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Sex

Diese Männer haben uns ganz genau erklärt, was sie gegen Oralsex haben

Vorige Woche war niemand mutig genug, uns zu erklären, warum er Frauen nicht lecken möchte. Nachdem wir deswegen auf Sexualtherapeuten zurückgreifen mussten, kamen sie plötzlich in Scharen.

von Mish Barber Way
05 April 2016, 8:06am

Foto: Phil and Pam Gradwell (to be) | Flickr | CC BY 2.0

Foto: Phil and Pam Gradwell (to be) | Flickr | CC BY 2.0

Letzte Woche haben wir einen Text veröffentlicht, in dem es um Männer ging, die sich strikt weigern, Frauen oral zu befriedigen. Um herauszufinden, woran das liegen könnte, mussten wir allerdings auf unabhängige Experten zurückgreifen, weil wirklich kein Mann mit der Autorin über seine Aversion sprechen wollte. Stattdessen stieß sie auf jede Menge Prahler, die mit ihren Oralfähigkeiten angaben. Nach der Veröffentlichung haben aber sowohl wir als Redaktion, als auch die Autorin unzählige E-Mails und Tweets bekommen. „Ich lecke keine Muschis", gaben sie plötzlich offen zu. „Und ich erklär die ganz genau warum, in allen Einzelheiten." Also hier haben wir sie. Die echten Gründe von echten Männern, die erzählen, warum sie Frauen nicht oral befriedigen wollen.

George*, 27

Ich habe die Entscheidung, dass ich Frauen nicht oral befriedigen will, nicht aktiv getroffen. Ich habe es mit meiner ersten Freundin ausprobiert, als wir das erste Mal sexuell aktiv wurden. Es hat mich aber nie besonders gereizt. Ich denke, der Hauptgrund war für mich auch, dass ich [selbst] nicht gern oral befriedigt werde. Deshalb erwarte ich es auch nicht von Frauen—niemals. Witzig ist, dass das einzige Mädchen, das ich regelmäßig geleckt habe, meine letzte Freundin war. Bei ihr hab ich es gemacht, weil sie mir tatsächlich gerne einen geblasen hat. Sie hat mich gefragt, warum ich sie nie lecke und hat mir gesagt, dass sie möchte, dass ich es tue. Zudem fand sie es komisch, dass ich niemals das Verlangen danach hatte, dass sie mir einen bläst. Ehrlich gesagt, hat es mir nicht mal bei ihr—und der Sex war wirklich gut—Spaß gemacht, sie zu lecken. Ich hab es zwar getan, weil sie mich darum gebeten hat und ich kein egoistisches Arschloch sein wollte, aber ich hab es nicht genossen.

Wie schon gesagt, erwarte ich auch nicht, dass mir meine Freundinnen einen Blowjob geben. Ich genieße das, ehrlich gesagt, auch gar nicht. Ich komme dadurch nicht zum Höhepunkt. Normalerweise endet es damit, dass ich sie von mir runterziehe und wir Sex haben. Was Mädchen betrifft, die beim Sex nicht zum Höhepunkt kommen: Meine Finger funktionieren in dieser Hinsicht sehr gut, sodass Oralsex nicht unbedingt notwendig ist. Daher hatte ich diesbezüglich auch nie irgendwelche Probleme mit irgendeiner meiner Freundinnen. Ich finde, der Sex war bisher immer ziemlich befriedigend und ich stelle immer sicher, dass sie das genauso sieht—selbst wenn das nicht immer Oralsex miteinschließt.

Jacob, 31

Soweit ich mich erinnern kann, waren mein Geschmacks- und Geruchssinn immer irgendwie komisch, auf gewisse Weise intensiver. Wohlmöglich kommt es von der Chemotherapie, die ich als Kind hatte, aber da bin ich mir nicht sicher. Auf jeden Fall sind Reize, die für die meisten anderen Menschen etwas unangenehm sind, unerträglich für mich. Ich habe schon versucht, Frauen oral zu befriedigen und es war für beide von uns traumatisch—für mich, weil ich mich geekelt habe und für meine Partnerin, weil natürlich keine Frau gerne hört, dass man ihre Genitalien irgendwie unangenehm findet. Darüber hinaus stecke ich mir—abgesehen von Essen und Trinken—nicht gerne irgendwelche Sachen in den Mund. Das schließt auch Körperflüssigkeiten aus dem Intimbereich mit ein, deswegen ist es für alle Beteiligten besser, dieses ganze Martyrium hinter sich zu lassen. Ich finde nicht, dass es gerecht wäre, zu sagen, dass meine Abneigung gegen das Lecken eine Entscheidung war, aber ich habe das eben schon mit 20 für mich herausgefunden.

Ich liebe den weiblichen Körper, aber das Genital an sich finde ich nicht attraktiv.

Ich habe über Tinder mal ein Mädchen getroffen, das ein Arrangement à la Freunde mit gewissen Vorzügen haben wollte und das erste was sie sagte war: „Ich gebe keine Blowjobs." Was von ihr als Warnung gedacht war, war für mich natürlich einen Erleichterung, aber sie hat mir erzählt, dass viele Männer sie an diesem Punkt einer Unterhaltung ignorieren. Blöd von ihnen! Sie war fantastisch und wir hatten ziemlich viel Spaß zusammen—auch ohne Oralsex. Ich könnte niemals „erwarten", dass mir jemand einen bläst, wenn ich nicht dazu bereit bin, etwas zurückzugeben. Wenn meine Freundin mir einen blasen möchte, weil sie Spaß daran hat, dann liegt das ganz bei ihr—ich würde mich nicht beschweren und mich zuvor gründlich waschen. Aber es wäre von Anfang an klar, dass es keine orale Gegenleistung gäbe.

