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Hangover News, 31. Oktober

Die Bundesregierung widmet sich jetzt selbst den Horrorclowns, Lutz Bachmann wird von Teneriffa vertrieben und die ARD hat einen Blackfacing-Skandal – die Hangover News

von Berivan Kilic
31 Oktober 2016, 7:06am

Süßes oder Saures? Es ist Halloween und überall auf der Welt treiben Geister und Hexen ihr Unwesen. In Deutschland sind es die Horrorclowns. Wenn heute Abend die Leute also losziehen und an Türen klingeln, ist das Kostüm des Horrorclowns vermutlich die dümmste aller möglichen Alternativen. Zumindest, wenn man ohne Handschellen und an einem Stück wieder nach Hause zurückkommen möchte. Willkommen bei den Hangover News.

Innenminister Thomas De Maizière sagt Horror-Clowns den Kampf an

Das ist nicht Thomas de Maizière, sondern ein Horrorclown | Foto: imago | Zuma Press

Da Deutschland wegen der maskierten Clowns, bewaffnet mit Messern, Baseballschlägern, Pistolen und sogar Kettensägen, ziemlich durchdreht, schaltet sich jetzt Bundesinnenminister Thomas De Maizière persönlich ein: "Man muss solche Entwicklungen möglichst früh bekämpfen und den Tätern hart und mit null Toleranz entgegentreten. Sonst fühlen sich Nachahmer möglicherweise noch ermutigt", so der CDU-Politiker gegenüber der Freien Presse.

Der Innenminister fordert Betroffene nun auf, Strafanzeige gegen die Täter zu stellen. Mindestens 370 Meldungen zu den Horror-Clowns gingen laut dpa bei der Polizei im Oktober ein. Auch Kaufhäuser haben auf die Attacken der Horror-Clowns reagiert. Kurz vor Halloween nahmen Kaufhof und Karstadt die Clownsmasken aus ihrem Sortiment. Bleibt nur die Frage, wann endlich die Donald-Trump-Masken aus den Läden verbannt werden. Die machen uns nämlich mindestens genauso viel Angst.

Teneriffa erklärt Lutz Bachmann zur "unerwünschten Person"

Foto: flickr | Metropolico.org | CC BY SA 2.0

Die Kanareninsel Teneriffa hat (verständlicherweise) keine Lust auf den fremdenfeindlichen PEGIDA-Mitbegründer Lutz Bachmann, der seit einiger Zeit auf der Insel lebt. Nachdem er bereits aus seiner Wohnung vertrieben wurde, erklärte nun das Regionalparlament den 43-Jährigen zur "persona non grata".

Besonders der linken Partei Podemos war der im September zugezogene Inselbewohner Bachmann ein Dorn im Auge. Die Zeitung La Opinión de Tenerife zitierte Freitagabend Podemos-Sprecher Fernando Sabaté: "Diese Erklärung soll wie eine Impfung wirken, denn diese Person ist wie ein Virus." Und er forderte: "Bitte: Nie wieder Rassismus und Faschismus!" Auch der kanarische Koordinator der Kommission für Flüchtlingshilfe (CEAR) erklärte bereits gegenüber der Zeitung, dass Bachmann auf Teneriffa nicht willkommen sei.

Ob die Entscheidung des Parlaments konkrete Folgen für Bachmann hat, war zunächst unklar. Der sozialistische Abgeordnete Miguel Angel Pérez erklärte, es sei eine moralische Pflicht, den Aufenthalt eines Rassisten und Fremdenfeindes zu verurteilen. Inwiefern Bachmann selbst plant, als Migrant auf der Sonneninsel von dort aus die vermeintliche Migrationswelle in Deutschland zu stoppen, hat er bisher nicht erklärt.

