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Dieser Typ heilt Krebs

Seit 30 Jahren heilt Stanislaw Burzynski Leute von ihrem Krebsleiden. Überraschenderweise ist er kein vollkommen übergeschnappter Betrüger, der im Dschungel Menschen mit seinem Penis heilt, sonder ein angesehener Arzt mit eigener Klinik.

von Chris O`Neill
18 Mai 2011, 1:40pm

Diese Woche waren einige Wissenschaftler ganz eingeschnappt, weil sie meinen ein Mittel gegen Krebs gefunden zu haben und niemand interressiert sich einen feuchten Dreck dafür. Leider ist das nichts Neues.

Seit 30 Jahren heilt ein Typ namens Stanislaw Burzynski regelmässig Leute von ihrem Krebsleiden. Und überraschenderweise ist Burzynski kein vollkommen übergeschnappter Betrüger, der im Dschungel Menschen mit seinem Penis heilt, sondern ein angesehener Arzt, der seine eigene Klinik in Texas leitet.

Seine Methoden, lassen zum Beispiel Strahlentherapie, bei der du so lange bestrahlt wirst bist du stirbst, so antiquiert wirken wie Elektroschocks oder Aderlass. Und offzielle Studien beweisen, dass seine Behandlungsmethoden 3.000 Mal erfolgsversprechender sind als Chemotherapie. Trotzdem werden ihm jede Menge Steine in den Weg gelegt, seine Entdeckung der „Antineoplastonen“, einer neuen Therapie, die den Körper nicht schädigt der Welt mitzuteilen.

Da er seine Methode nicht an eines der dominierenden Pharmakonglomerate verkauft hat, bekommt er weder staatliche noch private Zuschüsse, da er stattdessen ständig vor Gericht gezogen wird und dies immer ohne Erfolg.

Leider konnte ich Stanislaw Burzynski nicht erreichen, also sprach ich mit Eric Mezola, der kürzlich den Film Burzynski: The Movie gedreht hat. Eine Dokumentation über diejenigen, die die Markteinführung von Burzynskis Medikament bekämpfen. Aber ich werde weiterhin versuchen den Typen persönlich zu erreichen.

VICE: Hallo Eric, erklär mal, was an Burzynskis Methode so beachtenswert ist?

Eric Merola: Eigentlich ist seine Behandlungsmethode alles andere als unorthodox. Seine Klinik ist wie jede andere auch, es gibt Ärzte, Onkologen... Und sie wenden dieselben Verfahren an, die auch alle anderen benutzen. Nur ist sein Medikament einzigartig und gibt es so nirgends auf dem Markt.

Er ist der erste Wissenschaftler in der modernen Welt, der eine eigenständige Entdeckung hat patentieren und sie durch die klinischen Tests gebracht hat und das ohne die Unterstützung der PhRMA, die die Pharmaindustrie in Amerika vertritt.

Warum werden ihm also Steine in den Weg gelegt?

Das ist eine lange Geschichte. Seine ersten Patienten behandelte er bereits 1977 mit diesem Mittel, als er noch Gelder vom nationalen Krebsforschungszentrum erhielt. Die Firma bei der er angestellt war, wollte es also an einen großen Pharmakonzern verkaufen, wie es üblich ist, doch er fürchtete am Ende nur noch der Typ zu sein, der das Medikament erfunden hat und keinerlei Kontrolle mehr darüber hätte.

Jeder weiss, dass die Pharmaindustrie hassenswert ist, aber verhindern sie wirklich, dass ein Mittel gegen Krebs auf den Markt kommt?

1992 wurden die engen Verflechtungen zwischen PhRMA und der Aufsichtsbehörde FDA deutlich, als die PhRMA im Kongress Lobbyarbeit betrieb, um eine Versteuerung des Zulassungsprozesses für Medikamente durchzudrücken, unter dem Vorwand ihn dadurch zu beschleunigen.

Die PhRMA hat also im Grunde darum gebettelt zur Kasse gebeten zu werden? Wieso um alles in der Welt? Ja, sie bezahlen 1,4 Millionen Dollar Steuern für jedes Medikament, das sie für den Zulassungsprozess einreichen. Die Zulassungsbehörde steht nun also auf der Gehaltsliste, der Leute die sie kontrollieren sollen. Ich versuche im Film nicht mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, aber wenn du mich nach meiner persönlichen Meinung fragst, dann gibt die PhRMA der Behörde Geld, um den Prozess bei einigen Medikamenten zu beschleunigen und ihn bei anderen Medikamenten zu verlangsamen.

