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Warum die USA so wegen MDMA ausflippen

Die Nachfrage von MDMA steigt in den USA enorm. Um dem gerecht zu werden, strecken die Dealer das Zeug mit immer gefährlicheren Mitteln.

MDMA (Foto via)

MDMA hat in den USA in letzter Zeit für ziemlich viel Aufregung gesorgt.

Seitdem Miley damit prahlte, „mit Molly zu tanzen“ (ungefähr so wie diese langweiligen Nerds, die damit angeben, Bongs zum Frühstück zu rauchen), haben Kolumnisten angefangen zu fragen, wieso die Amerikaner verrückt nach MDMA sind. Nach einigen MDMA-bedingten Todesfällen nahmen schließlich auch besorgte Politiker davon Notiz.

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Dass die USA die Vorfälle nicht ruhig und rational angehen, war ja vorherzusehen. Meine Alma Mater, die University of Massachusetts Amherst, sagte alle Electro-Partys auf dem Campus ab, weil sie mit den negativen Schlagzeilen und potentiellen Klagewellen, die mit einer MDMA-Überdosis einhergehen, nichts zu tun haben will.

Dass sich mürrische alte Dekane und klapprige Politiker schon immer über jede neue Droge der jeweils jungen Generation aufregen, ist bekannt. Was mich mehr beunruhigt, waren die Ansichten eines Drogendealers (nennen wir ihn „Tommy“), den ich in einer Bar in Boston kennengelernt habe. Obwohl er beträchtliche Mengen an Drogen vertickt, Frauen kennt, die ihm für Koks einen blasen, und ihm schon den letzten Gehaltschecks oder geklaute Playstations für seine Ware angeboten wurden, kommt findet er MDMA gar nicht gut. Da fängt er an zu sprechen wie ein konservativer Politiker.

„Ich würde es nicht nehmen, weil ich keine Ahnung habe, was da drin ist. Wenn du mich fragst, glaube ich, dass nur Wahnsinnige das Zeug nehmen“, sagte er an seiner Limonade schlürfend.

(Foto via)

Drogenexperten sagen, dass die Überdosen damit zusammenhängen, dass MDMA mit anderen synthetischen Drogen gestreckt, aber als echter Stoff verkauft wird.

Dass illegale Drogen mit irgendwelcher Scheiße gestreckt werden, ist nichts Neues. Nun wird jedoch darüber spekuliert, dass die Nachfrage nach Molly das Angebot übersteigt und dass Drogenhersteller das Produkt mit synthetischen Cathinonen—das Stimulans, das meistens mit Mephedron assoziiert wird—strecken, um der Nachfrage entgegenzukommen. Unterdessen lässt die amerikanische Drogenvollzugsbehörde verlauten, dass in den letzten Jahren weniger MDMA und Ecstasy beschlagnahmt wurden.

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Wie also kommt es zu dieser steigenden Nachfrage? Tommy verweist auf Rapper wie French Montana und Lil Wayne, die die Droge in ihren Songs glorifizieren. Die Erklärung klingt lachhaft, aber sie ist die beste Erklärung, die bisher vorgebracht wurde.

Andere weisen auf das landesweit ansteigende Interesse an EDM hin. Tommy erzählt, dass er in den letzten zwei Jahren eine beträchtliche Zunahme der Nachfrage festgestellt hat. Einige seiner Kunden, die bisher immer Kokain gekauft haben, würden nun nur noch Molly bestellen. Es ist natürlich so gut wie unmöglich, den MDMA-Konsum empirisch zu belegen. Doch viele Drogenexperten teilen Tommys Einschätzung. Die Nachfrage besteht, und niemand (bzw. niemand, der es sagen würde), weiß genau, was in dem Produkt, das unter dem Namen Molly vermarktet wird, eigentlich drin ist.

Stefanie Jones, Eventmanagerin der amerikanischen Drug Policy Alliance, erzählte mir: „Ich denke, das ist der Grund, warum es mehr negative Vorkommnisse und mehr Überdosen gibt: Wenn man Molly nimmt, das gepanscht wurde, verschärft es einige der Wirkungen, die bei reinem MDMA seltener vorkommen.“

„Ob ich glaube, dass neue Forschungschemikalien eine Rolle [bei den letzten Überdosen] gespielt haben? Ja, wahrscheinlich. Sie sind tendenziell gefährlicher“, sagt Missi Wooldridge, Geschäftsführerin von Dance Safe, einer gemeinnützigen Organisation, die sich in den USA für mehr Sicherheit in der Electro-Community einsetzt, indem sie zum Beispiel auf Konzerten Drogentests anbietet.

