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Menschen

Die jungen Freiheitlichen zeigen uns, wie echte Frauen auszusehen haben

Die Jugendorganisation der rechtspopulistischen österreichischen FPÖ hat eine neue Kampagne für „echte Frauen“ und gegen Bärte, Binnen-I und Frauenquote. Wir hatten da noch ein paar Fragen.

von Markus Lust
01 Juli 2014, 3:00pm

Flyer von der offiziellen Website der RFJ Burgenland

Könnt ihr euch noch an den Film Event Horizon erinnern? Darin geht es um ein Raumschiff, das über ein künstliches Wurmloch durchs Universum reist und damit das Tor zur Hölle öffnet. Ziemlich genau dasselbe passiert gerade vor unserer eigenen Haustüre, nur dass das Raumschiff hier Österreich heißt und es nicht durch ein Wurmloch, sondern durch ein Gabalier-Gate auf die dunkle Seite der Gender-Debatte reist.

Nachdem also bereits im Mai das Life Ball-Plakat aus aufrechten Omas sprayende Anti-Penis-Pubers zum Schutz der Kinder gemacht hat (obwohl die Kinder selbst überhaupt kein Problem mit der Darstellung hatten) und die zünftige Zweifaltigkeit aus Alf Poier und Andreas Gabalier mit ihren Rückbesinnungssagern für Schlag(er)zeilen sorgte, ist jetzt der burgenländische Ring Freiheitlicher Jugend an der Reihe, um einen Hasen aus dem ohnehin schon offenen Höllentor zu zaubern.

Und weil es kaum einen besseren Zeitpunkt gibt, um reaktionäre Frauenbilder zu bedienen, als jenen, wenn gerade erst eine Debatte über die bloße Erwähnung von Frauen in der Bundeshymne zu Morddrohungen gegen Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek geführt hat, hat der RFJ Burgenland seit Dienstag, 1. Juli, seine neueste Kampagne online. Dabei geht es um „echte Frauen“, die uns nicht nur erklärt, sondern zum Glück auch gleich zoologisch anhand eines praktischen Beispiels vorgeführt werden.

Flyer von der offiziellen Website der RFJ Burgenland

Man könnte an dieser Stelle natürlich einen neuen gesellschaftspolitischen Diskurs über Frauenbilder starten—und wieder mal die Frage stellen, warum reaktionäre Männer eigentlich jedes Mal, wenn jemand Anstalten macht, alte Rollenbilder zum Vorteil aller aufzuweichen, dagegen argumentieren, dass die Benachteiligten diese symbolische Gleichstellung nicht nötig hätten und es deshalb viel besser wäre, an der alten Herrschaftshoheit festzuhalten.

Man könnte auch zu bedenken geben, dass eine Petition gegen die „Töchter“ in der Bundeshymne, wie sie der RFJ Burgenland unterstützt, in etwa gleich einfältig und fad ist, wie zu fordern, die Frauen aus der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu streichen—mit dem Unterschied, dass es uns bei zweiterem eher auffällt, weil hier die weibliche Form bereits länger verankert ist.

Stattdessen—und weil ihr genauso gut wie ich wisst, dass nichts davon eure Position verändern würde, egal an welcher Kante dieser Debatte ihr auch steht—wollte ich vom RFJ selbst wissen, was es mit der Kampagne auf sich hat und habe mit Werner Wassicek, dem burgenländischen Landesobmann des RFJ, ein Mail-Interview geführt.

VICE: Was macht eine „echte Frau“ aus und was grenzt sie von „unechten Frauen“ ab?
Werner Wassicek: Eine echte Frau benötigt weder einen Bart noch einen Penis; sie braucht auch keine Quotenregelungen oder das Binnen-I. Eine echte und starke Frau präsentiert sich auf Grund ihres Könnens, ihrer Stärke und ihres Selbstbewusstseins.

Dürfen echte Frauen auch anders aussehen als in eurem Beispiel?
Selbstverständlich. Leider hat der Platz auf dem Flyer nicht ausgereicht, damit wir alle Frauentypen präsentieren.

Ihr sagt, Frauen haben keinen Bart und keinen Penis. Worin seht ihr das Problem, wenn sie doch eins von beidem haben sollten?
Zum Problem wird es dann, wenn das die einzigen Faktoren sind, welche die Frau in den Vordergrund stellen. Ob Conchita Wurst als Tom Neuwirth auch gewonnen hätte?

