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Campus, Sex und Ravioli

Der VICE-Guide zum Studienabschluss

Irgendwann muss auch die Studienzeit zu Ende gehen. Wir sagen euch, wie ihr dem Ganzen so schnell wie möglich ein Ende setzt.

von Laura Kokoshka und VICE Staff
10 Februar 2015, 11:12am

Collage: VICE Media

Auch wenn Erasmus von Rotterdam (wer wissen will wer das war, schaut bitte auf Wikipedia nach) einst sagte: „Das Studium hat nie ein Ende", so glaub ich doch, dass es das früher oder später haben sollte. Klar meinte der humanistische Gelehrte hier nicht deine Ausbildung, sondern so etwas wunderbar Ideelles wie „lebenslanges Dazulernen", aber wir wissen auch ganz genau, dass wir uns lebenslanges Studieren einfach nicht leisten können.

Das mit dem Studium beenden hat aber so einige Tücken, denn ob man es nun glaubt oder nicht, steckt hinter dem Abschluss ein riesiger Haufen Arbeit. Mehr als deine Mama glaubt, mehr als die Stipendienvergabestelle glaubt, anscheinend mehr als unsere Regierung glaubt, eindeutig mehr als die in den amerikanischen College-Filmen der 90er gezeigt haben und auch mehr als du geglaubt hast, als du damit angefangen hast.

Wie auch immer es dazu gekommen ist, dass du jetzt an diesem Punkt bist, etwas so Unökonomisches wie ein Studium zu beenden, hier kriegst du ein paar praktische Tipps aus erster Hand. Haftung übernehme ich allerdings keine—wenn du das mit dem Studium nicht packst, soll es wohl so sein. Vergiss nicht: fürs Fernsehen und für die IT-/Entwickler-Branche braucht man keinen Abschluss. Für ersteres reicht es schon, eine große Klappe oder aber große Brüste zu haben, für zweiteres rate ich dir, eine App zu machen, die dem Benutzer alle fünf Minuten ein auf ihn abgestimmtes Kompliment macht. Ich bin davon überzeugt, unsere selbstverliebte Generation würde darauf abfahren. Ich würde mir die App zumindest holen.

1. Schuster, bleib bei deinen Leisten

Ob du dir das richtige Studium ausgesucht hast? Scheißegal, mittlerweile ist es sowieso zu spät, daran noch irgendetwas zu ändern. Was du aber noch beeinflussen kannst, ist dein Thema. Verabschiede dich dazu am allerbesten vom Gedanken, das Rad neu erfinden zu müssen. Du bist einer aus der ersten Reihe? OK, dann wähle das schwierigste aller möglichen Themen in deinem Gebiet und hau alle deine Professoren und Professorinnen mit deiner innovativen Art um, an die Dinge heranzugehen. Bist du aber so ein Ottonormalstudierender wie wir anderen, bleib bei dem, was du gelernt hast. Schreib über ein Thema, das du auch ohne Probleme Tante Gudrun mit dem Wellensittich in der Dauerwelle erklären könntest.

2. Werde arbeitslos

Tja, dieser Punkt ist gar nicht so leicht umzusetzen, nicht wahr? Schließlich hat man ja die Miete des schäbigen WG-Zimmers, die Reparaturzahlungen des verrosteten Peugeots und die teure Antifaltencreme zu zahlen. Aber ehrlich, wie zur Hölle soll man sich auf den Abschluss konzentrieren, wenn dir die Chefin mit ihrem PMS auf die Nerven geht, der Chef will dass du 24 Stunden lang erreichbar bist (falls irgendetwas mit der Website nicht passt) und dich dein Schreibtischkollege mit sinnlosem Smalltalk dumm schwafelt (und ja, aus eigener Erfahrung sage ich euch: Man kann jemanden dumm schwafeln). Es ist schwierig, aber unerlässlich, dass du das Beenden deines Studiums als vollwertige Arbeit anerkennst. Als vollwertige Arbeit für die du einen Scheiß bezahlt bekommst. Ist in diesem Sinne außerdem schon mal eine gute Übung für die unbezahlten Praktika und Überstunden danach.

