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Sex

Das Penis-Selfie ist der Blumenstrauß unserer Zeit

Warum es so rührend ist, wenn Männer Bilder von ihren Erektionen verschicken.

von Lena Steeger
15 Juni 2016, 10:10am

Titelfoto: VICE Media

Innerhalb weniger Wochen haben mir zwei Männer Bilder und Videos ihrer erigierten Penisse geschickt. Ich habe nicht um diese Bilder gebeten. Zu schätzen weiß ich sie durchaus. Letztendlich wollen die Männer ja sagen: Du machst mich scharf. Ich will mit dir schlafen. Es ist vielleicht nicht die subtilste Ausdrucksweise. Aber hey, im Grunde ist es ein schönes Kompliment. Das Erektions-Selfie ist quasi der Blumenstrauß unserer Zeit. Und allein schon deshalb sollte man es würdigen.

Die Bilder und Filme, dich ich bekam, stammten von netten Männern, der eine ist Koch, der andere Fotograf. Ich finde sie attraktiv. Nackt gesehen hatte ich keinen von ihnen zuvor. Ich habe die Bilder und Videos genau angeguckt. Mehrfach. Sie faszinieren mich. Am wenigsten faszinieren mich dabei allerdings die Penisse.

Das Spannendste an den Aufnahmen ist das, was man nicht sieht. Der Fotograf filmte sich, wie er sich vor einem großen Wandspiegel einen runterholt. Am Ende kommt er und der Spiegel ist großflächig mit Sperma bespritzt. Ich stelle mir vor, was er gemacht hat, bevor und nachdem er auf die Aufnahmetaste gedrückt hat. Zuvor hat er sich vor den Spiegel gekniet, ausgetestet, wie er sein Handy im richtigen Winkel hält, vielleicht das Licht noch justiert, denn er ist ja von Beruf Fotograf, ein ziemlich erfolgreicher sogar. Deswegen will ich denken, dass er anspruchsvoll war. Wahrscheinlich musste er dabei aufpassen, seine Erektion nicht zu verlieren. Als er fertig war, so stelle ich es mir vor, zog er seine Unterhose wieder an und blickte auf den verdreckten Spiegel. Er hat sich dann vermutlich Küchenrolle oder Klopapier geholt, aus dem Putzschrank den Glasreiniger und sein Sperma vom Spiegel gewischt. Die Vorstellung dieses Mannes, der halbnackt sein Sperma von einem Spiegel in seinem Fotostudio wegputzt, rührt mich zutiefst.

Der ein oder andere Finger bewegt sich auf der WhatsApp-Senden-Taste sicher zu flink. Aber wir Frauen können vermutlich auch nicht erwarten, dass alle Männer die kanadische Studie aus dem Jahr 2007 kennen. Wissenschaftler aus Toronto fanden nämlich schon damals raus, dass Fotos und Videos von nackten Männern Frauen so geil machen wie Bilder des schneebedeckten Himalaya-Gipfels. Wirklich. Exakt so geil.

Die Forscher zeigten Frauen Filme mit allen möglichen Sexpartner-Konstellationen. Mit Hilfe eines vaginalen Photoplethysmographen—ich will gar nicht wissen, was das ist—maßen sie ihre Erregung. Ergebnis: Heterosexuelle Frauen fanden alles Mögliche heiß. Frauen, die mit Frauen schlafen, Frauen mit Männern, Männer mit Männern. Und selbst Filme, in denen Zwergschimpansen rammelten. Zwergschimpansen!

Dann allerdings zeigten die Forscher den Ladys Bilder von nackten Männern alleine bei Gymnastikübungen. Am Photoplethysmographen regte sich nichts. Vergleichbare Null-Ausschläge zeigten nur die Aufnahmen von verschneiten Berggipfeln im Himalaya.

Es ist aber auch nicht so, dass gar nichts an den Penis-Filmchen sexy ist. Anders als viele Empfängerinnen von Dick-Pics hatte ich allerdings auch Glück. Die beiden Männer waren mir sympathisch und ich fand sie schön. Es war heiß, wie sich der Mund des Kochs am oberen Bildschirmrand vor Erregung öffnet und schließt. Ich mochte auch sehr das Stöhnen des Fotografen und wie sich die Muskeln in seinem flachen Bauch wölben und senken. Es sind die Details, weswegen ich mich auch zukünftig über Penis-Filme freuen werde—und das Unsichtbare. Der Koch zum Beispiel filmte sein Wichs-Filmchen in der Toilette seines Nobelrestaurants. Wenige Minuten später trafen die ersten Gäste zum Dinner ein.