FYI.

This story is over 5 years old.

News

Der Pitbull als Politiker, oder: Franz Strohsack will doch nur ausreden!

Kürzlich ist Frank Stronach mit seinem Ego in den österreichischen TV-Nachrichten Gassi gegangen. Lest hier, was das mit Pitbulls und unserer Zukunft zu tun hat.
4.7.12

Kürzlich gewährte Verschwörungstheoretiker, Euro-Skeptiker und Magna International-Gründer Frank Stronach (geborener Franz Strohsack) seinem sympathischen Naturell im ZIB 2-Studio Auslauf und erfreute das kollektive österreichische Herz mit einem schönen Sittenspiel. Das muss man sich in etwa so vorstellen, wie wenn eine Elfjährige mit ihrem Pitbull Gassi geht, wobei die Elfjährige Stronachs Körper und der Pitbull Stronachs Geist ist. Und wie wir wissen, sind Pitbulls zwar nicht dumm, aber ziemlich stur und nicht gerade leicht in der Handhabung, sofern man unter Handhabung nicht versteht, sich von seinem Haustier wie ein willenloser Crashtestdummy durch den Dreck schleifen zu lassen. Andererseits zahlen die meisten Haustiere auch keine Steuern und selbst wenn, wären die Beträge sicherlich um ein ganz schönes Eck niedriger als jene, die Frank Stronach als Lebenserhaltungsmaßnahmen in den österreichischen Staatshaushalt hinein defibrilliert. Also Pitbull hin oder her – Stronach lässt sich sein TV-Pipi jedenfalls nicht nehmen.

Den BZÖ-Freund flankiert dabei eine gewisse Laissez-faire-Haltung gegenüber TV-Konventionen (Hallo sagen, Antworten geben, sitzenbleiben), der Wunsch nach der Rückkehr zum Schilling und die Hoffnung, nicht von Fragen unterbrochen zu werden, weil das "nicht so nett und auch nicht so schön" ist. Ach so ja, und Wirtschaftsexperten sind seiner Meinung nach "bulls without balls", die ja keine Arbeitsplätze geschaffen haben und gar nicht wissen, wie man Arbeitsplätze schafft, was wissen die also schon über Arbeitsplätze, er hat immerhin Arbeitsplätze geschaffen und ist stolz darauf. Das alles klingt für mich wie die Job Description eines Regierungspolitikers, also vielleicht sehen wir hier ja den Probedurchgang einer kommenden Kandidatur? Aber lasst euch doch vom Meistermagnaten selbst beseelen:

Man kann sagen, was man will (SOLANGE MAN MICH ZUERST GEFÄLLIGST AUSREDEN LÄSST, VERDAMMT NOCH MAL, ODER WOLLT IHR MIT MIR STREITEN?), aber mir gefällt das Trendpotenzial, das sich mit Stronachs Auftritt hier auftut – nämlich die Umwidmung der TV-Nachrichten zum televisuellen Thermenurlaub der Superreichen, also sprich: der eifrigsten aller Steuerzahler. Gerade im Sommer sollte so ein Fernsehstudio den wirklich großen Staatsdienern jederzeit für Wortmeldungen im Live-Programm offenstehen, genau wie es das schon seit vielen Jahrzehnten für uns Normalbürger tut. Schluss mit der Diskriminierung der Be-bling-ten! Mehr Sendezeit für alle! Her mit den Zuschaltungen via Skype! Wir wollen mehr echte, ungeschönte Wahrheiten aus den Villensalons des Landes hören!

Und wenn das schon nicht geht, sollte zumindest jeder Milliardär seine eigene Lou Lorenz-Dittelbacher bekommen. Mit der habe ich übrigens vor einiger Zeit mal telefoniert und sie hat mir dabei so zuckersüß ins Trommelfell gefiept und tausendmal Danke gesagt, dass ich mir jetzt richtig vorstellen kann, wie während des Gesprächs mit Stronach ihr persönlicher Happy Place von Pitbullzilla zu Staub und Asche zerfickt wird.

Anzeige

Unklar bleibt indes, ob der Kartoffelmann nun wirklich eine Partei gründen will oder ob das alles nur das Mutbürgergerede eines plappernden Feingeists ist, der bei seinem Kaffeekränzchen im TV einfach mal die Assoziationen rausgelassen hat wie ein Darmkranker das letzte Frühstücksomelett. Die nötige Sprachstörung für eine große Politikerkarriere in Österreich hätte er jedenfalls schon – und wie beim letzten sympathischen Friedensbringer wird sie auch im Falle von Monarch Stronach anhand eines eklatanten "R"-Fehlers manifest, nur dass er es nicht rollt, sondern "rawlt". Der Unterschied ist sicher, dass Stronach glaubt, was er sagt, aber wenn das, was man glaubt, die Rückkehr zum Schilling für unser aller Wirtschaftsheil und der Bau eines Vergnügungsparks mit einer 110 Meter messenden Erdkugel in Ebreichsdorf ist, dann mindert die Authentizität seiner Aussagen die Erkenntnisresistenz derselben leider nur sehr bedingt.

