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Sex

Der VICE-Guide für Erstsemester

Falls du Erstsemester-Student bist und noch keinen Plan hast, was dich erwartet, hier ein Guide, den jeder angehende Student beherzigen sollte.

von VICE Staff
27 August 2013, 9:32am

Falls du zu der halben Million Erstsemester-Studenten gehörst, die jedes Jahr im Oktober anfangen zu studieren, und noch keinen Plan hast, was dich erwartet, ist das völlig normal. Deshalb haben wir für dich einen Guide zusammengestellt, den jeder angehende Student beherzigen sollte.

Wenn du dich an unsere Ratschläge hältst, steht deiner erfolgreichen akademischen Laufbahn nichts mehr im Weg. Nie wieder wirst du so viel Freizeit haben wie jetzt. Doch nur Saufen und Feiern geht auch nicht. Der größte Feind des Studenten bleibt sein eigener Geldbeutel, und hin und wieder muss auch mal gelernt werden.

Es ist aber unvermeidlich, dass du dein Studium mit fortschreitendem Semester hassen wirst, also genieße es so lange du kannst. Der Hass wird im Laufe deines Studiums kontinuierlich größer und ist die Antriebsfeder, die dich zum Abschlussarbeit-Schreiben befähigt. Offensichtlich war er auch das vorherrschende Gefühl, während wir diesen Guide verfasst haben und uns an die vielen verschwendeten Jahre mit blödsinnigen Seminaren und dummen Kommilitonen erinnern mussten.

ABSCHLUSSARBEIT

Irgendwann ist es so weit und du stehst vor deiner letzten Hürde. Egal ob Bachelor oder Master, am Beginn deines Studiums hast du dir vorgenommen, dass die Abschlussarbeit richtig gut wird. Das Thema soll eine Bereicherung für die Nachwelt werden, vielleicht sogar finanziert von einem nachhaltigen Konzern. Vergiss es. Wenn du endlich im letzten Semester angekommen bist, hat das System dich gebrochen, und deine letzte Lust am Studieren ist dir redlich vergangen. Nimm ein leichtes Thema und einen handzahmen Betreuer. Wenn du genug Kohle hast, besorg dir jemanden, der die Arbeit für dich schreibt. Aber pass auf, Ghostwriter verabscheuen ihre Kundschaft so tiefgründig, dass sie absichtlich Fehler einbauen, weil sie dich für den „akademischen Bodensatz" halten. Falls du deshalb Skrupel hast, oder überraschenderweise große Lust, mindestens drei weitere Monate deines Lebens zu verplempern, dann viel Spaß.

BAFÖG

Jeder Student hat das Anrecht auf 670 Euro. Sollten deine Eltern sich das nicht leisten können, muss eben Vater Staat einspringen. Wenn du nicht den BAföG-Höchstsatz bekommst oder deine Eltern glauben, du schaffst das auch alleine, obwohl sie in Geld schwimmen—also mehr als 1200 Euro netto pro Person verdienen—kannst du den Rechtsanwalt einschalten. Der hilft dir dann sicherzustellen, dass deine Eltern dein Studium finanzieren. So können Familienfeiern noch unangenehmer werden.

CAMPUS

Mit absoluter Vorfreude und den größten und tollsten Erwartungen betrittst du diesen Ort an deinem ersten Tag an der Uni. Wenn nach den ersten Semestern dann deine Disziplin den Bach runtergeht, wirst du den Campus immer häufiger meiden. Du fängst an, Vorlesungen und Seminare zu schwänzen. Deine Noten werden schlechter, du trittst die erste Klausur im Zweitversuch an und musst Kurse wiederholen. Du bist gefangen in einem Teufelskreis, der dich ewig an diesen Ort bindet.

DÖNER

Weil du dir das Mensaessen bereits nach zwei Wochen nicht mehr geben kannst, wird zwangsläufig der Dönerverkäufer bei dir um die Ecke dein bester Freund. Jeden Abend wartet er dort auf dich und gibt dir alles, was du brauchst—mit allem und scharf.

ERSTSEMESTER

Es kommt der Zeitpunkt im Laufe deines Studiums, wo du in den Spiegel schaust und einen nicht mehr ganz so jungen Menschen vor dir siehst. Während du dir deiner Sterblichkeit bewusst wirst, laufen haufenweise neue, junge Menschen in der Uni herum: motivierte, enthusiastische Weltverbesserer, denen permanent die Sonne aus dem Arsch scheint. Du könntest sie alle erschießen und dir wird bewusst, dass du ganz schnell fertig werden musst.

