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Drogen

LSD für Anfänger: Sicherer Umgang mit Trips

LSD wird immer beliebter, weswegen wir mit einem Experten über die potentiellen Gefahren und den richtigen Umgang mit dieser Droge gesprochen haben.

von Max Daly
26 November 2015, 5:00am
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Foto von Troy Farah

Das Darknet hat zuvor sehr schwer zugängliche Drogen ziemlich leicht zugänglich gemacht. Aus diesem Grund ist LSD in den vergangenen paar Jahren bei jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 immer beliebter geworden. Acid zu besorgen, war früher viel schwieriger als an Koks oder Pillen zu kommen, also machte sich so gut wie niemand die Mühe. Doch heute kann sich jeder alles nach Hause liefern lassen.

Da immer mehr Menschen LSD nehmen, fanden wir es nur angemessen, uns mit einem Experten zu unterhalten, um ein kleines Einmaleins zusammenzustellen. Da die Leute völlig unabhängig von allen gut gemeinten Ratschlägen dieser Welt Drogen nehmen, ist es wichtig, dass sie das Wissen besitzen, verantwortungsbewusst mit diesen Drogen umzugehen—und sichergehen, dass sie nicht zum Beispiel beim ersten Mal gleich eine doppelte Dosis nehmen, Panik schieben und dann den Rest ihres Lebens an grauenvollen Flashbacks leiden.

Der Experte, den wir zur Rate gezogen haben, ist Andy Roberts, der Autor von Albion Dreaming: A Popular History of LSD in Britain.

VICE: Kommt es häufig vor, dass der erste LSD-Trip ein schlechter ist?
Andy Roberts: Das hängt davon ab, was man als schlechten Trip bezeichnet. Das könnte alles bedeuten, von Unruhe und Unsicherheit über Sorge und Angst bis hin zum In-eine-andere-Dimension-katapultiert-werden: Gott, der Teufel, Monster und all das. Es ist ein fließender Übergang, aber ja, schlechte erste Trips kommen häufiger vor, als den meisten klar ist.

Warum kann das erste Mal so schnell suboptimal laufen?
LSD hat einen sehr positiven Ruf—du wirst hübsche Farben sehen, die Musik wird großartig klingen, und so weiter. Aber die Erfahrung selbst unterscheidet sich so sehr von der Erwartung oder dem, was die Leute zum Thema gelesen haben, dass manche nicht damit klarkommen, von einem Zustand in den anderen überzugehen. Es ist ein bisschen wie mit einem Soldaten, der etwas über Schlachten lernt, und dann selbst eine erlebt.

Wie war dein erster Trip?
Ich war ein Möchtegern-Hippie. Ich wollte es unbedingt ausprobieren. Ich ging auf die Party eines Freunds und brachte zwei grüne Microdot-Pillen mit. Ich nahm eine und dachte: „Das hier wird fantastisch." Als nach 30 Minuten noch nichts passiert war, nahm ich noch eine—was könnte den schon schiefgehen? Noch einmal 30 Minuten später mussten mich 10 Leute festhalten, weil ich völlig den Verstand verloren hatte. Ich entkam ihnen und ging in die Küche, wo ich den Leuten sagte, ich wolle Selbstmord begehen, weil ich verrückt geworden sei. Ich versuchte, meinen Kopf in den Gasofen zu stecken. Ich wurde in den Garten geschleift und sie hielten mich auf dem Rasen fest, damit ich mich einkriegte. Ich sah hoch und der ganze Himmel war voll mit 300 Meter großen Eiskriegern, die in einer Phalanx auf mich zu geritten kamen. Das hat mir Angst gemacht.

Dann war ich im Wohnzimmer und alle waren im Dunkeln eingeschlafen. Mir wurde klar, dass das absolute Böse anwesend war und mir erzählte, die ganze Welt sei nur für mich erschaffen worden. Ich konnte leuchtende, psychedelische Maden sehen, die sich auf der Lampe wanden und dann mit einem lauten Zischen auf den Boden plumpsten. Ich verbrachte den Rest der Nacht mit paranoiden Gedanken darüber, dass mein Leben ruiniert sei, weil ich diese Droge genommen hatte. Ich hatte ein Jahr danach noch mit den psychischen Folgen zu kämpfen. Wenn ich in diesem Jahr nicht eine Freundin gehabt hätte, die sich um mich kümmerte, dann wäre ich wahrscheinlich in einer Anstalt gelandet.

