Menschen

Klopapier muss endlich abgeschafft werden

Dein Leben wird sich mit der Wasser-Hand-Schrubbtechnik verbessern, versprochen!
02 April 2020, 1:00pm
Ein Graffiti von Gollum mit einer Rolle Klopapier
Symbolfoto: imago images | Müller-Stauffenberg

Eine Sache ist in der Corona-Krise deutlich geworden: Auf der ganzen Welt sind die Leute wie besessen von Klopapier. Die Supermarktregale sind leer. Obwohl Hersteller und Supermärkte betonen, dass für Nachschub gesorgt sei, schlichten sich Kunden weiterhin ihre Einkaufswagen und Autos mit Klopapier voll. Andere klauen Rollen aus öffentlichen Toiletten. Im US-Bundesstaat Oregon musste ein Polizeirevier per Social Media verkünden, dass die Beamten kein Toilettenpapier ausliefern könnten.

Was sagt diese Angst vor Klopapier-Engpässen über uns Menschen aus? Handelt es sich um ein ernstzunehmendes Problem? Oder stecken wir in der analen Phase der gesellschaftlichen Entwicklung fest? Diese Frage beschäftigt mich sehr. Schon vor langer Zeit, als ich als junger Mann durch die Welt reiste, hatte ich immer eine Rolle Toilettenpapier dabei. Es graute mir davor, auf einem Klo zu hocken, wo es kein Papier gab.

Ich habe viele solcher Klos gesehen: in Ost- und Westafrika, in Südostasien und in der Karibik. Dort sind die Toiletten oft nur mit einem Wasserschlauch oder mit einem Gefäß voller Wasser ausgestattet. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich damit nach meinem, nun ja, großen Geschäft sauber machen sollte. Also wirklich gar keine Ahnung: Als Austauschschüler in Italien dachte ich, das Bidet in der Wohnung sei nur ein seltsames, tief angebrachtes Waschbecken.

Was auch stimmt; es ist ein Waschbecken, bloß für den Po. Hätte ich damals schon gewusst, was ich heute weiß, wäre mein Leben viel einfacher und vor allem viel weniger von Toilettenangst geprägt gewesen. Und mein Hintern nicht so wundgescheuert. Deswegen möchte ich mein über die Jahre gesammeltes Wissen zur Anussäuberung teilen.

Zuerst aber ein Gedankenexperiment: Stell dir vor, du läufst barfuß über eine Wiese. Plötzlich spürst du unter deinem Fuß etwas Weiches. Ein frischer Haufen Hundekacke drückt sich mit einem schmatzenden Geräusch durch deine Zehen. Wäre dein erster Gedanke wirklich: "Oh je, jetzt brauche ich schnell trockenes, dünnes Papier, um diese Sauerei wegzuwischen"?

Nein. Du würdest schnell einen Wasserschlauch oder ein Waschbecken suchen und die Hundekacke mit Wasser, Seife und deinen Händen wegspülen und -schrubben.

Ein Verzicht auf Klopapier tut auch der Umwelt gut

Was ich damit sagen will: Klopapier ist nicht die beste Lösung. Eigentlich könnten wir Klopapier komplett abschaffen. Natürlich fühlt sich die extraweiche Variante am Hintern angenehm an, aber wir sind mehrere zehntausend Jahre auch ganz gut ohne ausgekommen. Die kleinen Papiervierecke, die wir heute kennen, etablierten sich ja erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Was benutzte man davor, um sich nach einer Darmentleerung sauber zu machen? Das Gleiche, was Milliarden Menschen nicht ohne Grund auch heute noch benutzen: Wasser und die eigene Hand.

Kaum jemand redet darüber. Dabei würde eine Abkehr vom Toilettenpapier unzählige Bäume retten, eine Menge Wasser sparen und die Po-Hygiene verbessern. Und es ist gar nicht so schwer, sich ohne Klopapier sauberzumachen. In der westlichen Welt muss man vor allem eine mentale und kulturelle Barriere überwinden. Aber glaubt mir, auf der anderen Seite erwartet euch ein wohlig sauberes Hinterteil.

Je nach Wasserquelle hat man mehrere Reinigungsmöglichkeiten. In Japan gibt es zum Beispiel Toiletten, die ganz automatisch von unten einen Wasserstrahl hochschießen. In vielen Teilen Europas nutzen die Leute Bidets. In Thailand ist neben fast jeder Toilette eine sogenannte "Bum Gun" – also ein Wasserschlauch mit handbetätigtem Sprühkopf – installiert. Und in vielen anderen Ländern steht neben den Klos irgendein Behältnis mit Wasser und einer Schöpfkelle.

Wasser, Seife und eine Hand, mehr braucht es nicht

Was all diese verschiedenen Techniken gemeinsam haben: Du bringst Wasser zu deinem Po-Loch. Dafür ist eigentlich keine spezielle Vorrichtung nötig. Klar, ein Bidet erleichtert den Vorgang, aber die Schöpfkelle tut es auch: Einfach etwas Wasser knapp über der Ritze abgießen, es wird dann ganz natürlich zur richtigen Stelle geleitet.

Wenn das Wasser seinen Weg gefunden hat, fängst du an, deinen schmutzigen Anus mit der Hand zu säubern. Je nachdem, was du gegessen hast, musst du dafür etwas mehr Zeit und Wasser einplanen. Mit etwas Übung geht das Ganze jedoch sehr schnell und ist sehr effizient. In Italien geben die Leute etwas Seife auf die Hand, bevor sie anfangen zu schrubben.

Wenn du dir den Luxus gönnen willst, kannst du noch mit etwas Klopapier nachwischen, um sicherzugehen, dass wirklich alles sauber ist. Das ist aber eigentlich nicht nötig. Wenn du nach einem großen Geschäft mit der Hand zu Gange warst oder nach einem kleinen Geschäft kurz drübergespült hast, dann passt das. Und falls doch ein paar Wassertropfen hängengeblieben sind, schüttelst du einfach kurz dein Hinterteil, der Rest wird auch verschwinden. Versprochen.

Danach wäscht du dir natürlich noch mit Seife deine Hände. Wenn du das 30 Sekunden lang tust, die Seife dabei ordentlich auf den Fingerspitzen, zwischen den Fingern und auf dem Handrücken verteilst und alles unter fließendem Wasser wieder abspülst, haben Bakterien keine Chance.

Klar, daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die ganze Welt von heute auf morgen die Hintern-Putzroutine umstellt. Aber wenn du den Dreh erstmal raus hast, wirst du dich fragen, wie du all die Jahre mit trockenem Klopapier auskommen konntest. Du wirst dein neues Leben genießen. Zumindest, bis uns die Seife ausgeht.

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