FACHSCHAFT

Es gibt Studenten, denen bereitet es eine innere Genugtuung und Freude, Erstis zu helfen. Sie opfern ihre Zeit bereitwillig, um dir deinen Stundenplan zu erstellen und sammeln Klausuren der letzten zehn Semester, um sie panischen Studenten zur Verfügung zu stellen. Solltest du jemals ein Problem an der Uni haben, dann geh zu diesen Leuten. Sie werden dir einen warmen Kakao anbieten und dir geduldig zuhören. Dann wirst du dich wie zu Hause bei Muddi fühlen.

GENUSS

Wenn du es an die Uni schaffst, bist du auch im Erwachsenenleben angekommen. Benimm dich also auch gefälligst wie einer. Du darfst jetzt auch Spießer sein. Du wirst es bereuen, wenn du dein ganzes Studium nur lernst. Sei ein Lebemann. Kauf dir also eine Flasche Wein und besauf dich mit Stil. Wir empfehlen Blanc de Noir. Mit so tollen Begriffen kannst du dann auch Eindruck bei deinen Eltern schinden. Wenn dir mal langweilig wird, helfen Altherrenspiele wie Boccia und Kniffel aus. Die Lowbudget-Variante mit Dosenbier und Ablehnung des Establishments ist natürlich auch eine Alternative.

HOCHSCHULPOLITIK

Das Sinnloseste, was dir in deiner Hochschulkarriere begegnen wird. Hier streiten sich perspektivlose Linke und verblendete Konservative darüber, wie studentenfreundlich eine Universität sein sollte. Ändern können die parteinahen Studentengruppen aufgrund der Stimmenverteilung im Hochschulrat sowieso nichts. Somit bleiben sie ein erbärmlicher Jammerhaufen, der die ganze Zeit irgendwelche ineffektiven Protestaktionen organisiert. Bleib dem Ganzen lieber fern.

INTERNET

Es ist die Antwort auf alle deine Gebete, die Lösung jedes Problems. Während deiner Zeit an der Uni wirst du lernen, dass alles schon gesagt wurde. Deine Aufgabe besteht darin, durch geschicktes Zusammenstückeln so zu tun, als hättest du etwas Neues geschaffen. Dabei leistet dir das Internet unsagbare Dienste. Nun darf die Faulheit nicht Überhand nehmen. Alles was du da klaust, musst du leicht modifizieren, damit dir die Dozenten nicht auf die Schliche kommen.

JUGEND

Die ist für dich inoffiziell schon lange vorbei. Offiziell kannst du sie durch das Hinauszögern deines Abschlusses ein wenig verlängern, aber lange zieht das nicht mehr. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung und wenn du dir eingestanden hast, dass du ein alter Versager bist, kannst du auch lernen, ganz erwachsen mit diesem Schicksal umzugehen.

KRISE

Mit genau 21 ist es zum ersten Mal so weit. Die Welt bricht zusammen, du bekommst riesige Angst, wirst fast verrückt, bist am Ende und nur am Heulen. Dein Leben scheint dir ausgelebt und du weißt, dass du alleine sterben wirst. Schon nach ein paar Monaten kommt die Erholung. Die zweite Phase folgt mit 24, oder kurz vor dem Abschluss deines Studiums. Du stellst alles, womit du dich in den letzten Jahren beschäftigt hast, in Frage und dein abgefucktes Studentenleben geht dir nur noch auf die Nerven. Aus dieser Krise kommst du raus, sobald du dich mit deinen arbeitenden Freunden vergleichst.

LEHRAMT

Tu dir selbst einen Gefallen und lass es bleiben. Die Uni ist voll von planlosen Losern, die sich aus reiner Perspektivlosigkeit für ein Lehramtsstudium entschieden haben. Viele von ihnen haben zusätzlich die didaktischen Fähigkeiten eines Backsteins. In den Ferien müssen sie an verschiedenen Schulen Praktika machen und sich von nervigen Teenagern quälen lassen. Lehramtsstudenten sind zudem unter ihren Kommilitonen unbeliebt, weil sie nur einen Bruchteil des Lehrstoffs ihrer Fächer lernen müssen. Sollte es dann mal nicht mit einer festen Stelle an einer Schule klappen, stehst du mit einem halben Studium und oft einer unbrauchbaren Fächerkombination da.