Steven, 27

Ich habe zwei Gründe, warum ich Frauen nicht oral befriedige. Zum einen finde ich Vaginas nicht besonders reizvoll. Ich liebe den weiblichen Körper, aber das Genital an sich finde ich nicht attraktiv. Dazu kommt, dass ich den Geruch und den Geschmack nicht besonders mag. Es macht mir nichts aus, aber ich finde es auch nicht attraktiv oder erregend. Ich konnte nie verstehen, warum manche Männer sagen, dass sie es lieben. Darüber hinaus habe ich eine ziemliche Angst vor Geschlechtskrankheiten. Ich habe niemals Sex ohne Kondom. Zu meinem Glück ist das kein Problem für mich, da ich seit 2008 in einer monogamen Beziehung lebe und meine Freundin nicht darauf steht, geleckt zu werden. Was das angeht, bin ich also ein ziemlicher Glückspilz. Ich möchte auch nicht lügen. Ich steh auf Blowjobs. Sie sind das Beste. Aber wenn mir ein Mädchen sagt, dass sie keine Blowjobs mag, dann akzeptiere ich das. Ich will ja schließlich kein Heuchler sein.

Ken, 34

Ich bin mit einem Mädchen ausgegangen, das bei Hooters gearbeitet hat und die ziemlich viele Probleme hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir Oralsex irgendwie egal und ich wollte lieber Sex haben. Nach zwei Jahren hat sie mich verlassen und ich war am Boden zerstört. Ich habe getrunken, um meine Sorgen zu vergessen. Während dieser Zeit war ich sexuell ziemlich umtriebig. Niemals hätte ich die Frauen, die ich in einer Bar aufgegabelt habe, geleckt. Ich wusste nicht, mit wem sie zusammen gewesen sind und meines Wissens nach gibt es keine Kondome für die Zunge oder den Mund. Ich war froh darüber, Sex zu haben und habe immer verhütet. Ich habe meine fehlende Bereitschaft, Frauen oral zu befriedigen, damit gerechtfertigt, dass ich das Gefühl hatte, einen Toilettensitz abzulecken. Leute erleichtern sich über diesen Teil des Körpers und ich hatte das Gefühl, mein Mund gehört da nicht hin.

Meine Freunde sagten mir, dass ich irgendwann über den Gedanken, eine Toilette abzulecken, hinwegkommen und es einfach tun müsste.

Ich habe bestimmt ein Jahrzehnt lang kein Mädchen geleckt. Versteh mich nicht falsch—ich verstehe, was Schweiß und andere chemische Substanzen tun, aber manche Mädchen tragen wirklich den Tod in Form von ranzigem Ausfluss in ihrer Vagina. Meine Freunde sagten mir, dass ich irgendwann über den Gedanken, eine Toilette abzulecken, hinwegkommen und es einfach tun müsste. Ich gehe jetzt seit ungefähr einem Monat mit einem Mädchen aus und ich versuche sie regelmäßig zu lecken. Im Leben geht es um Kompromisse und zu meinem Glück schmeckt sie einfach nur nach Fleisch. Kein unangenehmer „Gestank", nur normale Gerüche.

Andrew

Das ist einfach nicht so mein Ding schätze ich, aber ich glaube, dass ich damit in der Minderheit bin. Ich denke nur gelegentlich darüber nach, wenn ich ein Bild von irgendeinem Model sehe. Aber ich bin ein Feminist—wie hoffentlich die meisten Leute heutzutage—was natürlich bedeutet: Frauen haben die gleichen Rechte. Ich glaube auch fest daran, dass wir nur langfristig glücklich werden können, wenn wir anderen helfen. Ich habe mit meinen Freunden offen darüber gesprochen, Frauen zu lecken. Einer von ihnen liebt es und sagt, dass er mal ein Mädchen dazu gebracht hat, sich vor lauter Lust mit einer Art umgekehrtem Katzenbuckel aus dem Bett zu heben. Ich schätze, dass ihm diese Erfahrung das Gefühl gegeben hat, besonders männlich zu sein.

Deswegen nervt es mich irgendwie, dass ich beim Gedanken daran, ein Mädchen zu lecken, so emotional reagiere. Ich habe definitiv nichts dagegen oder gegen Leute, die es tun, aber während ich es so aufschreibe, merke ich, wie dumm es ist, es nicht zu tun. Es ist nicht so, als wäre es anders als Sex. [Während ich das schreibe,] bekomme ich irgendwie Lust, einfach in der Situation mit einem Mädchen zu sein, um zu sehen, ob ich es tun würde oder wie darüber denke. Als ich mich in der Schule einmal vor die ganze Klasse stellen musste, wurde ich nervös. Danach habe ich mich selbst dazu gezwungen, Reden zu halten. Ich habe sogar die maximal mögliche Zeit genutzt, statt einfach nur für das Minimum zu machen, wie ich es normalerweise tun würde. (Ich war wirklich faul in der Highschool.) Dasselbe habe ich auch beim Kämpfen gemacht—also beim Boxtraining. Ich bekomme immer noch Angst vor öffentlichen Reden und Kämpfen, aber wenn ich jetzt erst mal mittendrin bin, bin ich sehr viel ruhiger.

Vielleicht mache ich in diesem Fall einfach das Gleiche—ich stürze mich mitten rein und sehe, wie ich mich dabei fühle. Mir das Publikum nackt vorzustellen, hat mir noch nie in irgendeiner Situation geholfen.

*Alle Namen wurden geändert.