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Wir haben uns die neue Porno-Reality-Show 'Sex Factor' angeschaut, damit du es nicht musst

Wenn du dir die xHamster-Show nach diesem Text noch anschauen willst, nur los.

von Janis Hopkins
05 Juni 2016, 4:00am

Alle Bilder: Screenshots von The Sex Factor

Nein, so eine Doppelpenetrations-Szene ist nicht leicht. Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, was das für eine Logistik voraussetzt? "Hero D Protagonist" offensichtlich nicht. Er hockt im völlig falschen Winkel auf dem Sofa und tastet sich reichlich unbeholfen in "Minx" hinein, die sich mit der gequälten Erhabenheit einer Person, die gerade in ein heißes Bad steigt, auf ihm niederlässt. Der Colonel steht einsatzbereit daneben, nur sein Penis ist noch nicht soweit. Mit verbissenem Gesichtsausdruck bearbeitet er wild sein drittes Bein. Beide Augenpaare blicken nervös zwischen Kameramann und Drehanweisung hin und her. Minx hat sich geistig schon längst an einen besseren Ort verabschiedet. Willkommen bei The Sex Factor, xHamsters neuen Porno-Reality-Show.

Das Format ist eigentlich recht simpel und folgt den gleichen ausgelatschten Pfaden wie jedes andere Nichtporno-Reality-Format: Jeder Teilnehmer kommt vollausgestattet mit einprägsamer Persönlichkeit und Catchphrase daher (statt "Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden" heißt es halt: "Ich will die Miss Undercover des Porno werden" oder "Ich ficke am liebsten auf Segelbooten") und sie leben—in der Hoffnung, die Teilnehmer zu noch mehr Geschlechtsverkehr zu motivieren—alle zusammen in einem großen Haus. OK, Sex zwischen den Kandidaten wird hier nicht wirklich durch Bettdecken und unscharfe Nachtsichtaufnahmen entschärft, stattdessen drehen die Bewohner in ihrer Freizeit hochkarätige POV-Szenen.

Dann, wenn du gerade etwas mit dem Format warm geworden bist, wird noch mal eine ordentliche Schippe Porno draufgelegt. Es gibt Wettbewerbe wie "Blow-Offs", deren Verlierer aus dem Haus gewählt werden; es gibt vollbusige Pornodarstellerinnen, die Dinge sagen wie: "Ich will, dass mein Höschen am Ende dieser Competition feucht ist." Und überall sind schweißbefleckte Ledersofas. The Sex Factor ist eine Sendung über Menschen, die unglaublich schlecht im Bett sind, gleichzeitig ist The Sex Factor aber auch eine Charakterstudie über die Art von Typen, die felsenfest davon überzeugt sind, der nächste Top-Schwanz zu sein.

Wir haben mal zusammengefasst, was du sonst noch aus den ersten beiden Folgen lernen kannst:

David Caspian weint nach einem vergeigten Fleischflötensolo

Jede Reality-Show braucht mindestens einen extrem widerlichen Teilnehmer

... und The Sex Factor hat uns großzügig gleich mit zwei Widerlingen gesegnet. Es ist Tag Eins und David "Caspian" Caspian hat die Stimmung im Haus so überhaupt nicht gefühlt. Während sich seine Mitbewohner im Sprechzimmer niederlassen, um in die Kamera zu sagen, wie unangenehm sie ihn finden, macht er den klassischen Fehler, sich komplett nackt auf den Boden zu legen und kichernd zu masturbieren. Selbst im Pornohaus ein absolutes No-Go! Es ist kaum nachvollziehbar, wie Caspian es durch die Vorauswahl geschafft hat, um hier seine persönliche Wichs-Odyssee zu beginnen.