MAMA

Damit sind jetzt nicht die gemeint, die während des Studiums schwanger werden, sondern die, von denen man oft ein Exemplar zu Hause (in deinem richtigen Zuhause) hat. Entweder sie lebt in deiner alten Heimat, oder du bist eines jener bemitleidenswerten Exemplare und wohnst noch bei ihr. In jedem Fall wird sie dir im Laufe der Zeit immer mehr damit auf die Nerven gehen, dein Studium doch bitte bald zu beenden. Eigentlich will sie aber, dass du niemals fertig wirst, damit du dich nie ganz aus ihrem fürsorglichen Schoß befreien kannst. Deshalb raten wir dir: fertig werden!

NEBENJOB

Eine Notwendigkeit für jeden Studenten. Ohne Geld nämlich keine Drogen, Partys und Einkäufe. Meist handelt es sich beim Nebenjob um eine minderwertige Tätigkeit. Je nach Studium schreibst du für das örtliche Schmierblatt über die Jahreshauptversammlung des nächsten Kaninchenzuchtvereins (Journalismus), bist Aufsichtsperson im Museum (Kunstgeschichte), gibst die Büromaus (alle Schnöselstudiengänge) oder ackerst als Kellner in irgendeiner versifften Bar (angehende Künstler und kunstverwandte Studiengänge). Aber was tut man nicht alles für Geld. Nach der Uni wird aus dem Nebenjob beinahe übergangslos einfach nur DER Job und anstatt dich mit dem Geld zu amüsieren, geht ein Großteil für deinen ganz normalen spiessigen Lebensunterhalt drauf.

OPFER

All die Streber, Klassensprecher und Rechenkönige haben in der Uni ihr Asyl gefunden. Hier sind sie in der Überzahl und machen damit jede Reihe zur ersten Reihe. Sie sind wissbegierig, devot und tun fast alles für ein bisschen Freundschaft. Mit ihrer Fächerwahl sind sie vollends zufrieden und möchten sich ständig irgendwo engagieren. Deshalb treten sie gleich im ersten Semester in den Fachschaftsrat ein und erzählen dir bis zum Ende des Studiums, wie viel Spaß sie doch jedes Jahr auf der Erstifahrt haben–dabei einen Ersti gevögelt haben sie aber noch nie.

PROKRASTINATION

Wenn du auf der Uni eine Sache gelernt hast, dann wie man sich gekonnt ablenkt. In keinem anderen Bereich bist du so diszipliniert. Du musst lernen? Ab in die nächste Bar. Eine überfällige Seminararbeit abgeben? Nur noch kurz die Wohnung putzen und den Schrank ausmisten. Wichtige Prüfung am Montag? Vergiss es und bleib am besten gleich im Club. Der DJ ist gerade erst in Fahrt gekommen, alle deine Freunde sind da und schlafen wäre jetzt sowieso undenkbar.

QUALIFIKATIONEN

Wahrscheinlich sind das die einzigen Jobs, für die du nach deinem Studium qualifiziert bist: Callcenter, Verkaufen, Promo, Marktforschung, freier Journalist oder Kellner. Um deine Qualifikationen aufzubessern, wie du bereitwillig glaubst, wirst du dich nach Ende des Studiums von Praktikum zu Praktikum hangeln. Das ganze natürlich unbezahlt, denn wir sind die „Generation Praktikum—das moderne Sklaventum". Mit diesem und ähnlichem Mist werden dich beinah hübsche Kunsthistorikerinnen und erfolgsorientierte Wirtschaftsstudenten beschwatzen. Lass es am besten einfach an dir abprallen, traue niemandem und verfolge mit aller Härte deinen eigenen Weg. Am Ende wirst du einen Haufen überflüssiger Erfahrungen gesammelt haben und kannst endlich als Sprechstundenhilfe arbeiten.

REISEN

Du hast während des Studiums beinahe sechs Monate Ferien pro Jahr. Das ist enorm viel Zeit. Die Uni nennt das vorlesungsfreie Zeit, denn nebenbei beschäftigen dich ein bis zwei Hausarbeiten und ein paar Klausuren. Du hast aber dennoch genügend Freizeit, dir die Welt anzuschauen. Solltest du knapp bei Kasse sein, bewirb dich für ein Auslandssemester mit Stipendium. Dann erhältst du sogar Unterstützung von der Uni und bekommst einen sechsmonatigen Urlaub spendiert.

SEX

Wir hoffen, dass du nicht erst in deinem letzten Jahr an der Uni damit anfängst. Es ist nämlich das letzte Jahr, in dem du unser aller Lieblingsbeschäftigung exzessiv nachgehen kannst. Danach bist du entweder zu überarbeitet oder erhältst wegen deiner Loserattitüde offiziell das Prädikat unfickbar. Also genieße die letzten Funken deiner Libido und versüße dir das Abschlussarbeit-Schreiben mit massenhaft geilem Sex. Du sammelst damit ein Archiv an zukünftigen Masturbationsfantasien, die von unschätzbarem Wert für den Rest deines Lebens sind.

