werden sich wohl nie verändern.

Eine Phase, die zum Beispiel regelmäßig Mädchen in der Vor-Pubertät befällt, ist der Boyband-Schwarm. Wenn wir auf unsere Teeanger-Jahre zurückblicken, erinnern wir uns doch alle ganz genau an dieses eine Mitglied unserer Lieblings-Boyband, mit dem wir bereits die perfekte Hochzeit geplant hatten und dessen Gesicht von mindestens jedem zweiten Poster in unserem Kinderzimmer lächelte.

Mehr lesen: Garfield oder Darth Vader – Menschen erzählen von ihrem fiktionalen Schwarm

Ein anderer hartnäckiger Trend ist diese Zeit, in der wir plötzlich Gefallen an düsterer Musik und noch dunklerer Kleidung gefunden haben. Andere Merkmale dieser Zeit umfassten: sich die Haare schwarz färben, ziellos im Einkaufszentrum herumlungern, besorgten Müttern die Zimmertüre vor der Nase zuschlagen und regelmäßig "das ist keine Phase!" schreien.

Während viele wohl mittlerweile peinlich berührt auf diese Zeit zurückblicken und sich relativ schnell zu halbwegs sozialen Wesen weiterentwickelt haben, gibt es auch Menschen, die diesen Absprung irgendwie erst einen Tick zu spät geschafft haben. Wir haben mit dieser zweiten Gruppe über ihre jugendlichen (und nicht mehr ganz so jugendlichen) Sünden gesprochen und sie gefragt, warum sie in ihren peinlichsten Phasen so lange hängengeblieben sind.

Wo sind deine Muschelhalsketten?

Irgendwann in der Mittelstufe habe ich beschlossen, Surferin zu werden. Es war mir egal, dass ich aus Florida kam, wo die Küste definitiv nicht dafür gemacht ist. Den Strand habe ich eigentlich auch gehasst, weil ich leicht einen Sonnenbrand bekommen habe und generell Sand nicht mochte. Keiner dieser Faktoren konnte mich allerdings davon abhalten, jede Muschelhalskette zu kaufen, die mir in die Finger kam und sie jeden Tag zu tragen. Ich habe mir dann sogar heimlich Aufhellungsspray für meine Haare gekauft. Leider habe ich mir das Zeug in die Haare gesprüht, ohne die Gebrauchsanweisung zu lesen. Es hat schrecklich ausgesehen. Die Strähnen gingen kreuz und quer über meinen Kopf.

– Monica

Post-Punk

Ich war eine Zeit lang völlig besessen von dieser englischen Punkband. Genauer gesagt, habe ich versucht, auszusehen wie ihr Leadsänger: Ich hatte pechschwarz gefärbtes Haar, zerrissene Kleidung und Tonnen von Make-up in meinem Gesicht. Ich dachte, ich sähe super cool aus, bis ich den ich den echten Sänger in einem Supermarkt in London gesehen habe: Er war komplett normal angezogen, in Jeans und T-Shirt. Und da stand ich dann total verdattert, mit meinem zerlöcherten Blazer und seinem typischen Bühnen-Make-up im Gesicht.

– Samuel

Sorry, Miss Jonas.

Beim Anblick eines gewissen Nicholas Jonas habe ich in der Mittelstufe das erste Mal in meinem Leben sexuelle Anziehungskraft verspürt. Von da an habe ich keines der Konzerte der Jonas Brothers mehr verpasst. Mehr noch: Ich bin jedes Mal extra früh angereist, um die Location abzuchecken und um gegebenenfalls den Tourbus abzufangen. Um kurz einen Blick auf Nick zu erhaschen, habe ich mich oft stundenlang irgendwo hingekauert. Mein erstes Jahr der Oberstufe habe ich damit verbracht, ein Portrait von ihm zu zeichnen und in der Cafeteria habe ich mich mit Freunden gestritten, die behaupteten, Joe sei der talentiertere Bruder. Erst als er sich seine wundervollen braunen Locken abgeschnitten hat, ist meine Liebe langsam verblasst. Seine Zuneigung für Miley Cyrus war da auch nicht gerade förderlich.

Lola

Nick Jonas. Foto: Gary Knight | Wikimedia Commons | CC BY-SA 2.0

Er war ein Sk8er Boi. Und ein Dieb.

