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Das Tiersterben um Kiewer Zoo

Kennt ihr den schon? Treffen sich ein Elefant und ein Kamel, sagt der Elefant zum Kamel
4.8.10

Kennt ihr den schon? Treffen sich ein Elefant und ein Kamel, sagt der Elefant zum Kamel: "Warum hast du deine Titten auf dem Rücken?" Darauf das Kamel: "Wenn ich meinen Pimmel mitten im Gesicht hätte, würde ich die Klappe halten." Nun sind die Beiden tot.

So wie ihre pelzigen und gefiederten Freunde - ein Zebrapferd, ein Amurtiger, ein ussurischer Bär, ein Bison, ein Büffel, ein Gürteltier und diverse Wasservögel. Nein, es war kein geplanter Suizid, wie in einer Sekte, damit sie endlich in das Tiernirvana mit seinen saftigen Wiesen und Fleischbergen gelangen. Auch kein Versuch sich des Lebens zu entledigen, um schlechten Witzen zu entkommen.

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Alle Tiere starben in Monatsabständen - Eines nach dem Anderen. Und eher sich die Tierwärter umgesehen hatten, standen die vollgepissten Käfige schon leer. Beim Elefanten wurde zuerst ein Schlaganfall, dann ein Herzinfarkt vermutet. Bis ein Verdacht auf artungerechte Haltung, vor allem im Winter, für ein geschwächtes Immunsystem und ein plötzliches Ableben des Dickhäuters Schlagzeilen machte.

Nach der Obduktion und genauer Expertise der Elefantenleiche gilt Vergiftung als offizielle Todesursache. Das gleiche gilt für das Kamel, Bison und Co. Als Täter werden tierfeindliche Psychopaten verantwortlich gemacht, die es geschafft haben, selbst einem Elefanten die richtige Dosis eines Blutgerinnungssmittels zu verabreichen. Die Täterbeschreibung liefert zugleich ein Motiv, also Tierhass. Wogegen die inoffiziellen Erklärungen, gerade für die Ukrainischen Verhältnisse viel glaubwürdiger sind. Denn die Ukrainer sind ein pragmatisches Volk, das übrigens gerne in den Zoo geht.

Also habe ich recherchiert und folgende Vermutungen über den rätselhaften und tragischen Tod unserer kleinen Brüder notiert:

Money Money vs. Tierliebe

Stehen sich Pragmatik und Tierliebe im Weg, so wie bei der 34 Hektar großen Zoofläche mitten in Kiew und den darin lebenden verlausten Kamelen, sucht der Ukrainer nach einer optimalen Problemlösung. In diesem Fall könnte eine Giftspritze dafür sorgen, damit dort, wo der Bison seinen Hintern am Zaun gekratzt hat, bald eine Einkaufspassage samt Kino und Fressbuden entstehen kann. Der Gewinn aus diesem Unterfangen würde dann die Taschengeldkasse der Investorentochter aufpolieren. Wie gesagt, Kleinvieh macht auch Mist. Damit wären wir auch schon bei der nächsten Vermutung.

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Hunger vs. Tierliebe

Die Ukrainischen Tierpfleger werden chronisch unterbezahlt. Es ging sogar ein Gerücht um, dass die Tierkadaver von Ziegen und Co. auf der Pfanne und anschließend im Tierwärtermagen ihre letzte Ruhe fanden. Mit einem Elefanten stelle ich mir das schwierig vor. Jedoch bleibt die Annahme zum Verdacht nicht unbegründet, wenn man hört, dass die armen Kreaturen am Rand des Existenzminimums gehalten wurden. Ich meine jetzt die Tierwerter. Und die Tiere sowieso.

Krumme Geschäfte vs. Tierliebe

Angeblich wurden im Kiewer Zoo dubiose Geschäfte abgehalten. Aber darüber wird nur wenig berichtet. Stattdessen lässt sich überall nachlesen, dass die Direktorin ihren Zoo, der übrigens zu den tierunfreundlichsten Zoos in Europa zählt, ordentlich von „kriminellen Energien“ und untreuen Mitarbeitern ausmisten ließ. Angeblich folgten kurz darauf die Ersten Drohbriefe und noch im selben Monat starb das erste Opfer-ein Braunbär. Seit dem wird am Ende jeden Monats ein totes Tier gemeldet.

Die ganze Geschichte ist schrecklich, traurig und undurchsichtig. In jedem anderen Land würden schon längst die Köpfe rollen. In Kiew zeigte erst nach dem Todesfall des Elefanten der Bürgermeister Leonid Chernovetzky sein Bestürzen. Erst vor kurzem wurde die Zoodirektorin ihres Amtes enthoben.

Als ich heute diesen Fall recherchierte habe, bin ich auf eine neue Pressemitteilung gestoßen. Nun heißt es, dass die Tiere an "Altersschwäche und fehlenden Impfungen" gestorben sind. Und wer es glaubt, der kommt später in den Himmel. Tierhimmel, falls es so einen gibt: zum Kamel, Elefant, Zebra, Tiger, Bär, Gürteltier, Büffel, Wasservogel und Bison.