Foto: Chika via photopin cc

3. Nutoka statt Nutella

Um Punkt 2 in die Realität umzusetzen, solltest du auf alles, was auch nur annähernd nach Luxus aussieht oder so riecht, radikal verzichten. Um dir nicht vorzukommen wie der letzte Assi, können Fake-Marken in allen möglichen Lebenslagen zu deinen neuen Lieblingen werden. Nutoka statt Nutella, Ray Ben statt Ray Ban und der Lidl Energy Drink statt Red Bull. Entdecke die Schönheit eines Wühltisches aber komm ja nicht auf den Gedanken dir jedes Mal an der Kassa noch ein Überraschungs-Ei mitzunehmen, die Überraschung am Ende des Monats kannst du dir so nämlich sparen.

4. Such dir einen Lebenspartner

Das mit dem Lebenspartner ist aus den verschiedensten Gründen ein wirklich guter Tipp. Und nur um das klarzustellen, ich rede nicht von einem Hund. Alles, was du füttern musst und was kuschelig ist, solltest du sogar eher meiden. Genauso solltest du arbeitslose und studierende Kandidaten und Kandidatinnen nicht als Lebenspartner in Betracht ziehen, denn nur wenn dein Freund oder deine Freundin nicht ständig nackt im Kreis um dich herumläuft und schreit „Spiel mit mir!", hilft dir eine Beziehung dabei, dein Studium zu beenden.

Erstens halten sie dir den Rücken frei. Was soviel bedeutet wie, sie schirmen permanent und effektiv alle neuen Menschen des anderen oder sonstwie begehrten Geschlechts von dir ab. Wenn es sein muss auch mit geladener Waffe. Dir soll das aber recht sein, denn du kannst es zur Zeit nicht gebrauchen, ständig von hinten angepiekst zu werden.

Zweitens, und viel wichtiger, bietet dir dein Lebenspartner emotionalen Beistand. So ein Studium kann dich an die Grenzen deines Verstandes bringen, im schlimmsten Fall sogar darüber hinaus. Wenn du also wieder mal zu nahe am Balkongeländer stehst, wird jemand da sein und dich umarmen. Seufz.

Drittens ist man im Team sowieso mit allem besser als alleine. Denk nur an Frodo. Wo wäre er heute ohne seine Gefährten? OK, wahrscheinlich würde er gemütlich zuhause chillen, hätte niemals einen Ring angesteckt bekommen und die Grausamkeiten der Welt erst gar nicht sehen müssen. Schlechter Vergleich. Lassen wir das mit dem Teamwork.

5. Nicht zu viel übers Philosophieren sinnieren

Zuviel zu philosophieren, über Gott und die Welt und das Warum und das Wieso, klingt zwar total romantisch nach Studieren, aber in der realen Welt läufst du so nur Gefahr, für alle Ewigkeiten im Sog des Langzeitstudierens gefangen zu bleiben. Marx sagte mal: „Die Philosophie verhält sich zum Studium der realen Welt wie das Onanieren zur sexuellen Liebe." Bevor du also vom Onanieren und Philosophieren blind wirst, begib dich in die reale Welt und pack deine Abschlussarbeit und all die Prüfungen beim Schopf.

Foto: Canned Panic via photopin cc

6. Zucker ist dein Feind

Jaja, dieser böse Zucker, nicht wahr? Ständig zerreißen ihn alle. Wenn es nach dem aktuellen Zucker-Diskurs ginge, dürfte man ja gar nichts mehr. Tut mir leid, wenn ich es dir nochmal sagen muss, aber: Zucker macht dich nicht produktiver. Das mit dem Traubenzucker als Gehirnpimpin' war alles ein Werbelüge. Zucker ist zwar schnell im Blut und somit super für den Sprint einer Matheschularbeit—aber das Ende deines Studium ist ein verdammter Marathon. Durchhaltevermögen ist angesagt. Vermeide lieber die Ups and Downs von zu viel Zucker und iss Nüsse und Trockenfrüchte für deine Hirnschwerstarbeit. Deine Figur wird es dir ebenfalls danken.