Bob Dylan äußert sich endlich zum Literatur-Nobelpreis


Warum ruft er nicht zurück? Die Frage kann einen wahnsinnig machen, an den Rand der Verzweiflung treiben. Das Nobelpreiskomitee weiß, wovon die Rede ist. US-Musiker Bob Dylan hat wochenlang nicht auf die Anrufe des Komitees reagiert und zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises geschwiegen. Bis jetzt.

Dylan ist in der 115-jährigen Geschichte des Nobelpreises der erste Musiker, der im Bereich Literatur ausgezeichnet wird. Die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, nennt Dylan einen "großartigen Dichter", der den "Status einer Ikone" hat. Jetzt ist klar: Bob Dylan will den Preis auch haben. Das gab das Nobelpreiskomitee in einer Presseerklärung am Freitagabend bekannt.

"Ob ich den Preis annehme? Selbstverständlich", so zitiert das Komitee den Musiker. "Nach Möglichkeit" will Dylan am 10. Dezember nach Stockholm reisen und den Preis persönlich entgegennehmen. Warum der Musiker die Anrufe des Komitees so lange ignoriert hat, wollte er aber nicht verraten. "Nun, hier bin ich", so Dylan. Ein Statement? Wozu denn auch? Mehr Rockstar-Attitüde geht nicht.

Guido Cantz tritt als Mann aus Südafrika auf. Und es ist rassistisch.

Moderator Guido Cantz | Foto: imago | Spöttel Picture

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. In diesem Fall aber nicht. Für einen politisch unkorrekten Scherz erntete Guido Cantz heftige Kritik. Und das zu Recht. Für die ARD-Sendung Verstehen Sie Spaß...? verkleidete sich der Moderator als "Südafrikaner", in rassistischer Blackfacing-Tradition mit brauner Schminke im Gesicht und unnatürlich dicken Lippen.

Um den Schweizer Fernsehmoderator Röbi Koller in seiner Sendung Happy Day hereinlegen zu können, spielte Cantz, geschminkt als "Afrikaner" den angeblichen Vater eines Studiogasts in Kollers Sendung. Die Frau war eine eingeweihte Schauspielerin und hatte vorgegeben, ihren Vater nicht zu kennen. Allerdings hatte Koller mit einem völlig anders aussehenden Vater gerechnet, nämlich mit einem weißen Mann. Cantz als Dunkelhäutiger brachte den Schweizer Moderator aus dem Konzept. Ein Streich, der nach hinten losging.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland forderte bereits am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme, auf die Ausstrahlung des Sketches zu verzichten. Mit dem vermeintlichen Streich "werden rassistische Traditionen und rassistische Bilder von als dümmlich dargestellten Afrikaner_innen aufgerufen und reproduziert", so die Initiative in ihrem Statement. Bei einem Streich, der sich an so vielen rassistischen Klischees bedient, kann man keinen Spaß verstehen.

Trotzdem hat der Moderator den Sketch während der Live-Sendung gerechtfertigt: "Ich hoffe, alle, die den Film jetzt gesehen haben, denen ist klar geworden, dass diese Rolle in keinster Weise rassistisch angelegt ist und war. Und wenn sich jemand durch diesen Film verletzt gefühlt hat oder verletzt fühlt, dann bedauern wir das natürlich sehr", so Cantz.

Erdoğan will Parlament über Todesstrafe abstimmen lassen


Seit dem gescheiterten Militärputsch am 15. Juli hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan mehrfach die Todesstrafe für die Putschisten gefordert. In einer Ansprache am "Tag der Republik", am vergangenen Samstag, verkündete Erdoğan, das Parlament über die Wiedereinführung der Todesstrafe entscheiden zu lassen. "Ich bin überzeugt, dass die Abgeordneten für die Todesstrafe stimmen werden. Und ich werde sie ratifizieren", so der Staatschef.

Laut eines Berichts von Amnesty International wurden im Jahr 2015 weltweit insgesamt 1634 Menschen in 25 Staaten hingerichtet. Im Vergleich zum Jahr davor hat sich die Zahl verdoppelt.