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Reisen

Grüße aus Kabul

Dingdong, der Bruder des Präsidenten ist tot. Ihr wisst das bestimmt schon, aber wir haben vor euch von Ahmed Wali Karzais Tod gehört.
14 Juli 2011, 12:37pm

Dingdong, der Bruder des Präsidenten ist tot. Ihr wisst das bestimmt schon, aber wir haben vor euch von Ahmed Wali Karzais Tod gehört.

In Kabul kann man auf drei Arten herausfinden, was los ist: durch Information, mit Intelligenz und durch die Nachrichten. Die Nachrichten sind jedoch ist am ungenausten. Neun von Zehn mal weiß dein Taxifahrer mehr als die BBC.

Den gestrigen Tag haben wir mit der Kabuler Polizei verbracht. Das sind die Typen, die nach Stacheldraht, verstärkten Betonwänden und Bremsschwellen zwischen den Taliban und ihren Zielen stehen. Sie machen gute Arbeit. Über 100 afghanische Polizisten kommen jedoch dabei jeden Monat ums Leben.

Wir saßen gerade mit dem Polizeichef Farooq beim morgendlichen Tee, als er einen Anruf bekam, dass der Halbbruder des Präsidenten Karzai erschossen worden sei. Polizeichef Farooq ist einer der mächtigsten Männer in Kabul. Er muss in dieser Stadt für nichts bezahlen. Wenn seine Zigarette bis auf den Filter runtergebrannt ist, kommt jemand angelaufen und drückt sie für ihn aus. Das hat er uns gesagt: Während Ahmed Karzai mit Stammesführern der kandaharischen Provinz einen Rat abhielt, sagte ihm sein Leibwächter, Sardar Mohammad, dass er für ein Gespräch unter vier Augen kurz rauskommen sollte. Sie gingen in einen anderen Raum und der Leibwächter schoß zwei mal auf ihn. Dann drängten sich die anderen Bodyguards in das Zimmer und holten Sardar raus.

Ich frage mich, was die Stammesführer und die Leibwächter als nächstes machten. Es muss jedoch ziemlich unangenehm gewesen sein.

Kandahar ist seitdem komplett abgesperrt. Sobald die Nachricht über Anschlag durchgesickert war, machten Läden, Geschäfte und Schulen dicht und alle gingen heim, um abzuwarten was als nächstes passieren würde. Niemand ist davon überzeugt, dass es schon vorbei ist. Auch wenn scheinbar einige wütende Karzai-Anhänger die Nerven hatten, rauszugehen und den Kreisverkehr im Stadtzentrum mit Sardas Überresten zu dekorieren.

Hochzeiten in Afghanistan sind eine gefährliche Sache. Die Möglichkeiten, die sie bieten, irgendwelche familiären Streitigkeiten aufzuwärmen sind zu groß, um zu widerstehen. Blumensträuße sind da nicht das Einzige, was in die Menge geworfen wird. Aber Beerdigungen sind ähnlich gefährlich. Laut unserem Mittelsmann haben sie Karzais Halbbruder nur um die Ecke gebracht, um an den Präsidenten ranzukommen. Die Beisetzung findet heute statt und Karzai wird dabei sein. Trotz seiner ausländischen (sprich: weniger bestechlichen) Sicherheitstruppe, werden die Taliban auf alle Fälle versuchen ihn anzugreifen.

Karzai ist nicht bei jedem beliebt, aber wenigstens gibt er den Afghanen den Eindruck, dass sie selbst in ihrem eigenem Land das Sagen haben. Wenn er gehen müsste, dann säße jedes Bleichgesicht der Stadt in der Abflughalle und die Taliban würden sich ihre Bärte kämmen, während sie einfach nur darauf warten, dass sie wieder an die Macht kommen.