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Was also sagt uns das? Einige fortschrittliche Drogenexperten meinen, dass sich die USA ein Beispiel an Neuseeland nehmen sollten, wo das Parlament gerade ein Gesetz verabschiedet hat, nach dem alle synthetischen Drogen getestet werden.

Ross Bell, Geschäftsführer der New Zealand Drug Foundation, erzählte mir, dass Hersteller ihre synthetischen Drogen nun einer Reihe von Tests unterwerfen können, die mit Arzneimitteltests vergleichbar sind. Wenn das Produkt für sicher erachtet wird, können die Hersteller es auf dem freien Markt verkaufen. (Der Verkauf an Minderjährige ist nach der neuen Gesetzgebung strafbar.)

Doch Amerika ist anders. Wir zeichnen uns nicht gerade durch Besonnenheit aus, wenn es darum geht, auf Drogentrends zu reagieren.

Die Bundesregierung ist weit davon entfernt, MDMA zu legalisieren.

Mehr MDMA, diesmal neben einem lustigen Schlüssel, vermutlich zum Einnehmen von MDMA (Foto via)

Letztes Jahr versuchte der Kongress bereits, einige synthetische Drogen wie Badesalz oder Fake Weed zu verbieten. Aber Hersteller und Dealer änderten einfach die chemische Zusammensetzung der neuerdings illegalen Drogen, um das Gesetz zu umgehen, und stellten Drogen her, bei denen es sich um Nachbildungen von Ecstasy, Kokain, LSD und anderen Stoffen handelte.

Zum unendlichen Leidwesen der Drogenexperten wird das Ganze wahrscheinlich auf eine Eskalation des War on Drugs hinauslaufen. Die Behörden könnten sogar noch weitergehen und versuchen, die Szene in einem umfassenderen Sinn zu kriminalisieren.

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Man musst sich nur anschauen, wie es der Raver-Szene des Landes in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts ergangen ist, als der Gesetzesvollzug sich auf den Verkauf und Besitz von Ecstasy stürzte.

Die Verhaftungen nahmen zu und das Strafmaß für Ecstasy-Verbrechen wurde erhöht. Zudem wurden Crackhaus-Gesetze eingeführt, sodass Veranstalter und Organisatoren von Raves und Lagerhallenpartys so behandelt werden konnten, als ob sie Crackhäuser betreiben würden.

Das heißt, sie konnten gesetzlich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn jemand bei einer Veranstaltung eine Überdosis nahm. Jones zufolge hatte das einen erheblichen Einfluss auf die US-amerikanische Electro-Szene: Lizensierte Raves wurden zu unerlaubten Hauspartys. Stattdessen wurden Festivals viel verbreiteter und wichtiger. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagt sie.

Jones glaubt, dass man es mit einem Verbot versuchen wird. Die Regierung dürfte es allerdings schwerer als vor zehn Jahren haben, die Verbindung zwischen Drogen und der Elektroszene zu durchbrechen. Da die Veranstalter klüger und ihre Geschäftsmodelle komplexer werden, ist es nun schwerer, sie für drogenbezogene Verbrechen, die an Veranstaltungsorten stattfinden, haftbar zu machen.

Senatorin Dianne Feinstein, eine Demokratin aus Kalifornien, möchte ein ressortübergreifendes Komitee aus Wissenschaftlern einrichten, das einen Überblick über neue synthetische Drogen behält und eine Liste von Drogen führt, die als illegal betrachtet werden sollten. Es wäre dann verboten, die auf der Liste stehenden Substanzen zu importieren.

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Weitere Drogen zu verbieten, ist Woolridge zufolge jedoch keine Antwort auf das Problem. „Der Grund, warum die Leute sich neue Chemikalien ausdenken, ist ja, dass die bekannten illegal sind“, sagt sie. „Wir sollten uns um Gesundheits- und Sicherheitsfragen kümmern. Jeder sollte die Dosierungen und Risiken kennen. Wir sollten das, was wir haben—und worüber wir Bescheid wissen—entkriminalisieren. Das ganze Geld, das in den Drogenkrieg fließt, sollte für Forschungszwecke eingesetzt werden, um die besten Verfahren in Fragen der Gesundheit, Vorsorge, Behandlung und Genesung zu finden.“

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