MOTHERBOARD: LSD-Forscher crowdfunden die ersten Neuro-Scans eines Gehirns auf Acid

Das klingt übel. Ich bin überrascht, dass du danach nochmal Acid genommen hast. Warum war dieser Trip so stark?
Weil in den 1970ern Microdot-LSD verdammt stark war—250 Mikrogramm pro Trip. Ich wusste damals nicht, dass man mindestens eine oder zwei Stunden warten sollte, um zu sehen, ob es wirkt, also habe ich gleich 500 Mikrogramm genommen, die mich umgehauen haben wie ein rasender Laster. Heutiges Acid ist nicht ansatzweise so stark. Die durchschnittliche Dosis von heute hat maximal zwischen 100 und 150 Mikrogramm.

Was ist die häufigste Ursache schlechter Trips?
Dein eigener Geist. LSD öffnet dein Unterbewusstsein, so dass dir alles, was dir jemals passiert ist, wieder einfallen könnte—alles Verdrängte, über das du nicht sprechen möchtest. Deswegen setzen sie LSD auch in der Psychotherapie ein, weil es so gut darin ist, all diese Dinge freizulegen—auch wenn MDMA das noch besser kann. Die Leute müssen sich sicher sein, dass in ihnen nichts ist, das an die Oberfläche kommen wird. Es ist bei jeder Person unterschiedlich.

Gibt es eine Möglichkeit sicherzugehen, dass ich keinen schlechten Trip bekomme?
Es gibt keinen sicheren Weg. Die Leute, die ich kenne, die seit 40 Jahren Acid nehmen, sind immer noch total vorsichtig damit—sie behandeln es immer nur mit dem größten Respekt. Allerdings solltest du schon sicher sein, dass dir gerade nichts zu schaffen macht. Wenn du zum Beispiel große zwischenmenschliche oder emotionale Probleme hast, dann wird das hundertfach verstärkt, denn LSD ist ein Sinnesverstärker. Wenn du in einem schlechten Geisteszustand anfängst, dann wird es dich auch nicht in einen guten Zustand versetzen.

Timothy Leary, der die Botschaft des LSD in die gesamte Welt getragen hat, hatte nur zwei Wörter zu sagen, was richtiges Trippen anbelangt: Set und Setting. Dein eigener Geisteszustand und deine physische Umgebung. Wenn du die mit Bedacht kombinierst und auf deine Dosis achtest, ist das der beste Weg, einen guten Trip herbeizuführen. Wenn du noch nicht erfahren bist, solltest du unbedingt die Kontrolle über deine Umgebung haben. Am besten ist es, wenn du dich irgendwo aufhältst, wo nur wenige Menschen sind, oder bei Leuten bleibst, die du kennst.

Auf ein Konzert zu gehen, klingt wie eine gute Idee, aber du musst dich am Veranstaltungsort zurechtfinden, es gibt große Menschenmengen, jemand könnte dich versehentlich anrempeln. Wenn du in einem Zimmer mit Freunden bist, mit Kerzen und netter Musik, und alles ist entspannt, dann sind das gute Voraussetzungen. Oder du kannst raus in die Natur gehen, solange du nicht in Panik gerätst, wenn du nüchternen Menschen über den Weg läufst. Leute, die nicht auf Acid sind, können für dich furchterregend sein. Ihre Gesichter können sich verzerren und du kannst paranoid werden.

Gibt es etwas, das ich mitten im Trip tun kann, falls es mir schlecht ergehen sollte?
Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel können die Intensität des Trips ein bisschen verringern. Deswegen war das Acid früher auf Zuckerwürfeln. Hauptsächlich müssen einfach die Ecken und Kanten in der Umgebung abgetragen werden. Wenn du bei jemandem zu Hause bist und es geht alles irgendwie schief, dann kannst du vieles tun, wie zum Beispiel angenehmeres Licht machen oder Kerzen anzünden, um alles sanfter wirken zu lassen. Räucherstäbchen können auch beruhigen und gegen schlechte Gerüche helfen. Hör deine Lieblingsalben—das ist wie eine Schmusedecke aus Sound.

