Alle Fotos von Andres Herren, Text: Till Rippmann
Die Gangster der 18th Street sind vor allem Einwanderer aus San Salvador. Ihre Hauptrivalen sind darum die Mitglieder der ebenfalls aus San Salvador stammenden Mara Salvatrucha 13. Die ausnehmend berühmte Mara Salvatrucha 13—kurz: MS 13—bezieht ihren globalen Ruhm nicht wirklich aus ihren Aktivitäten in Los Angeles, sondern aus jenen in San Salvador. Der eigentliche Kampf zwischen der 18th Street und der MS 13 findet also in der Hauptstadt von El Salvador statt, aber die Grundlage dieses Konflikts sind diverse Abschiebungen von Gangstern aus Kalifornien zurück in deren Ursprungsland. Der ka- lifornische Bandenkrieg wurde also nach San Salvador exportiert, wo er heute wie ein Flächenbrand wütet, da die dortigen Behörden der Herausforderung der „internationalen Bandenkriminalität" noch weit weniger gewachsen scheinen als die Kollegen in den Vereinigten Staaten.
Die Background-Kontrolle durch die mexikanische Mafia wird im Übrigen aus dem Gefängnis ausgeübt, denn wenn eine Sache sicher ist, dann die, dass jeder Gangster früher oder später in den Knast kommt. Und dort sind alle Latinos wieder Freunde und hassen gemeinsam die Schwarzen und die Weissen, die sich und die Latinos wiederum gegenseitig hassen.
Im Knast geht der aufstrebende Gangster zudem bei den älteren Gangmitgliedern, die den Knast nicht mehr lebend verlassen werden, in die Ausbildung. Dort lernt der Schüler alles, was er über die staatlichen und die Strassengesetze wissen muss, über seine und andere Gangs und die Geschichte derselben. Hinter Gittern verdient er sich dann Tattoos wie „Sur" oder „Southside".
Am schwierigsten war es offenbar, jemanden von der MS 13 vor das Kameraobjektiv zu bekommen. Die Gang gilt in den USA seit den Anti-Terror-Gesetzen nach 9/11 als Terrororganisation. Darum wird die MS 13 also nicht nur von den lokalen, sondern auch von Bundesbehörden wie dem FBI andauernd beobachtet.
Andres erzählt: „Es war ein Spiessrutenlauf, bis ich die Typen endlich treffen konnte. Von einer Tankstelle wurde ich zu einem Hinterhof und dann in einen Wohnblock geschickt. Und kaum hatte ich die Typen endlich getroffen, fuhr auch schon ein Wagen der 18th Street vorbei, was um ein Haar zu einer Schiesserei geführt hätte. Im Gegensatz zu den Jungs von der F 13 und den Leuten von der 18th Street waren die MS 13-Jungs extrem nervös und gar nicht zugänglich. Sie können es sich mittlerweile nicht einmal mehr leisten, zu dritt auf der Strasse gesehen zu werden, weil sie sofort von den Cops eingepackt würden. Das basiert auf einem weiteren neuen Gesetz, das sich ,Gang Injunction' nennt. Das verbietet den Gangs, in ihren eigenen Revieren Präsenz zu markieren—ab drei Mitgliedern bist du eine Gang. Für dieses Bild haben die Leute also ihre Freiheit riskiert."
Zwei Mitglieder der F13 mindestens der Typ oben ohne hat im Knast Lehrgeld gezahlt.
Andres war an eine Party von dem Typen rechts im Bild eingeladen, der ihn dann seiner Gang vorgestellt hat.
Jede Gang, die was auf sich hält, hat im Herzen ihres Reviers ein Wandgemälde zu ihren eigenen Ehren. Dieses hier ist von der „18th Street Gang“
Das Wandgemälde im Herzen des Reviers der Florencia 13. Der zugehörige Schriftzug wurde von den städtischen Behörden entfernt.
Dieser Vertreter der 18th Street hat den Über-Diss an die Innenseite seiner Oberarme tätowiert: Die durchgestrichenen Namen seiner Feinde. Normalerweise tut man so was nur auf Wänden.
Der Dicke hinten links im Bild, hört auf den Namen „Big Boy“ und wurde kürzlich verhaftet, weil er einer der grössten Crystal Meth-Dealer in Los Angeles sein soll. Sonst sei er eher wenig aufgefallen.
Viele Tattoos werden von Laien mit Haushaltsmitteln im Knast gefertigt. Die Farbe wird aus Asche und Baby-Öl hergestellt. Andres fragt sich, ob die relativ hohe Krebsrate unter Gangmitgliedern damit in irgendeinen Zusammenhang zu bringen ist.