Was ist die Botschaft eures Plakats? Müssen sich Frauen bei euch ausziehen, um ihre „Echtheit“ zu beweisen?
Nein. Die Botschaft richtet sich gegen den Genderwahn, gegen das in den Vordergrund stellen von absurden Entwicklungen und auch gegen das Life-Ball-Plakat. Es ist schon ein gerichteter Seitenhieb gegen all jene, die immer von Toleranz sprechen, aber selbst intolerant sind, wenn es um die Normalität und Meinungsfreiheit geht.

Sind ein ESC-Sieg von Conchita Wurst und ein Life Ball-Plakat mit einem Penis wirklich schon eine beängstigende gesamtgesellschaftliche „Entwicklung“?
Es ist ja nicht nur der ESC-Sieg oder das Life Ball-Plakat. Es geht auch nicht um offen oder verschlossen oder tolerant oder intolerant.

Besteht wirklich die Gefahr, dass Österreich durch diese beiden Ereignisse zu offen geworden ist?
Es handelt sich um absurde Entwicklungen, die wir mit dieser Kampagne aufzeigen wollen. Die Interpretation der Bundeshymne durch Andreas Gabalier zeigt, wie radikal die heutigen Feministinnen sind.

Ihr seid gegen Binnen-I und eine Frauenquote, weil diese nicht zur kompletten Gleichstellung führen. Aber schaden diese Dinge umgekehrt irgendjemandem?
Ich kenne keine Frau, die auf Grund der Quote oder des Binnen-I tatsächlich gleichbehandelt ist. Ich rede nicht von dieser scheinheiligen Gleichbehandlung (singen wir doch Töchter in der Bundeshymne), sondern davon, dass Männer noch immer mehr Geld verdienen, dass Frauen mit einem niedrigen Karenzgeld abgespeist werden—das sind die Probleme unserer Zeit. Das löst aber kein Binnen-I und keine Quote. Oder möchtest du von einer Quotenfrau operiert werden, die nicht auf Grund ihrer Leistung, sondern wegen der Quote im OP steht? Ich nicht.

Auf eurer Website finden sich unter Team 7 Männer und 1 Frau. Woher kommt diese Einteilung? Wollen nicht mehr Frauen zum RFJ?
Wir haben keine Frauen-Quote zu erfüllen. Bei uns entscheiden schlussendlich die Leistung und die Leistungsbereitschaft.

Wovor genau schützt ihr die Jugend? Habt ihr Angst, dass Bärte und Penisse ansteckend sind?
Nein, es geht nicht um eine fiktive Ansteckungsgefahr. Es geht darum, dass wir unserer Jugend klar machen, dass es auch ein anderes Weltbild gibt. Man muss nicht immer alles gutheißen, was in den Medien präsentiert wird. Man kann auch gegen den Strom schwimmen und muss nicht immer jede neue Entwicklung mit offenen Armen empfangen.

Du sagst, das Binnen-I stellt keine Gleichstellung dar. Wird Gleichstellung eher erreicht, wenn man das Binnen-I wieder abschafft?
Wir sind eine Vorfeldorganisation und kümmern uns um die Anliegen und Probleme der Jugendlichen. Unsere Aufgabe ist es nicht, dass wir das Binnen-I abschaffen, sondern unsere Aufgabe ist es zum Nachdenken anzuregen.

Haben auch Frauen an der Entwicklung der Kampagne mitgearbeitet?
Ja. 2 Männer und 2 Frauen haben die Kampagne geplant und bearbeitet. Es wäre auch total irrsinnig eine Kampagne über Frauen zu starten, wenn selbst keine Frau mitgewirkt hätte.

In der Kampagnen-Beschreibung auf der RFJ-Seite findet sich der Satz „Das Motto ‚Lass dich nicht vergendern’ richtet sich ganz klar für die heutigen Mädchen und Frauen.“ Was genau heißt „Vergenderung“? Wozu führt sie? Und warum ist dieser Satz nicht in grammatikalisch richtigem Deutsch formuliert?
Wir spielen hier mit der Sprache. Hin und wieder muss man auch zwischen den Zeilen lesen.

Auf die Frage „Was genau tut der RFJ Burgenland für die Gleichstellung von Frauen?“ gab es, auch auf meine explizite Nachfrage, bisher keine Antwort—sollte noch eine folgen, werden wir sie nachträglich hier einbauen.

Markus auf Twitter: @wurstzombie

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