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Der Twitter-Gott und politische Gefangene Ai Weiwei

Schon seit Jahrzehnten nimmt es Ai Weiwei mit dem chinesischen Staat auf. Gestern wurde er von den Behörden am Flughafen in Peking auf dem Weg nach Hongkong verhaftet, und seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört.
05 April 2011, 5:18pm

Schon seit Jahrzehnten nimmt es Ai Weiwei mit dem chinesischen Staat auf. Gestern wurde er von den Behörden am Flughafen in Peking auf dem Weg nach Hongkong verhaftet, und seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört.

Seinem Twitter Account (Englisch) zufolge, war die Polizei bereits letzte Woche in seinem Studio, um es zu durchsuchen. Gestern kamen sie dann nochmal mit einem Durchsuchungsbefehl, verhörten und verhafteten eine Reihe seiner vielen chinesischen und internationalen Mitarbeiter, und kappten in seiner Nachbarschaft das Internet. Viele Computer und Festplatten wurden beschlagnahmt, genau wie jede Menge Videomaterial und andere Sachen, mit denen Wai seine Kunstwerke (das Jüngste besteht aus einer Million handbemalter Sonnenblumenkerne aus Porzellan , und man kann es in der Turbinenhalle der Tate Gallery of Modern Art bewundern) und seine kafkaesken Erfahrungen aus seinem Kampf für mehr Gerechtigkeit in China dokumentiert (z.B. die Dokumentation über die Tage in Chengdu, als er von der Polizei geschlagen wurde und vier Stunden damit verbrachte, Beschwerdeformulare auf der Polizeistation auszufüllen).

Nachdem letzten Monat Aufrufe zu einem Aufstand in China im Stil der 'Jasmin-Revolution' auf einer in den USA ansässigen Homepage auftauchten, haben die chinesischen Behörden den Druck und die Überwachung von Dissidenten und Menschenrechtsanwälten verstärkt. Mit seiner Bekanntheit innerhalb der chinesischen Gesellschaft und im Ausland, ist Ai zum einem der wohl wichtigsten lebenden chinesischen Künstlern geworden und momentan ist er der bedeutendste Gefangene der chinesischen Regierung. An diesem Punkt kann einen dann wohl gar nichts mehr vor der kommunistischen Partei schützen, besonders, wenn du 70.000 Follower bei Twitter hast und Regimekritik in der Luft liegt.

"Wir wissen nicht wo er ist", sagt ein Assistent von Ai der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir hoffen, dass er so bald wie möglich freikommen kann."

Hier ist ein 18 Minuten langer Teaser von Alison Klaymans Dokumentation Ai Weiwei: Never Sorry, der letzte Woche auch im Fernsehen lief:

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