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In mehreren Großstädten gab es in den letzten Tagen gehäuft Angriffe gegen Homosexuelle

Und in Berlin-Tiergarten geht ein Unbekannter mit einem Hammer auf Homosexuelle los.
30.8.16

Foto: Andrea | flickr | CC BY-SA 2.0

Wir wissen, dass in Russland gleichgeschlechtlich Liebenden Hass und Verachtung entgegenspringt. Händchenhalten in der Öffentlichkeit wird da zur Mutprobe. Und diese Mutprobe beschränkt sich nicht nur auf Länder wie Russland oder islamische Staaten. Die Angriffe gegen gleichgeschlechtlich Liebende reißen einfach nicht ab, man werfe allein nur einen Blick auf die jüngsten Ereignisse:

Erst in der Nacht zum Sonntag ist ein Creep mit Hammer und Taschenlampe durch Berlin-Tiergarten gewütet. Zwischen der Händelallee und der Straße des 17. Juni forderte der Unbekannte unter homophoben Beleidigungen und Gewaltandrohungen anwesende Männer auf, den Park zu verlassen.

Zwei Nächte zuvor wurden drei Männer ebenfalls von einem Unbekannten in Berlin-Tiergarten nicht nur beleidigt, sondern auch mit einer Flüssigkeit übergossen—der polizeiliche Staatsschutz ermittelt noch, bei der Flüssigkeit könnte es sich um Buttersäure gehandelt haben.

Bei solchen Verbrechen eskaliert der Hass gegen Schwule und Lesben, der bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Wie sehr öffentlich gelebte Homosexualität auch im vermeintlich aufgeklärten Westen auf Widerstand trifft, zeigt die Studie "Die enthemmte Mitte" der Universität Leipzig: In dieser bundesweit angelegten Untersuchung stimmten 40,1 Prozent der 2.420 Befragten der Aussage zu: "Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen". Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahre 2014 ist die Zustimmung um fast 20 Prozent angestiegen (2014: 20,3 Prozent). Dass Homosexualität unmoralisch sei, fand jeder vierte Bundesbürger und für ein Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen sprach sich über ein Drittel aus.

Und wer glaubt, dass Homophobie vornehmlich ein ländliches Problem sei und Homosexuelle zumindest in den liberal-kosmopolitischen Metropolen Zuflucht und Frieden fänden, auch der irrt: Allein bei der Berliner Polizei werden pro Jahr rund 80 bis 130 Angriffe—verübt durch homophobe oder transphobe Menschen—zur Anzeige gebracht; die Dunkelziffer ist noch viel höher. In Wien ergab sich in einer repräsentativen Umfrage, dass knapp ein Viertel der Homosexuellen schon einmal sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum erfahren hat.

Wie es aussieht, scheinen die homophoben Arschlöcher gerade auch weltweit völlig abzudrehen: In Sydney soll ein 62-Jähriger Salzsäure in einen Gleitgel-Spender eines Schwulenclubs gefüllt haben. Sicherheitsleute im "Aarows Club" haben den Mann am Samstag auf frischer Tat ertappt. Nun muss sich der Wiederholungstäter wegen versuchter Körperverletzung vor einem Gericht verantworten. Salzsäure in Gleitgel-Spender? Was geht denn ab mit den Leuten?!