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Sex

Hämorrhoiden sind Arschlöcher: Meine Zeit am Abgrund

Wie man mit Hämorrhoiden in der Öffentlichkeit umgeht, gleicht den ersten zwei Regeln des „Fight Club“—man spricht nicht darüber. Aber ich kann nicht länger über etwas schweigen, das bestimmt George R. R. Martins Inspiration für „Red Wedding“ war.
20 Juni 2014, 8:30am

Foto via Tyler Findlay

Was wäre, wenn ein Typ einen Roman im Stile von "Feuchtgebiete" schreiben würde? Der Umgang und das Bewusstsein mit dem eigenen Körper geht für einen Mann selten über "wie oft kann ich mir einen runterholen, bevor mir der Schwanz abfällt?" hinaus – zumindest dachte ich das, bis ich pünktlich zu meinem 26ten Geburtstag, der übrigens auf den 24sten Dezember fällt, mit einem wilden Hämorrhoiden-Ausbruch beschenkt wurde. Wenn es einen Gott gibt, ist er wohl ein ironischer Bastard.

Wie man mit Hämorrhoiden in der Öffentlichkeit umgeht, gleicht den ersten zwei Regeln des Fight Club—man spricht nicht darüber. Aber wieso ist das so, in einem Zeitalter, wo man sonst doch auch jedes noch so grindige visuelle Ereignis mit Hashtags hinaus in die Welt haut? Vermutlich weil sich jeder erfahrene Hämorrhoiden-Veteran dann sofort an sein erstes Mal mit der analen Auswuchtung zurückerinnern muss und bei jedem Gespräch sein eigenes ‘nam noch mal erlebt.

Es beginnt meist unter der Dusche, man wäscht sich, schiebt sich die Hand zwischen die Backen und bemerkt einen seltsamen Knubbel am Arschloch. Hier beginnt man sich zu wundern, ob es sich lediglich um einen Pickel am After oder doch um das gefürchtete Super-AIDS handelt. Aber man ist ja erst ein richtiger Mann, wenn man solche Dinge ignoriert und wartet, bis man vor Schmerzen nicht mehr gehen kann.

Wenn einem der nicht mehr so kleine Knubbel dann irgendwann so richtig auf den Arsch geht, wird es Zeit für den nächsten, unvermeidbaren Schritt: die Google-Suche (Leute, lasst es). Gewappnet mit dem unverdrängbaren Wissen, wie Hämorrhoiden in diversen Ausführungen aussehen, ist es Zeit, dem Horror in sein metaphorisches Auge zu blicken (das zu diesem Zeitpunkt meistens schon aussieht wie etwas, das in Mordor oder am Boden des Pazifiks wohnt). Man stellt sich also rückwärts vor den Spiegel, steckt den Kopf zwischen die Beine und spreizt die Backen, um in sein eigenes Arschloch zu starren.

Foto via Epic Fail

Spätestens hier hört man auch auf, sich zu wundern, warum man nicht darüber spricht. Ähnlich wie das Werfen von Feuerwerkskörpern vorm Seniorenheim löst man auch hier die Angst der roten Invasion aus. Das Aufreißen alter Wunden quasi. Das einzig Erheiternde an der ganzen Sache ist die Erkenntnis darüber, wie viele Wortwitze ein brennendes Arschloch hergibt. I’m on fire, baby.

Als ich da so stand und der fleischverpfropften Wahrheit ins Gesicht blickte, erfuhr ich eine Art göttliche Erscheinung und musste unweigerlich an ein Nietzsche-Zitat denken: „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ (Jenseits von Gut und Böse, Aph. 146)

Gewappnet mit der augenöffnenden Erkenntnis, dass ich selbst ein Arschloch sein muss, ging es nun darum, den Hämorrhoiden-Alltag zu meistern, was sich zu Weihnachten—einer Zeit, in der es hauptsächlich um geiles Fressen und endlos erscheinendes Rumsitzen geht—zur reinsten Tortur entwickelte.
Das mit dem Essen ist nämlich so eine Sache—so süß die Speis' noch schmeckt, so bitter ist es dann, wenn man beim Kacken das Gefühl hat, man hätte einen Playdough-Factory-Aufsatz am Arschloch. Oh, und es gibt Blut. Habe ich das schon erwähnt? Es ist erstaunlich, wie wenig Blut man braucht, um eine ganze Kloschüssel rot zu färben. Ein Tropfen reicht eigentlich schon, nur bleibt es dabei natürlich nicht. George R. R. Martin hatte bestimmt auch Hämorrhoiden, bevor er „The Red Wedding“ geschrieben hat.

An dieser Stelle beginnt man übrigens wieder, sich zu fragen, ob man nicht vielleicht doch Super-AIDS hat—aber ich war mir sicher, es ist alles in Ordnung. Also, bis auf das kleine Baby an meinem Arschloch, das rote Tränen weint. Aber nach einer Woche schmerzvollen Nicht-Sitzens und der Frage, ob ich meine Burlington-Socken nicht noch gegen einen Sitzkringel tauschen möchte, war es vorbei—wie Jörg Haider oder Franz Fuchs (ja, ich bin alt) erledigen sich hässliche Dinge wie diese zur Erleichterung vieler nämlich manchmal auch einfach von selbst.

Die Hämorrhoiden waren weg, und bis heute haben sie mich nicht wieder heimgesucht. Doch die Angst bleibt für immer. Und wer weiß, was für Leiden noch auf einen zukommen, wenn man mal ein alter, verschrumpelter, nach Pisse riechender Sack ist, der von heißen Krankenschwestern auf seinem Privatanwesen mit Astronautennahrung gefüttert wird ... aber das ist eine andere Geschichte.