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The Off the Deep End Issue

Schwedens hoffnungslose Obdachlose

In Malmö, der drittgrößten Stadt Schwedens, hat sich im letzten Jahr die Obdachlosigkeit von Haushalten mit Kindern um 42 Prozent erhöht.

von Hugo Anderholm
31 März 2015, 4:00am

Illustration von Ole Tillmann

In Malmö, der drittgrößten Stadt Schwedens, hat sich im letzten Jahr die Obdachlosigkeit von Haushalten mit Kindern um 42 Prozent erhöht. Ein Grund für diese Situation könnte in der Abschaffung des Ministeriums für Wohnungsbau im Jahr 1991 liegen, die dazu führte, dass zahllose Programme des Sozialen Wohnungsbaus zurückgefahren wurden. Der Wohnungsbau hat seit 24 Jahren kaum Priorität, obwohl die Bevölkerungszahlen der Städte in die Höhe geschossen und Subventionen des Wohnungsmarktes drastisch zurückgegangen sind. Zudem gibt es immer häufiger Mietverträge, die staatliche Sozialhilfe nicht akzeptieren. Schwedens nationaler Koordinator zu Fragen der Obdachlosigkeit, der Parlamentsabgeordnete Michael Anefur, sagte VICE, dass „wir bei diesem Wohnungsrückstand in den nächsten fünf bis zehn Jahren jährlich zwischen sechzig- und siebzigtausend Wohnungen bauen müssten. Schweden hat ein Defizit von zwischen zwei- und dreihunderttausend Wohnungen."

Es gibt keine umfassenden Statistiken über die Gesamtanzahl von Obdachlosen, weshalb anzunehmen ist, dass die offiziell 34.000 Betroffenen sehr niedrig geschätzt sind. EU-Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis und Menschen ohne Papiere werden in der Statistik nicht erfasst. „Der Anstieg geht zu einem großen Teil auf das Konto von Leuten, die zuvor noch keinen Zugang zum Wohnungsmarkt hatten—jungen Leuten, Personen ohne Referenzen und Leuten, die noch nie einen Job hatten oder über kein Einkommen verfügen", sagte Anefur.