7. Beschränke deine Alkoholexzesse und Sinneserweiterungen auf das Wochenende

Tja, was soll man dazu noch sagen? Es ist wohl ziemlich einleuchtend, dass dein Wochenende nicht am Mittwoch beginnen und deine Afterhour nicht am Montag morgen erst aufhören sollte. Außerdem solltest du es vermeiden, Partys in deiner WG abzuhalten. Irgendwer will nämlich immer nicht nach Hause, übertreibt es maßlos und kotzt dir dann die Bude voll. High von den scharfen Putzmitteln wirst du garantiert nichts weiterbringen. Und ein guter Rausch ist es auch nicht, also lass es.

8. Fang im Winter an

Egal, womit du anfängst, fang im Winter damit an. Der Sommer ist einfach nicht dazu gemacht, in der Bibliothek abzuhängen und den Oberschenkel-die-aussehen-wie Frankfurter-Selfies nachzutrauern. Plus: Im Winter wirst du tatsächlich kurz froh darüber sein, die Bib zu betreten, weil es dir draußen nämlich die Finger abfriert. So baust du ein starkes Band zwischen dir und der Bib auf. Eine Freundschaft auf Zeit. Wie du siehst hilft es auch, ihr einen Spitznamen zu geben.

9. Finde die Weckerfunktion in deinem Telefon und benutze sie

Jedes Handy hat eine Weckfunktion. Nach Monaten des Nichtstuns und der Seminare am Nachmittag kann es sein, dass du vergessen hast, wo sie ist. Jetzt solltest du sie wieder suchen und gefälligst auch benutzen. Der Tag bietet nämlich unglaublich viel Arbeitspotential, wenn man ihn nicht erst um 11:30 Uhr beginnt.

Foto: Francis Bourgouin via photopin cc

10. Der graue Bibliotheksmaus-Look

Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden, und der Teil des Tages, wo man wach ist, nur zirka 18—und der Teil des Tages, wo man wach und produktiv ist, noch viel weniger. Verschwende also nicht zu viel Zeit mit Gedanken an dein Styling. Der graue Bibliotheksmaus-Look reicht vollkommen aus. Lerne also, wie du dir einen Zopf flechtest und verabschiede dich von falschen Wimpern. Das gilt, wenn ihr wollt, auch für Männer, die sich angesprochen fühlen—und machen wir uns nichts vor, auch diejenigen, die es nicht so mit Kunstwimpern haben, verwenden normalerweise mehr als zwei Minuten mit ihrer hedonistischen, narzisstischen Styling-Prozedur. Hört auf damit.

11. Hab Freunde, die arbeiten gehen oder Kinder haben

Das Gute an Freunden mit Job oder Kindern ist: Sie haben nie Zeit. Somit hast du mehr Zeit für dein Studium und weniger witzige Bilder in der Whatsapp-PartyGruppe.

12. Erzähl deiner Familie von deinen Plänen, bald fertig zu werden

„Na Laura? Wann bist denn jetzt endlich fertig?" „Hast du jetzt die Arbeit schon fertig oder schläfst du immer noch?" „Du und dein Studieren ... eine endlose Geschichte, hm?" „Ihr Studenten liegt sowieso nur auf der faulen Haut" „Wann arbeitest du endlich mal richtig?" „Von mir kriegst du bald keinen Cent mehr, wenn du dich beeilst."

Egal wie sehr du das Beenden deines Studiums hinauszögerst—du wist es schneller beenden, wenn deine Familie dich täglich mit solchen Kommentaren bloßstellt. Was zuerst nach zu viel kontraproduktivem Druck klingt, ist der beste Motor, den es gibt. Stell dir dazu immer wieder den Moment vor, an dem du deinen Eltern genüsslich deine als Buch gebundene Arbeit vorlegst. In your face, Mama.

13. Such dir einen Arbeitsplatz weit, weit weg von allem was dick, müde, schwanger oder dumm macht

Der ideale Arbeitsplatz ist also weit weg von der Küche, deinem Bett, einem Koitus und dem Fernseher.

14. Fahr ab und zu mal surfen

Oder genehmige dir andersartige Pausen. Hauptsache Pausen. Vielleicht fällt dir beim Dösen unter einem Baum ja ein Apfel auf den Kopf. Während du dann genüsslich rein beißt, murmelt dir eine Schlange was vom Paradies zu und du erfindest daraufhin Apple. Man weiß ja nie.

15. Der letzte und wichtigste Tipp

Schalt das Internet aus. Jetzt. Sofort.

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