Ich war länger verrückt nach Skatern, als es mir lieb ist. Ich stand nicht auf irgendeine Art Skater, sondern besonders auf jene Art ohne Jobs, einen festen Wohnsitz oder Zukunftsvorstellungen, die darüber hinaus gingen, wo man den nächsten Stunt mit den Kumpels filmen könnte. Ich hatte mir eingeredet, dass Skater die purste Form der Existenz lebten, weil ihnen scheinbar alles egal war: Karrieren, Hypotheken und alles andere auch. Deshalb bin ich in ständig in den typischen Szene-Bars und Parks herumgehangen und habe viel zu viel Zeit in der Nähe von Rampen verbracht. Meist crashten meine Skater Boys jede Nacht bei einem anderen Freund – was in Wahrheit natürlich bedeutete, dass sie obdachlos waren. Alles war super, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass sie mich alle beklaut haben — manchmal war es nur ein Bier, mal Zigaretten und einmal sogar Bargeld.

– Eileen

Der tägliche Vitaminschub

Ich habe mich ein gutes Jahr meines Lebens geweigert, irgendetwas anderes als Orangensaft zu trinken. Wenn es nichts anderes gab, habe ich auch mal Wasser getrunken, aber ansonsten gab es nur Saft für mich. Meine Geschwister haben schnell gelernt, dass sie die Flasche im Kühlschrank nicht anfassen durften, wenn sie keinen Nervenzusammenbruch meinerseits miterleben wollten, gefolgt von der Forderung, sofort in den Supermarkt zu fahren, um mir mehr O-Saft zu besorgen. Meine Mutter war überzeugt davon, dass ich irgendwann orange werden würde und hat sich dann irgendwann geweigert, mir mehr Orangen-Saft zu kaufen.

– Louise

Sie hätten echt zusammenkommen sollen.

Als ich ins College kam, habe ich von Harry-Potter-Fan-Fiction erfahren. Es war der Wahnsinn. Ich hatte mir immer gedacht, dass Harry und Hermine eigentlich hätten zusammenkommen sollen – und scheinbar war ich da nicht die Einzige. Aber es waren nicht nur die Harry-und-Hermine-Liebesgeschichten – es gab etwas für jede Art von Potter-Fan. Ich habe dann angefangen, selbst zu schreiben und habe mich dabei ertappt, jede Nacht bis vier Uhr morgens in die Tasten zu hauen, um mir Geschichten über die Hogwarts-Gang auszudenken. Nach sechs Monaten als aktives Mitglied der virtuellen Fan-Fiction-Gemeinschaft habe ich mich dann dazu entschieden, zu einem Offline-Treffen zu gehen.

Mehr lesen: "Meine Möpse machten ihm Angst" – Mädchen erzählen von ihren schwulen Exfreunden

Es war echt schlimm. Ich saß in einem Café mit zwei Müttern mittleren Alters, die aussahen, als hätten sie die letzten zehn Jahre ihres Lebens kein Sonnenlicht gesehen und die beide irgendwie auf Voldemort standen. Dieser Tag hat mir wirklich gezeigt, dass ich anfangen sollte, mich auf meine Freunde und die Schule zu konzentrieren, anstatt im Internet mit diesen Leuten abzuhängen.

– Alexi

Zufällige Begegnungen

Jeder hat doch schon einmal versucht, seinem Schwarm rein zufällig zu begegnen – auf der Straße, in der Schule oder sonst wo. Meine Stalker-Phase war allerdings eine Stufe krasser. Wenn ich auf einem seiner Social-Media-Kanäle gelesen habe, dass er in einem Laden oder Restaurant war, habe ich meine Freunde davon überzeugt, auch dort abzuhängen – in der Hoffnung, ihn zu sehen. Einmal habe ich meine Freundin davon überzeugt, mit ihrem Auto drei Stunden lang um eine Bücherei zu kreisen, in der Hoffnung, ganz zufällig in ihn reinlaufen zu können. Wegen eines anderen Schwarms habe ich sie später auch einmal dazu gebracht, mit mir zwei Stunden vor einem Theatersaal zu warten. Er ist aber nie aufgetaucht.

– Nicolette


Foto: Squarespace | Pexels | CC0

Tagged:
Broadly
Kultur
Beziehung
Psychologie
BOYBAND
selbstfindungphase
Broadly Relationships
Broadly Culture