TRINKEN

Nie wieder sonst in deinem Leben hast du so viel Zeit und so viele Möglichkeiten, feiern zu gehen. Nutz sie also, bevor du erst im Rentenalter auf dem Kreuzfahrtschiff wieder so richtig die Sau rauslassen kannst. Du solltest immer ein paar Schmerztabletten zu Hause haben. Wenn es drauf ankommt, sind die nämlich das einzig wahre Katerfrühstück.

UNTERHALT

Wenn deine Eltern geschieden sind, war das als Kind sicher nicht immer lustig, aber im Studium bringt es dir einen großen Vorteil gegenüber deinen Kommilitonen: Du kriegst jeden Monat Geld vom Papa. Wenn der gut verdient, kannst du dir eventuell lästige Dinge wie Kellnern und Kassieren ersparen. Im besten Falle schiebt dir Mutti aus schlechtem Gewissen auch noch Geld zu.

VORLESUNG

Wahrscheinlich wirst du schon im ersten Semester merken, dass die Vorlesung grundsätzlich die unnötigste Lehrveranstaltung ist. Es gibt gleich mehrere Gründe zu Hause zu bleiben. In den überfüllten Hörsälen findest du zum Semesterbeginn keinen Platz. Solltest du eine Klausur schreiben müssen, wird auch diese in besagten überfüllten Hörsälen geschrieben. Abschreiben ist also kein Problem. Möchtest du dich aber tatsächlich selbst für die Klausur vorbereiten, kannst du dir das Unterrichtsmaterial auch herunterladen. Schlaf also lieber aus und spar dir deine Energie für andere Veranstaltungen.

WG

Endlich von zu Hause ausgezogen. Die totale Freiheit. Mit den alten Schulfreunden eine eigene Bude beziehen. Was in den ersten Monaten noch ganz aufregend klingen mag, entpuppt sich oft als anstrengender als erwartet. Du musst spülen, waschen, kochen und putzen. Deine Mitbewohner nerven dich ständig mit zu erledigenden Wochendiensten und spätestens wenn dein Mitbewohner zum wiederholten Mal vergisst, seinen Kackstreifen zu entfernen oder du den gebrauchten Wachsstreifen deiner Mitbewohnerin erblickst, willst du nur noch da raus.

X-MATRIKULATION

Bevor du dich ans Leserbrief-Schreiben machst und uns mit Attributen wie einfallslos und ungebildet („Die kennen nicht mal ein anständiges Wort mit X!") beschimpfst, geh in dich und überlege, wie viele Worte mit X dir einfallen. Die Exmatrikulation droht dir nämlich jedes Semester aufs Neue. Alle sechs Monate musst du dann brav bei Papa anrufen und nach einer Extraportion Geld betteln, wenn der Semesterbeitrag fällig wird. Bei den meisten Hochschulen liegt dieser zwischen 40 und 260 Euro. Darin enthalten ist, wenn du Glück hast, auch dein Semesterticket. Solltest du mal vergessen, diesen Obolus fristgerecht zu überweisen, wirst du umgehend exmatrikuliert. Ein Ende deines Studiums muss das noch nicht bedeuten. Mit einer zusätzlichen Verwaltungsgebühr und etwas Bürokratie kannst du dich schnell wieder in den Laden einkaufen.

YEAH!!! UNIPARTYS

In deinen ersten Wochen an der Hochschule wirst du viele davon erleben. Zu jedem Semesterbeginn plakatieren die verschiedenen Fachschaften den Campus mit Werbung für ihre erste Party im Semester. Für welche du dich entscheidest, ist im Endeffekt egal. Sie sind alle gleich. Grundsätzlich laufen die Charts rauf und runter. Wenn du Pech hast, spielt der DJ ab einer gewissen Uhrzeit 90er-Mucke. Dann grölen die immer gleichen Fratzen zu den immer gleichen schlechten Liedern. Das billige Bier ist dann auch kein Trost mehr.

ZITIEREN

An der Uni wird wissenschaftlich gearbeitet. Das heißt, alles was du in deinen Hausarbeiten schreibst, musst du auch belegen können und richtig angeben. Unseren ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat das sogar den Job gekostet. Du darfst also nicht einfach alles abschreiben, was du irgendwo gelesen hast. Glücklicherweise gibt Wikipedia öfter auch selbst seine Quellen an und du kannst dich faul daran bedienen.

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