Der Colonel ("Ich bin hier, um ein Führer zu werden ... im Porno!") gehört zur schlimmsten Sorte Fernsehpersönlichkeit: dem Reality-Show-Dauerkandidaten. Er war vorher schon in der amerikanischen Ausgabe von Das Model und der Freak zu sehen und jetzt ist er hier bei The Sex Factor. Wahrscheinlich geht ihm nur einer ab, wenn er dadurch eine Fernsehsendung gewinnen kann. Einen ganzen Blowjob verbringt er damit, einfach nur erstaunt nach unten zu schauen. Er macht keinerlei Anstalten, dabei eine Pornogrimasse zu ziehen—kein anzügliches Grinsen, kein Stöhnen, keine ermunternden Worte—und, wenn man genau hinschaut, scheint ihm der ganze Akt auch überhaupt keine Freude zu bereiten. Wie oben schon erwähnt, ist er auch bei der Doppelpenetration dabei. Und obwohl er für die Vagina eingeteilt ist, glotzt er die meiste Zeit einfach nur drauf. Als er dann endlich verzweifelt versucht, ihn reinzustecken, dauern seine verzweifelten Bemühungen zermürbende 30 Sekunden. Das Schauspiel ist derartig entwürdigend, dass danach eigentlich die Nummer eines Sorgentelefons eingeblendet werden müsste. Diese Bilder wird man auf jeden Fall so schnell nicht wieder los.

Veronica Vain täuscht in einem Raum voller Menschen einen Orgasmus vor

Reality-Shows lassen Menschen das Reden verlernen

Hast du ein Motto? Asa Akiras Motto ist jedenfalls, dass Mädchen nicht scheißen oder furzen. Das wissen wir, weil sie es uns sagt: "Das ist mein Motto: Mädchen scheißen nicht, Mädchen furzen nicht." Auch von Tori Black erfahren wir Wissenswertes: "Der Colonel ist bekannt für seinen guten Steherqualitäten", als wäre er eine Figur in einem Italowestern. In einer kurzen Einblendung sagt der Colonel in die Kamera, dass Frauen "nur Befehlen folgen [sollen] ... wie eine lebende Marionette!" und grinst dazu das verstörende Grinsen eines Mannes, der definitiv mehrere lebende Marionetten besitzt.

Es hat alles seine ganz eigene Magie. Ich bezweifle, dass solche Menschen überhaupt noch irgendeine Art von Coaching brauchen. Setz sie vor eine Kamera und sie werden von sich aus sofort darüber losplappern, wie die Verbesserung ihrer Rimming-Skills ein erster Schritt zu ihrer Vervollständigung als Mensch ist. Jurymitglied Kieran Lee wiederum beschreibt sich selbst als "Der Mann mit dem Millionen-Dollar-Schwanz. Eingebildet, arrogant, aber insgesamt ein netter Kerl."

Ist er durch die Arbeit im Pornogeschäft so geworden? War es das Fernsehen? Was auch immer es war, der Typ ist durch.

Die Jury mit Host Asa Akira

Simon Cowell hat sich für einiges zu verantworten

Und Cowell sprach: "In jeder Jury muss es immer einen richtigen Penner geben." Und so geschah es. Kieran Lee ist der einzige Mann in der Jury und hat die trockene Ich-sage-wie-es-ist-Jurystrategie anderer Formate mit rücksichtslosem Arschlochverhalten verwechselt. Die anderen drei Jurorinnen—Lexi Belle, Tori Black und Remy LaCroix—sitzen alle neben ihm und sehen ein bisschen aus, als wären sie seine Geiseln. Sie lächeln immerzu freundlich, damit er seinen kritischen Pimmel nicht plötzlich gegen sie richtet. Und Lee nimmt das ganze Spektakel hier unglaublich ernst: Jedes Mal, wenn eine Entscheidung gegen seinen Willen getroffen wird, zieht er eine Fresse, als ob er jeden Moment seine Fäuste sprechen lassen wird. Dieser Mann ist jede schlechte Tinder-Anmache in einer Person vereint.

