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Reisen

Inmitten der Zombie-Apokalypse

Wenn die Menschheit ausgerottet wird, dann hoffentlich durch eine Zombie-Apokalypse, damit wir zum Schluss wenigstens noch ein paar unterdrückte Agressionen loswerden.
9.6.11

Wie ihr wisst, ist es eines der größten Hobbys der Menschheit zu versuchen, sich selbst auszurotten. Ich hoffe deshalb, dass wir unsere letzten Tage auf dieser Erde wenigstens zusammen mit wandelnden Untoten verbringen werden, denen man mit Macheten die Köpfe abhacken kann und so zumindest zum Finale unserer Zivilisation ein paar unterdrückte Agressionen loswerden kann.

Aus diesem Grund bin ich also am Wochenende zum Zombie Live Action Role Play in die Nähe von Magdeburg gefahren, um mich auf die bevorstehende Zombie Apokalypse vorzubereiten und mich ein wenig auszuleben.

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Ich hielte es für die beste Idee mich, kurz nach dem Ausbruch der Epidemie, mit zwei anderen Journalisten zusammenzutun, um für die Nachfahren möglichst aufschlussreich über das Ende der Welt zu berichten. Wir bewaffneten uns zunächst mit einfachen Repetiergewehren. So nennt man alle Schusswaffen, die man durch einen Mechanismus per Hand nachladen muss, was auf Dauer ziemlich ätzend ist und mich wünschen ließ, eine vollautomatische Waffe zu haben.

Außerdem entschied ich mich für einen schönen Bossierhammer, den ich benutzen wollte, um im Nahkampf Zombie-Köpfe zu zertrümmern. Das hört sich nun bitter an, aber es war ja alles nur ein Spiel oder so und unsere Gruppe ging eh mit einer anderen Motivation an die Apokalypse heran. Wir waren nicht unbedingt darauf aus, zu überleben; wir wollten in erster Linie Zombies jagen und uns endlich auf diesen verlassenen Planeten austoben. Allerdings wollten wir auch kein Risiko eingehen und uns sofort zum Fraß darbieten und zogen deshalb in einen nahgelegenen Wald, da uns die Straße nicht sicher genug erschien.

Als wir ein paar Minuten gerannt waren, hielten wir abrupt an und bemerkten, dass das Gekeuche und Gestöhne der Verwesenden mittlerweile von allen Seiten zu hören war. Wir hetzten weiter durch das Gestrüpp, bis uns in der Ferne ein einstöckiges Haus auffiel. Als wir uns näherten, hörten wir mehrere Zombies, die mit aller Gewalt versuchten durch die Fenster an der Seite in das Gebäude einzudringen, das von einer Absperrung umgeben war, hinter der sich die Uninfizierten verschanzt hatten.

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Als wir schließlich in der Nähe eine Rotte von ungefähr 10-20 Zombies bemerkten, die zielstrebig in unsere Richtung wankten, dachten auch wir uns, dass es vielleicht Zeit wäre die Sicherheit der Barrikaden aufzusuchen, doch bevor uns die Tore geöffnet wurden, mussten wir uns erstmal als Überlebende identifizieren. Eine anwesende Ärztin untersuchte unsere Biss und Kratzspuren, während eine Gruppe Soldaten und Söldner ihre automatischen Waffen auf uns gerichtet hielten.

Die Zombies schleppten sich immer näher, bis die Horde die Absperrung erreichte und versuchte an das breitstehende Futter zu gelangen.

Dicht an den Zaun gedrängt schlugen wir also mit Axt und Hammer auf die Blut verschmierten Köpfe, bis jeder einzelne der Zombies kraftlos den Zaun herunterrutschte und in den Dreck fiel.

Danach machten wir uns auf den Weg in die Baracke. Der Flur führte auf der einen Seite zu einer Art Saal, dessen Eingang mit Sandsäcken geschützt wurde und auf der rechten Seite befand sich ein Käfig, indem potenziell infizierte Patienten anscheinend unter Quarantäne standen.