Scheint so.

Als nun Burzynski ankam, kann man sich leicht die Manager der PhRMA vorstellen, wie sie die Hände über den Kopf zusammenschlugen und dachten: „Grundgütiger, erstmal besitzen wir dieses Medikament nicht und sollte es zugelassen werden, würde dieser eine Mann einen riesigen Teil des Marktes für Krebsbehandlung abgreifen...“

Ja, das kann ich mir vorstellen. Meine erste Reaktion als ich das hörte war aber, dass das alles Quatsch sei. Wenn die Geschichte wahr wäre, dann würden wir davon irgendwas mitbekommen haben und irgendjemand würde ordentlich Kohle mit dieser Krebstherapie verdienen.

Ja, das sehe ich genauso. Es macht ja auch Sinn. Im Film zeigen wir, dass eine italienische und eine japanische Firma sehr interessiert daran waren mit ihm bereits sehr früh zusammenzuarbeiten. Das war zu einer Zeit in der die Zulassungsbehörde seine Büros durchsuchte und es einiges Spannungen zwischen Burzynski und der Behörde gab. Ich sah die Vertragsentwürfe und später die Absagen dieser Firmen, die besagten, dass sich die Zulassungsbehörde querstellen würde und sie deshalb keine Zeit damit verschwenden würden.

Es erweckt den Anschein, als gebe es eine Absprache zwischen der PhRMA und der Behörde. Als ob sie das Geschäft mit der Chemotherapie künstlich am Laufen halten wollen würden, da sie damit mehr Geld verdienen.

Hast du den Film Who Killed The Electric Car? gesehen? Er handelt davon wie elektrische Autos von den Straßen gedrängt wurden, einigen Leuten die Leasingverträge gekündigt wurden und einige Autos sogar in Müllhalden entsorgt wurden bevor sie überhaupt verkauft werden konnten. Es ist faszinierend. Meiner Ansicht nach ist das nur ein weiteres Beispiel dafür, wie eine Industrie versucht sich selbst zu erhalten. Viele sind der Ansicht, dass die Pharmaindustrie immun gegen solche Tricks wäre, da es um die Leben von Menschen geht, doch am Ende des Tages ist es eine Industrie wie jede andere auch.

Hattest du Schwierigkeiten deinen Film zu zeigen?

Definitiv. Ich drehte meine Runden auf Filmfestivals in der Hoffnung jemanden zu finden, der mir helfen könnte. Alle bis auf MSNBC, einem großen Sender mit hohen Werbeeinnahmen, lehnten den Film ab. Sie wollten eine einstündige Fassung des Films im Fernsehen zeigen. Aber es ging für beinahe ein Jahr hin und her bis sie schließlich meinten, dass sie ihn doch nicht zeigen wollen würden. Ich vergesse niemals diesen Satz den sie wirklich zu mir sagten: „Das ist der größte Mittelfinger, den wir unseren Pharma-Werbekunden zeigen könnten.“ Haha!

Wurden die Patienten, die du für den Film getroffen hast irgendwie eingeschüchtert nicht zu Burzynski zu gehen?

Ja, etwas das mir auffiel war ihr ständiger Kampf gegen das Stigma bei Burzynski in Behandlung zu sein. Jeder erzählt ihnen, dass sie verrückt sein müssten diesem Quacksalber zu vertrauen.

Ärzte empfehlen Burzynski also nicht weiter?

Man muss sich bewusst machen, dass jede Krebsdiagnose Einnahmen in der Größenordnung von 200 bis 300.000 Dollar einbringt. Wenn sich ein Patient also an Burzynski wendet, dann sind diese Einnahmen verloren. Das ist ein riesiges Problem.

Aber ist es wirklich das Wunderheilmittel, wegen dem wir endlich wieder mit dem Rauchen anfangen können?

Selbst Burzynski gibt zu, dass es kein Wunderheilmittel ist. Aber es ist wichtig, dass jeder Krebspatient nicht blind seinem Arzt vertraut. Dahinter steht eine Industrie mit Interessen wie jede andere auch. Ärzte sind ja keine schlechten Menschen deswegen, aber in Bezug auf Krebs gibt es große Wissensunterschiede. Es gibt da draußen viele Typen mit überholten Wissen über die Krankheit. Mein Ratschlag wäre sich einen jüngeren Arzt zu suchen

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