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Verschwindende Völker

Im August ist ein indigenes Volk aus den Tiefen des brasilianischen Amazonas spurlos verschwunden, nachdem--so jedenfalls das Gerücht--peruanische Drogendealer in das Land eingedrungen waren.
3.11.11

Fotos mit Freundlicher Genehmigung von Survival International

Die Nanti leben ohne Kontakt zur Außenwelt tief im peruanischen Kugapakori-Nahua Reservat. Ihre Existenz ist durch Eingriffe in ihr Land und Krankheiten bedroht.

Im August ist ein indigenes Volk aus den Tiefen des westlichen brasilianischen Amazonas spurlos verschwunden, nachdem—so jedenfalls das Gerücht—peruanische Drogendealer in das Land eingedrungen waren. Der Vorfall wurde von den Medien kaum beachtet und bis heute weiß niemand, was genau passiert ist. Jetzt ist eine andere Gruppe im Südosten Perus bedroht. Um das Land für die Gasförderung durch große Konzerne wie Pluspetrol erschließen zu können, wurden die Indigenen mit Schreibwaren, Medikamenten und Jobangeboten bestochen.

Wir fragten eine Sprecherin von Survival International, einer Organisation zum Schutz der Rechte indigener Völker, warum die Situation so fatal ist.

VICE: Warum leben diese Völker ohne jeden Kontakt zur Außenwelt?
Christina Chauvenet: Sie haben sich dafür entschieden. Sie wissen von der Welt da draußen, aber sie haben oft schlechte Erfahrungen mit Fremden gemacht. Außerdem fühlen sie sich mit dem Land ihrer Vorfahren sehr verbunden und sehen keinen Grund, es zu verlassen.

Auf der Homepage von CNN habe ich vom Verschwinden eines ganzen Volkes erfahren. Warum interessiert das kaum jemanden?
Die Medien berichten mehr und mehr über die Situation, aber häufig sind es die Regierungen, die die Rechte der Indigenen verletzen, und die tun alles dafür, keine Informationen durchsickern zu lassen. Das ist zum Beispiel in West-Papua der Fall, wo Journalisten und Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen der Zutritt ins Land verwehrt wird. Außerdem gibt es negative Vorurteile, man hält die Indigenen für rückständig und meint, dass sie deshalb in die Mainstream-Gesellschaft integriert werden sollten. Aber fast immer, wenn diesen Gruppen der „Fortschritt“ aufgezwungen wird, sind die Konsequenzen katastrophal: Armut, Krankheiten, Depression und frühzeitiger Tod.

OK, aber wir kommen mit diesen Dingen ja auch irgendwie klar. Warum sollten diese Völker geschützt werden?
Erstens geht es hier um grundlegende Menschenrechte. Das Leben und die Existenzgrundlagen dieser Gruppen sind ernsthaft gefährdet. Im vergangenen Jahr ist der letzte Vertreter des Boa-Stamms auf den Andamanen gestorben. Mit ihm ist eine ganze Kultur untergegangen. Der Untergang von Kulturen bedroht die menschliche Vielfalt. Zweitens sind indigene Völker die besten Naturschützer. Sie kümmern sich um das Land, das heißt, damit schützen wir auch die unberührten Gebiete, die sie bewohnen.