Was ist mit Essen und Trinken?
Ich würde niemals dazu raten, eine Mahlzeit zu essen, denn dein Körper ist zu sehr mit Highsein beschäftigt, um Essen ordentlich zu verdauen. Wenn du einen großen Haufen Essen im Magen hast, dann kannst du dich schon mal fühlen, als hättest du Blei verschluckt. Oder dir könnte übel werden. Ich würde auch mehrere Stunden vorher nichts mehr essen. Trinke ausreichend, denn du wirst schwitzen, aber nur geringe Mengen Alkohol.

Es scheint, als könnten Trips einen völlig unangekündigt überall hin mitnehmen. Kann man das Thema eines Trips beeinflussen?
Ja. Viele Menschen haben ursprünglich mit Psychedelika angefangen, weil sie fanden, dass es eine spirituelle oder religiöse Erfahrung war. Manche Leute umgeben sich mit kleinen Statuen, Schnitzereien und Büchern, während sich ihr Trip anbahnt, sodass diese Dinge Einfluss darauf nehmen können.

Es gibt viele neue, billige Psychedelika im Internet. Wo ist der Unterschied zwischen LSD und seinen Analogen?
Ich habe 1P-LSD genommen, aber den anderen Analogen würde ich nicht trauen. 1P-LSD hat nicht mehr viel mit dem Original gemeinsam. Es gibt Ähnlichkeiten und psychedelische Elemente, aber ihm fehlt die Tiefe, Intensität und Komplexität von echtem LSD.

Sagen wir, ich habe gerade von jemanden ein bisschen LSD gekauft, ein Löschblatt mit einem Bild von einer rosa Blume. Wie könnte ich herausfinden, wie stark es ist?
Ich würde auf Erowid, MAPS oder Bluelight nachsehen, wo die Leute Trip-Berichte für die verschiedenen Sorten posten. Suche einfach nach einer Beschreibung der Pappen mit den rosa Blumen. Davon kannst du dir vielleicht einen Eindruck verschaffen, aber ich würde trotzdem erst einmal mit einem halben Pappen anfangen, bis ich weiß, wie es so ist.

Hast du irgendwelche Tipps für Trip-Jungfrauen, die kurz davor stehen, den großen Schritt zu wagen?
Nimm eine halbe Dosis. Dann warte drei oder vier Stunden, und wenn du dich wohl fühlst, dann kannst du nächstes Mal vielleicht die volle Dosis nehmen. Lass dir niemals von jemandem sagen, ob es stark oder schwach ist, denn die Psyche jeder Person ist unterschiedlich. Manche Leute können acht Bier trinken und dann einfach weiter ihrem Leben nachgehen. Wenn ich acht Bier trinken würde, müsste ich ins Krankenhaus. Bei deinem ersten Mal solltest du eine Person dabei haben, die nichts genommen hat und die auf dich aufpassen kann.

Professor David Nutt hat LSD als eine der am wenigsten schädlichen Drogen der Welt eingestuft—viel weniger schädlich für den Körper als etwa Alkohol. Doch er scheint nicht zu bedenken, dass die Droge Konsumenten auch in gefährliche Situationen bringen kann.
Die Leute könnten Panik bekommen und dann muss jemand beruhigend auf sie einreden. Am Ende brauchen sie dann vielleicht psychiatrische Behandlung. Aber wenn man bedenkt, wie viele Menschen schon LSD genommen haben, dann ist die Anzahl der Unfälle ziemlich klein. Wenn die Leute aufpassen, dann ist es unwahrscheinlich, dass ihnen etwas zustößt. Der einzige Grund, warum LSD schon so lange zu den gefährlichsten Drogen überhaupt gezählt wird, ist, dass es völlig unsere Wahrnehmung der Welt und der gesellschaftlichen Strukturen ändert. Wie Terence McKenna sagte: „[Psychedelika] führen dir die Möglichkeit vor Augen, dass alles, was du weißt, falsch ist."

Danke, Andy.