Wer das Ganze zwar vollinhaltlich schon nachvollziehen will, aber sich dabei gern den Audiocaust aus Franzis Mund erspart hätte, kann hier das Transkript zum Zeit im Bild-"Interview" nachlesen. So auf seine blanke Niederschrift reduziert, wirkt das Gespräch fast noch besser. Manche von euch Hassern mögen jetzt vielleicht sagen, Stronach spinnt und gehört in seine Firma gesperrt, wo er im Gegensatz zur österreichischen Bundespolitik wenigstens nur mit 115.000 Menschen Unfug treiben kann. Aber nicht ich. Stattdessen ist es mir wichtig, lösungsorientiert an die Sache heranzugehen. Deshalb habe ich drei Tipps eines Pitbull-Trainers zusammengetragen, aus denen wir vielleicht noch etwas mitnehmen können:

Anzeige

TIPPS FÜR DEN UMGANG MIT PITBULLS:

1. STURHEIT

"(…) you should understand that his stubbornness comes from his intelligence, and that you shouldn't take it personally. Just because he doesn't want to do what you want him to do at a specific time doesn't mean he doesn't love you. If you can simply treat it for what it truly is, stubbornness, then you'll both make out just fine. Always meet their hard headed ways with patience and understanding. Certainly don't give up on their training, just be a little more stubborn than they are!"

2. SPIELTRIEB

"You may want to consider using a type of training called play training. This type of training appeals to Pit Bulls because they absolutely love to play. When a training task is presented as a fun game, the task will appeal to the dog's inner desire for play. With this technique, you can outwit the stubbornness you may have encountered with any other type of training."

3. GEBISS

"When purchasing toys for your Pit Bull, keep in mind those strong jaws this breed is famous for. You'll want to purchase toys that are geared to survive for the long haul. Be sure to get toys which will not break apart easily and injure your Pit Bull. Above all, enjoy your new found friend!"

So weit, so gut. Was davon sich nun im konkreten Fall auf Frank Stronach anwenden lässt, muss jeder selbst entscheiden. Oder wir treffen uns alle in einem Plenum und entscheiden gemeinsam. Und mit Plenum meine ich Party. Und mit entscheiden meine ich Gusch. Für viele ist der frühere Strohsack trotzdem eine Inspiration und eine Quelle der unverblümten Korrektheit. Unter den YouTube-Kommentatoren des ZIB2-Videos (jeder ist ein Kritiker) herrscht der Tenor, dass der Stronach halt sagt, wie es ist und dabei wenigstens nicht so aalglatt ist, wie der handelsübliche Großmarktpolitiker von der Vorwahlstange. Ein Kommentator weist dann doch noch auf ein Manko hin, denn "er kann halt die Sprache noch nicht besonders gut, aber er hat ja recht im Grunde." Verdammt richtig. Und mit jenen Internet-Usern, die nicht einmal wissen, dass Stronach ursprünglich aus Österreich kommt, hat der Industrielle wohl auch gleich das richtige Sinusmilieu für seine Wählerstimmen erreicht.

Für mich ist er trotz allem nichts und ich sage euch auch, wieso: Im gesamten Internet gibt es kein einziges lustiges Foto von ihm. Das verstört. Und es macht misstrauisch. Entweder bezahlt der Milliardär einen ganzen Trupp von Medienbeobachtern, die sofort jeden in Grund und Boden verklagen, der einen Stronach-Schnappschuss hochladen will, oder aber sein Gehirn produziert zu wenig Dopamin und der Mann kennt einfach keinen Schabernack. Hier seht ihr ihn im direkten Vergleich mit seinem BZÖ-Kumpel Josef Bucher:

Aus seiner Zeit als Fußballtrainer stammt das Zitat: „Der beste Trainer kann nichts machen, wenn die Spieler keine Kondition haben." Bei wem er also die Fehler sucht, ist damit ziemlich eindeutig formuliert. Er schafft immerhin Arbeitsplätze, während die Staaten mit ihrer neuen Währung nur alles gegen die Wand fahren. Da kann man sich schon mal ein bisschen Sendezeit und ein bisschen mehr Dankbarkeit erwarten. Jedenfalls keine Widerrede. Frank Stronach ist damit nicht nur ein Magnat, sondern auch wie ein Magnet: Der hat nämlich auch keine Anziehungskraft auf Menschen und elektronische Zahlungsmittel werden in seiner Gegenwart wertlos. Mahalo!