Im Saal selbst kauerten ungefähr 30 Überlebende auf dem Boden, und versuchten sich auszuruhen. Die Luft war voller Staub, es war schwierig zu atmen und vor allem war es langweilig. Also verabschiedeten wir uns wieder, man wünschte uns noch viel Glück, als wir durch das Tor wieder auf die Straße traten. Dort entschied sich eines unserer Teammitglieder, Kevin, der ebenfalls die Apokalypse dokumentierte, dass er mit einem Mädchen alleine weiterzuziehen müsse, um ihre Freundin zu suchen, zu retten, oder was weiss ich, was er im Kopf hatte, denn wahrscheinlich war sie bereits eh hinüber und war gefressen worden.

Wir verabschiedeten uns von ihm, in der Hoffnung, dass er gute Fotos macht, wenn seine neue kleine Freundin in Stücke gerissen wird.

Wir hingegen liefen alleine weiter und fingen an aus Spaß umherirrenden Zombies in die Köpfe zu schießen.

Nach einer Weile fanden wir uns wieder tief im Wald, als wir zwei Silhouetten in der Dunkelheit bemerkten. Wir standen uns eine Zeitlang reglos gegenüber, da jeder von uns annahm, Zombies vor sich stehen zu haben. Als wir schließlich die Schnauze voll hatten und eine Kugel in den Lauf luden, fingen unsere Gegenüber an mit uns zu reden. Wir gingen näher auf sie zu, konnten den Geruch von schlechtem Parfum in unserer Nase spüren und im Mondlicht erkannten wir, dass wir zwei waschechte Luden vor uns hatten.

Der eine, der sich Kosta der Grieche nannte, erzählte uns, dass sie beide aus Hannover kommen und dort ihr Geld mit Zuhälterei verdienen würden. Nachdem die Stadt in Panik ausgebrochen war, packten sie ihr Geld, eine Unterhose und ihre Revolver zusammen und fuhren los. Sie warnten uns vor einem Haus, von dem sie gerade kamen, dass von Zombies nur so wimmeln sollte, wir erzählten ihnen von einem Militärstützpunkt von dem wir gehört hatten und beschlossen sie dort hin zu begleiten. Als Dankeschön boten sie uns eine Nase an und wir fingen an uns mit ihnen zu betrinken.

Die Typen waren super, aber nachdem wir alles ausgetrunken hatten, fiel uns Kevin wieder ein, der von seiner Heldenmission noch nicht wieder zurück war, aber wir waren betrunken und fühlten uns großartig genug, um zum Spaß noch ein paar Zombies zu schlachten.

In der Nähe befand sich das Haus von dem sie uns erzählt hatten und durch dessen Fenster konnten wir die Umrisse von drei bis fünf Zombies erkennen, die hin und her wankend in den Zimmern herum lungerten. Wir schossen ein paar von ihnen in den Kopf und tasteten uns durch die Eingangstür ins Treppenhaus. Im Treppenaufgang sah ich wie mehrere Leute, die sich hinter einer Tür verschanzten, auf uns zielten. Wir stiegen also die Treppe herauf und wurden durch die Absperrung gelassen.

Oben trafen wir schließlich Kevin wieder, der sich hier mit ungefähr 20 weiteren Überlebenden einquartiert hatte. Er erzählte uns seine Geschichte, doch in diesem Augenblick kam ein dickbäuchiger Überlebender die Treppen hochgerannt, der zwei Untote im Schlepptau hatte. Ein anderer Zombie kam von rechts und biss ihm ein großes Stück Fleisch, ich vermute es war sein Doppelkinn, aus seinem Hals.

Ich wurde übermütig, ging einen Schritt nach vorne und schlug mit meinem Hammer auf den Kopf des Zombies ein.

Zur selben Zeit schlurften die beiden anderen Zombies in meine Richtung. Ich stieg die Treppe wieder hinauf, wurde aber von einem dieser Biester am Knöchel gefasst. Ich stürzte auf der Treppe und sofort fielen die beiden über mich her. Ich sah die anderen Überlebenden auf der Treppe, wie sie auf die Zombies und mich einschossen. Mich erwischte eine Kugel und das wars. Ich war tot. Untot.

Mehr Fotos der Zombie-Apokalypse findet ihr Hier.