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Das iranische Wurstembargo

Die Nürnberger Bratwurst steht derzeit im Zentrum einer weltpolitischen Krise.
1.3.12

Die Nürnberger Bratwurst steht derzeit im Zentrum einer weltpolitischen Krise. Sie könnte teurer werden, weil sich der Preis für eine ihrer wichtigsten Zutaten verdreifacht hat: der iranische Schafdarm. In diesen pressen deutsche Metzger am liebsten die fette Fleischmasse, bevor sie auf dem Grill landet. Die Aufregung ist groß, Fleischer und Bratwurstfans sind alarmiert. Die deutsche Presse berichtet gegenwärtig ausführlich über die Verteuerung des Schafdarms und hat damit zweifellos die Brisanz des Themas erkannt. Im Namen der Bratwurstfans muss der Sache nachgegangen werden. Was könnte den Preisanstieg verursacht haben? Ein drohendes Handelsembargo? Sanktionen? Die Urananreicherung? Ahmadinedschad?
Bei der iranischen Botschaft in Berlin sind die Informationen jedoch eher vage: Vice: Hallo, ich bin ein großer Fan der Nürnberger Rostbratwürste und mache mir Sorgen um die Preisentwicklung. Ich habe gelesen, dass es zu Preissteigerungen der Würste kommen wird, weil der Preis für Schafdarm aus dem Iran stark gestiegen ist.
Iranische Botschaft: Weswegen rufen Sie an? Wegen des Preisanstiegs der iranischen Schafdärme—ein Hauptbestandteil der Rostbratwurst. Wie kommt es dazu? Was ist da los?
Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen. Das ist doch ein Produkt aus Ihrem Land und hierzulande wird in jeder Zeitung über den Preisanstieg der iranischen Schafdärme berichtet.
Ich habe keine Ahnung. Ich bin einfach nur Telefonist. Ich weiß über gar nichts Bescheid. Dann stellen Sie mich doch bitte durch. Ich bin wirklich besorgt wegen der Bratwürste.
Ich kann Sie nicht durchstellen, wir wissen hier alle gar nichts darüber. Niemand kann Ihre Frage beantworten. Haben Sie nicht irgendeine Erklärung für den Preisanstieg? Vielleicht hat es mit dem drohenden Handelsembargo zu tun?
Es kann sein, dass weniger Schafe geschlachtet werden, es kann sein, dass es politisch ist, es kann sein, dass der Export zu teuer ist. Es kann sein, dass die LKW-Fahrer nicht nach Deutschland kommen. Kann alles sein. Mehr sage ich nicht. Na gut. Danke. Dann eben nicht. Experten für das Thema gibt es in Deutschland genug: Nürnberger Metzger, das Deutsche Bratwurstmuseum oder der sagenhafte Zentralverband Naturdarm zum Beispiel. Alle haben eine Theorie für den Preisanstieg der Schafdärme. Weltweit gibt es eine gestiegene Nachfrage nach dem Produkt, während gleichzeitig die Schlachtungen zurückgehen. Auch Börsenspekulationen werden als Grund genannt.

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Zum anderen ist die politisch angespannte Lage zwischen Iran und dem Westen ein maßgeblicher Faktor für Preiserhöhungen. Ein Experte aus Teheran erklärt außerdem, dass iranische Händler derzeit massive Probleme haben, Geld für ihre Handelsprodukte zu transferieren. Nicht nur die europäische Sanktionspolitik, sondern vor allem bankinterne Sanktionen gegen den Iran machen den Handel schwierig. Laut EU-Gesetzen ist es verboten, dass bestimmte Waren, wie beispielsweise Nukleartechnik und Waffentechnik, geliefert werden oder Geld dafür transferiert wird. Schafdärme fallen nicht darunter.

Aber manche Banken verweigern generell die Zahlungen an iranische Händler, egal um was es geht. Leider merkt das iranische Regime nichts von solchen Sanktionen. Mit dem Ölexport werden weiterhin Milliarden in die Kassen der Regierung gespült. Anfeindungen mit Israel, der Ausbau von Atomtechnik und Kriegsdrohungen machen die Finanzmärkte nervös und verursachen einen generelle Anstieg der Rohstoffpreise. Wen das am härtesten trifft, ist klar. Die deutschen Grillfreunde nicht. Denn bisher ist der Preis des Endproduktes noch nicht mal gestiegen. Aber wir sind jedenfalls gewarnt.