Die Mädels

Männer sind schlecht im Bett

Während der oben bereits erwähnten "Blow-Off"-Challenge müssen die Mädels versuchen, die Jungs innerhalb von drei Minuten zum Höhepunkt zu bringen. Die ersten beiden Männer halten problemlos durch und feiern ihren Sieg anschließend mit den Kumpels, während ihnen die immer noch halbsteifen Geräte gegen die Innenschenkel klatschen. Ja, Bruder! High Five! Die Mädels sind nur beim letzten Kandidaten erfolgreich, nachdem eine der Jurorinnen angetanzt kommt, um noch einen weiteren Mund zur Verfügung zu stellen. Dann gibt es auch noch ein Minispiel nur für die Jungs, durch das sie eine Dildonachbildung ihres kleinen Kriegers bekommen können. Alles, was sie dafür tun müssen, ist, als Erster einen Ständer bekommen. Für die Zuschauer wurde diese Challenge glücklicherweise großzügig zusammengeschnitten—verzweifeltes Lurchgewürge lässt nämlich nur in Maßen ertragen, bevor ein alles erdrückendes Gefühl von Fremdscham und Mitleid die Überhand gewinnt.

Die Frauen hingegen scheinen alle ziemlich normal und unendlich geeigneter als die Männer zu sein. Sie sind zwar auch keine Profis, aber immerhin erwecken sie nicht den Anschein, als hätten sie ihr ganzes Sexwissen in der Schule von den älteren Jungs gelernt. Als die Männer alle zusammen auf die Bühne kommen und zusammen eine Poledance-Einlage abliefern sollen, fühlt man sich sofort an Klettergerüstszenen vom Spielplatz erinnert. Der Colonel fängt sogar an, Liegestütze zu machen. Andererseits: Viel besser lässt sich das Konzept des modernen Pornostar-Aspiranten eigentlich nicht zusammenfassen.

Die Jungs

Das Pornogeschäft ist nicht glamourös

Na, für wie glamourös hast du das Pornogeschäft gehalten? Falsch: Es ist noch schlimmer. Denk dir noch mal über alles eine dünne Fettschicht und subtrahiere jegliches Vergnügen. Vielleicht solltest du nach einer Folge The Sex Factor ein warmes Bad nehmen, ja sogar die Bibel lesen. Sei einfach froh, dass die Pornos, die du dir sonst anschaust, von Vollprofis gemacht werden mit perfekten Zähnen und Schwänzen wie große, adrige Seeschlangen. Um es mal bildlich auszudrücken: Fickende schöne Menschen sind wie das erhabene Liebesspiel griechischer Gottheiten; fickende normale Menschen sind wie zwei Wildschweine, die sich um ein auf dem Boden liegendes Würstchen prügeln.


Eine Porno-Reality-Show ist eigentlich gar nicht so absurd

Eine Sache hat mich am meisten überrascht: The Sex Factor ist eigentlich gar nicht wirklich schockierend oder anstößig. Bewegen sich nicht die meisten herkömmlichen Reality-TV-Formate in ihren besten Momenten sowieso scharf an der Grenze zum Porno? Wärst du bei den ganzen Nachtsichtkameraaufnahmen aus dem Big Brother-Haus von verdächtigen Stoßbewegungen und Gestöhne unter der Bettdecke wirklich schockiert gewesen, wenn diese dabei mal weggerutscht wäre? In Staffel 4 nutzt Hella ihre Zeit im Sprechzimmer, um nach der Pille-danach zu fragen. In Staffel 6 trieben es Norman und Gina ziemlich offen im Pool miteinander. Hättest du die Möglichkeit nicht ergriffen, wenn man dir noch andere Kameraperspektiven angeboten hätte? Sei ehrlich!

Sobald man von den Eigenheiten der Teilnehmer und den verschiedenen Challenges in den Bann gezogen wird, vergisst man fast, dass hier Pornografisches passiert. Eigentlich ist The Sex Factor genau wie jede andere Realitysendung und ich befürchte fast, dass ich hier auf das perfekte Format gestoßen bin. Mich hat es auf jeden Fall voll gepackt. Gott steh mir bei! Und wenn der Colonel nicht gewinnt, drehe ich durch!