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Untergrund-Chemiker wollen Quaaludes zurück auf den Markt bringen

Erst in den 80ern fiel das Beruhigungsmittel Methaqualon unter das Betäubungsmittelgesetz. Jetzt scheint die Droge eine Renaissance zu erleben.

von Ben Bryant
04 Dezember 2014, 9:08am

Adam | Wikimedia | CC BY 2.0

​Du hast doch sicher The Wolf of Wall Street gesehen, oder? Dann sind dir auch Quaaludes bekannt, die Lieblingsdroge von Jordan Belfort und seiner partywütigen Gang. Gerade sind Chemiker im Untergrund dabei, genau diese Quaaludes im Vereinigten Königreich herzustellen.

Auf eine Anfrage auf Basis des Information Act hin ist VICE News an Statistiken gekommen, laut denen im Juni 2012 die Lieferung einer chemischen Vorläufersubstanz von den englischen Grenzbehörden beschlagnahmt wurde. Diese Substanz wird genutzt, um die süchtig machenden Beruhigungsmittel künstlich herzustellen. Quaaludes werden normalerweise zusammen mit Alkohol zur Entspannung eingenommen.

Die Statistiken zeigen auch, dass 2013 genügend Streckmittel sichergestellt wurde, um mehr als sechs Tonnen Kokain aufzubereiten.

Laut Dr. Les King, einem ehemaligen Mitglied des ​Advisory Councils on the Misuse of Drugs und Experten für Vorläufersubstanzen, wurde die Chemikalie N-Acetylanthranilsäure nur für die Herstellung von Methaqualon—allgemein eben als Quaaludes bekannt—verwendet.

Er fügte hinzu, dass das beschlagnahmte Kilo für ungefähr 3000 Tabletten ausreichen würde. Das bedeutet, dass hier vermutlich jemand mit der Herstellung der Droge „herumexperimentieren" wollte.

In den späten 60er- und frühen 70er-Jahren waren Quaaludes in britischen Glam-Rock-Clubs total angesagt. Sie wurden jedoch schließlich unter dem sogenannten ​Misuse of Drugs Act stark eingeschränkt und sind seit Jahrzehnten quasi von der Bildfläche verschwunden. In Deutschland war Methaqualon bis 1981 unter dem Namen Normi-Nox in Apotheken erhältlich, bevor der Stoff schließlich unter das Betäubungsmittelgesetz fiel.

An der Grenze wurden dazu noch andere Dinge beschlagnahmt, zum Beispiel über eineinhalb Tonnen Benzocain. King vermutet, dass das Lokalanästhetikum „mit ziemlicher Sicherheit" zum Strecken von Kokain gedacht war. Das typische Verhältnis ist dabei eins zu vier.

Auf der langen Liste der in den letzten Jahren von Grenzbehörden beschlagnahmten chemischen Vorläufersubstanzen, stehen auch die Mittel, die für die Herstellung von Amphetaminen und Angel Dust verwendet werden. Hinzu kommen mehr als 50.000 Ephedrin-Tabletten, die Vorläufersubstanz für Methamphetamin.

Heroin-Streckmittel und hunderte Kilogramm an Lösungsmitteln zur Reinigung von Drogen wurden ebenfalls aus dem Verkehr gezogen.

King erklärte außerdem: „Unserer Erfahrung nach sind die meisten unzulässigen Chemiker nicht wirklich gut. Wenn sich jemand an der MDMA- oder Amphetamin-Herstellung versucht, dann scheitert er meistens, weil er kein Chemiker ist und so auch keine rechte Ahnung von dem hat, was er da macht.

Wenn man ein ausgebildeter Chemiker mit etwas Fachwissen ist, dann stellt der ganze Herstellungsprozess keine Herausforderung dar. Die meisten Drogenköche können diese Eigenschaften jedoch nicht vorweisen und halten sich nur an eine Anleitung. Es benötigt jedoch schon etwas mehr Vorkenntnisse, um ein akzeptables Produkt herzustellen."

Header-Foto: ​Adam | ​Wikimedia | ​CC BY 2.0

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