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Ein Killerspiel für Suizidgefährdete

Ein Spiel über die depressive Verzweiflung eines Typen, der mit Drohnen Menschen im Nahen Osten umbringt.
21.2.12

Nachdem es erfolgreich die Fast-Food-Industrie, die großen Religionen und das geregelte Arbeitsleben mit ihren süffisanten Videospielen lächerlich gemacht hat, kehrt das italienische Kollektiv Molleindustria zurück und bringt ein neues Spiel heraus. Molleindustria zeigt uns diesmal nur, was eigentlich klar sein sollte. Unser Blick wird auf die schädlichen Auswirkungen von Videospielen, moderner Misserziehung und Droneneinsätzen der Amerikaner im Nahostkonflikt gerichtet. Drei augenscheinlich sehr unterschiedliche Themen—bis auf die Tatsache, dass sie sich negativ auf den Menschen auswirken—werden in Unmanned wunderbar miteinander vereint. Das stumme Abenteuer beginnt damit, dass der Protagonist von der Arbeit träumt, wie viele von uns, außer dass sein Job das Steuern einer unbemannten Drone ist. Er sinniert über die Konsequenzen seines Jobs, während er von dir rasiert wird. Wenn du die Rasierklinge zu schnell bewegst, schneidet er sich. Die Schnittwunden bleiben im ganzen Spiel erhalten. Obwohl die Grafik sehr einfach gehalten ist, gelingt es Molleindustria, die unangenehme Erfahrung, die man erlebt, wenn man sich beim Rasieren schneidet, in Bild und Ton einzufangen. Bei mir zog sich innerlich alles zusammen.

Danach geht es ab zur Arbeit. Dort sehen wir unseren Charakter neben seiner verstimmten Kopilotin. Beide starren auf Monitore, auf denen sie ein Ziel nach dem anderen ohne Skrupel ausschalten. Zwischendurch geht er zum Rauchen nach draußen und findet sich später daheim mit seinem Spastiker-Sohn wieder. Der ist videospielsüchtig und hat eine Vorliebe für virtuelle Ballerspiele. Unser Charakter geht ins Bett und kämpft in einem äußerst realen Kampf gegen den Schlaf an—ein Schaf nach dem anderen.

Während des Spiels kannst du entscheiden, was du zu anderen Leuten im Spiel sagst. Nach dem ersten Abschnitt wirst du merken, dass du versuchst, ein guter Mensch zu sein, so als gäbe es die Möglichkeit, diesen Mann aus seiner schrecklichen Arbeitswelt und seinem abstoßenden Familienleben zu befreien. Die gibt es jedoch nicht. Jeder Abschnitt seines Tages ist einfach ein weiterer Irrweg seines Lebensstils und seiner Gedankenwelt.

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