Fotos

Ein Einblick in das Fotoarchiv des Wu-Tang Clan

Wir haben uns mit dem Fotografen Eddie Otchere unterhalten, der die berühmte HipHop-Kombo über einen Zeitraum von neun Jahren hinweg immer wieder abgelichtet hat.

von Eddie Otchere, Interview: Julien Morel
08 April 2016, 3:00pm

Alle Fotos: bereitgestellt von Eddie Otchere

1993 wurde das legendäre HipHop-Album Enter the Wu-Tang (36 Chambers) veröffentlicht. Ungefähr zur gleichen Zeit lernte der britische Fotograf Eddie Otchere die verschiedenen Mitglieder des Wu-Tang Clan kennen. Nachdem er einige Stunden mit den MCs verbracht hatte, war er so begeistert von ihnen, dass er in den darauffolgenden neun Jahren immer wieder Fotos vom Clan schoss.

Eddies Arbeiten gehören dabei zu den besten Bildern, die jemals vom Wu-Tang Clan gemacht wurden—und das sogar noch am Höhepunkt des Schaffens der Musiker. Ich habe mich mit dem Fotografen über die damalige Zeit unterhalten.

VICE: Hey Eddie. Wie und wann hast du damit angefangen, den Wu-Tang Clan zu fotografieren?
Eddie Otchere: Während der 90er und früher 2000er Jahre habe ich die Jungs regelmäßig abgelichtet. Angefangen hat das Ganze 1993 oder 1994, kurz nach der Veröffentlichung von Enter the Wu-Tang (36 Chambers). Damals haben sie auch ihre erste Show in Großbritannien gespielt. Also bin ich nach London, wo ich dann vorm Büro des Plattenlabels direkt auf den Clan traf.

Und sie waren direkt damit einverstanden, dass du Fotos von ihnen machst?
Ich habe zuerst ein wenig mit ihnen geplaudert und dann auch die Erlaubnis bekommen, in ihrem Tourbus mitzufahren und sie beim Soundcheck zu fotografieren. Dieser Soundcheck sah dann folgendermaßen aus: Die Wu-Tang-Jungs standen einfach nur draußen rum, bewarfen vorbeifahrende Züge mit Steinen und kifften ein wenig.

Cappadonna

Du hast dann später sogar noch Ol' Dirty Bastard vor die Linse bekommen.
Ja, aber das war erst 1997, als ich auch neue Fotos von Method Man, U-God und dem Produzenten DJ Mathematics gemacht habe. Während des Shootings hoffte ich außerdem ständig darauf, auch RZA ablichten zu können, aber der ist einfach nicht aufgetaucht. Ich konnte also immer noch nicht behaupten, den kompletten Wu-Tang Clan fotografiert zu haben.

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Aber letztendlich hast du auch das noch geschafft?
Ja, ich habe RZA dann 1998 kennengelernt. Cappadonna folgte vier Jahre später. Ich habe also insgesamt neun Jahre gebraucht, um zehn Rapper abzulichten.

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Wie tief geht deine Faszination für den Wu-Tang Clan?
In den 90ern war ich total vernarrt in die HipHop-Kultur. Und dann veröffentlichte der Clan sein Debütalbum und drückte damit genau diese Kultur seinen unerkenntlichen Stempel auf. Ich finde es richtig interessant, wie das goldene Zeitalter des HipHops so viele verschiedene Arten der Musik unter einem Dach vereinte.

Method Man

Mit welchem Wu-Tang-MC hast du dich am besten verstanden?
Method Man hat sich mir gegenüber wohl am meisten geöffnet. Und selbst wenn er schlecht drauf ist, lässt sich sein eigentlicher Charakter noch immer erkennen. Ol' Dirty Bastard war allerdings der witzigste—obwohl sein Humor auch immer eine tragische Note hatte. Unterm Strich lässt sich sagen, dass sie alle unglaublich tolle Menschen sind. Wenn ich heute über sie nachdenke, dann stellen sie für mich irgendwie schon so etwas wie Götter dar.

Ol' Dirty Bastard

Wie fühlst du dich heute—also fast zwei Jahrzehnte später—, wenn du dir die Fotos anschaust?
Ich erinnere mich daran, was ich mit diesen Bildern eigentlich erreichen wollte—nämlich einen neuen Weg der HipHop-Fotografie einschlagen. Außerdem denke ich dann an die politischen Nuancen unserer Gesellschaft: In einigen Bevölkerungsschichten werden solche Typen als Bedrohung angesehen, in anderen hingegen als Helden. Die Kreativität und die Freizeitaktivitäten des Wu-Tang Clan werden einerseits dämonisiert, dienen ganzen Generationen andererseits aber auch als Inspiration.

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Vor allem im Kontext der normalen HipHop-Fotografie haben deine Bilder etwas wirklich Wunderschönes an sich. War das so gewollt?
Damals wollte ich nur eine Sache, nämlich das ultimative Gruppenbild der ultimativen HipHop-Gruppe schießen. Mein langfristiges Ziel war es, ein zusammenhängendes Werk zu schaffen, das den Wu-Tang Clan perfekt repräsentiert. Ich kann nicht anders, als die Gruppe in einer Art religiösem Kontext zu sehen—deshalb haben sich viele meiner Ideen auch um Gebetbücher, Ikonografie und die Heiligsprechung des Clans innerhalb der HipHop-Gemeinde gedreht. Und nach 20 Jahren hat sich eine Sache tatsächlich bewahrheitet: Wu-Tang is forever!

Mehr Informationen zu Eddies Arbeiten findest du auf seiner Website.

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