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Musik

Pete Doherty malt mit dem Blut von Amy Winehouse

Endlich hat jemand einen Weg gefunden, gleichzeitig an einem Abend Kultur und Hepatitis A bis Z zu präsentieren.

von Sasha Hecht
02 März 2012, 3:10pm

Erschüttert vom Tod seiner Ex-Flamme Amy Winehouse entschied sich Babyshambles-Frontmann Pete Doherty, aufgedunsen und abgefeiert etwas Zeit abseits des Rampenlichts zu verbringen, um in seinem sonst so schnelllebigem Leben wieder einen Sinn für die Normalität zu entwickeln. Natürlich in seiner typisch dohertyesquen Art. Das beutetet: Er hat ein paar Kunstwerke aus seinem eigenen Blut gemalt und präsentiert diese nun in einer Galerie.

Die Londoner Cob Gallery zeigt in der Ausstellung On Blood: A Portrait of the Artist ein Duzend blutverschmierte Originalarbeiten von Doherty sowie ein paar Kunstwerke, die Pete 2009 für sein Soloalbum Grace/Wastelands angefertigt hat. Der Keller der Galerie ist wie ein lebendiges Museum über Petes Privatleben ausgestattet. Laut Reuters werden verschiedene Gebrauchsgegenstände aus Dohertys ehemaligen Wohnsitz in Wiltshire präsentiert: „eine Kollektion aus alten Schreibmaschinen, Kameras, Gitarren, Tabakboxen, Kreuzen, Rosenkränzen, Schädeln, kleinen Elefanten, roten Libertines-Armeejacken, ein ausgestopfter Schwan, zwei Raben und ein Haufen Platten, von der Jazzlegende Charlie Parker bis zum Soundtrack des James Bond Films Dr. No.“

In anderen Worten, es sieht aus wie eine riesige Messieausstellung, da fehlen nur noch ein paar verweste Katzen.

Man fragt sich, wie Pete eigentlich das Blut aus seinen Venen auf die Leinwand bekommt. Die Antwort heißt: „arterial splatter“ eine Technik, basierend auf Spritzen, erfunden vom Künstler. Dabei malt er sein Blut mit Hilfe einer Spritze auf das Werk. Es überrascht nicht, denn Doherty ist ja bekanntlich geübt mit Nadeln.

Der nächste Schritt in diesem Schaffungsprozess? Er verschönert jeden einzigen Blutspritzer mit Kollagen, Songtexten und Gedichten. Meistens mit seinen eigenen, aber auch mit Kollaborationen wie „Leet Strife“, ein Stück, das er zusammen mit der Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg geschrieben hat.

Noch etwas. Das hier:

Ein Werk, auf dem mit dem Blut von Amy Winehouse das Wort „ladylike“ geschmiert steht, wurde von der Sängerin selbst produziert.

Ein echter „Dorothy“ kostet zwischen 4500 und 8000 britische Pfund (das sind zwischen 5400 und 9600 Euro). Das klingt nach einen übertriebenen Preis für medizinischen Sondermüll, aber für Hardcorefans (und Dexter Morgan) ist das die unbezahlbare Chance, buchstäblich einen Teil ihres Lieblingskünstlers zu besitzen. Wem das zu happig ist, für den gibt noch limitierte Drucke für 500 Pfund (600 Euro) und Poster, die semi-zumutbar sind, jedoch trotzdem unangemessene 75 Pfund (90€) kosten. Aber das kann natürlich trotzdem eine tolle Investition sein, wenn man sich eine perfekte Unterhaltung so vorstellt: „Das ist ein Poster von einem Druck von einem Gemälde von einem abgefuckten Engländer, das er mit seinen von Krankheiten verseuchten Körperflüssigkeiten gemalt hat.“

Während manche diese Ausstellung grausig, düster oder einfach nur langweilig makaber finden, erklärt die Co-Kuratorin von On Bloods, Rachel Chudley, dass die blutige Schau vor allem eine Ode an das Leben ist. Und das soll mit dem am meisten für das Leben stehende Medium (Blut) gezeigt werden:

„Wenn wir die Kunstgeschichte betrachten, dann sehen wir, dass das Thema Leben immer im Zentrum steht. Wir müssen alle einmal sterben, und ein Kunstwerk aus Blut ist eine ständige Mahnung an unsere Sterblichkeit. Es ist ein universelles Medium und ich finde nichts daran blutrünstig.“

Immerhin, zumindest eine.

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