So ziemlich alles, was jemals in einem Club passiert ist—Teil 1

Unser umfassendes Kompendium des Clubbings.

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Juli 13 2015, 2:00pm

In Clubs passieren Dinge. Hier ist der erste Eintrag unseres umfassenden Kompendiums über wirklich alles, das jemals in einem Club passiert ist.

1) Ein Mann, der leicht nach billigem Hackfleisch und Haargel stinkt, steht neben einer jüngeren Frau, in der Hoffnung, dass seine ungefragte körperliche Nähe sie dazu bringt, sofort mit ihm zu tanzen.

2) Ein Mann, der recht stark nach billigem Parfüm und U-Bahn riecht, steht neben einer jüngeren Frau, in der Hoffnung, dass seine ungefragte körperliche Nähe sie dazu bringt, sofort mit ihm zu tanzen.

3) Ein Mann, der nach entfesselter Verzweiflung und Billig-Bier stinkt, steht neben einer jüngeren Frau, in der Hoffnung, dass seine ungefragte körperliche Nähe sie dazu bringt, sofort mit ihm zu tanzen.

4) Ein Mann, der bis zum Himmel nach spießbürgerlicher Verzweiflung und miesen Lebensentscheidungen stinkt, steht neben einer jüngeren Frau, in der Hoffnung, dass seine ungefragte körperliche Nähe sie dazu bringt, sofort mit ihm zu tanzen.

5) Ein Tourist mit Shutter Shades steht regungslos auf der Tanzfläche, aber schafft es trotzdem irgendwie, dreizehn Leuten im Weg zu stehen.

6) Im Raucherbereich kommt jemand zu dir, der dir vom Sonnenaufgang im Café Del Mar erzählt, obwohl ihr gerade in einem Betonbunker im Hinterhof einer ehemaligen Spielhalle in der Kälte steht und Big John auflegt, nicht Alfredo, der „I Like the Way You Move" von den Bodyrockers spielt, nicht „Women of Ireland" von Bob James.

7) Du kaufst einen Schnaps für einen Freund, den du nicht mehr wirklich magst, weil du die ganze Mühe, mit ihm in den Club zu gehen, auf dich genommen hast und die Atmosphäre nicht wirklich passt und der DJ nicht wirklich passt und das Publikum nicht wirklich passt und eigentlich alles ziemlich beschissen ist, früh nach Hause zu gehen sich aber wie eine Niederlage anfühlen würde. Also kaufst du ein oder zwei Schnäpse und schüttest das Zeug freudlos runter, dir wird sofort schlecht und du merkst, wie dir die Übelkeit den Hals hochsteigt, du schluckst sie runter und lächelst deinen Freund an und spürst die Übelkeit die ganze Nacht, aber du lächelst deinen Freund weiter an und irgendwann gehst du nach Hause und du spürst die Übelkeit noch immer, nur dass sie sich mit Burgersoße, verbranntem Hühnchen und rohen Zwiebeln vermischt hat und du starrst in den Spiegel und fragst dich, wer du geworden bist, dein Handy piept und du siehst drauf und es ist der Freund, den du nicht mehr wirklich magst, der dir sagt, was er für eine großartige Zeit hatte und dass ihr das nächste Woche wieder machen solltet und weil du so ein rückgratloser Penner bist, stimmst du zu, gehst ins Bett und schließt deine Augen, aber nicht einmal der Schlaf lässt dich vor der Person fliehen, zu der du geworden bist. Trotzdem, zwei Tequila für einen Fünfer sind heutzutage ja echt billig.

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8) Du stehst da, siehst dir einen DJ an, den du schon seit Ewigkeiten sehen wolltest, du hast dich die ganze Woche darauf gefreut und bei Facebook darüber gepostet und du hast der ganzen Welt bei Twitter gesagt, dass du hingehst, und du hast Freunden geschrieben, um ihnen zu sagen, dass der DJ, den du seit Ewigkeiten sehen wolltest, gerade angefangen hat, und nach zehn Minuten bist du gelangweilt, rastlos, dir wird die Sinnlosigkeit von Erwartungen schrecklich bewusst. Also bewegst du dich weiter weg vom Gedränge. Du gehst zur Toilette und während du pinkelst sprichst dir Mut zu. Das ist super, sagst du laut. Das ist super und das ist es, was ich wollte und das ist super, weil ich bekomme, was ich wollte. Also gehst du zurück ins Gedränge. Und du bringst dich selbst zum Lachen. Du tanzt zwei Sekunden. Und gibst auf. Du schleichst raus. Du nimmst deinen Mantel. Du erzählst am nächsten Tag jedem, wie großartig Villalobos/Klock/Kraviz/Harvey/Hood war. Du wirst für immer mitdieser Lüge leben müssen.

9) Du stehst in der Schlange vorm Club und die Vorfreude wird immer größer. Du haust dir mit deinen Kumpels das letzte Bier rein und alles läuft gut, bis irgendein aufgedrehter ewiger Modestudent mit Tumblr beschließt, dass seine/ihre alles durchdringenden Laute und affektierte Sprache von jedem anderen in der Schlange gehört werden sollte. Deine Vorfreude schwindet. Der Abend steht auf der Kippe. Dann wird er/sie von einem der Türsteher brutal zurückgewiesen, weil er/sie nicht auf der Gästeliste steht. Alles ist gut. Alles ist in Ordnung. Alles ist großartig.

10) Du bist die jüngste/älteste Person im Raum und es fühlt sich toll/deprimierend an.

11) Irgendwer denkt darüber nach, jemanden aufzureißen.

12) Irgendwer ist kurz davor, jemanden aufzureißen.

13) Irgendwer reißt jemanden auf.

14) Irgendwer hat gerade jemanden aufgerissen.

15) Irgendwer hat gerade jemanden aufgerissen und versucht verzweifelt, ein Taxi zu bekommen.

16) Der DJ spielt eine Platte, die du schon seit Langem scheiße findest, weil du eines Tages für dich beschlossen hast, dass es eine abscheuliche Tat ist, wenn ein DJ eine Platte spielt, die du mochtest, bevor du sie im Club gehört hast.

17) Der DJ sieht aus, als würde er seine E-Mails checken. Das ist lustig, weißt du, weil DJs heute manchmal Laptops benutzen und wenn ein DJ seinen Laptop anschaut, um den nächsten Track auszuwählen, dann sieht es fast so aus, als würde er nur mit seinem Macbook rumspielen. Es ist also total witzig in so einem Moment, sich an seine Freunde zu wenden und sie zu fragen, ob sie das nicht lustig finden und ob das nicht aussieht, als würde der DJ seine E-Mails checken.

18) Dem DJ wird wiederholt von Typen in schwarzen T-Shirts mit tiefem V-Ausschnitt auf den Rücken geklopft. Jeder Schlag auf den verschwitzten Rücken—der Klang von nassem Fleisch und triefender Baumwolle hallt durch den Club—ist anerkennender und irritierender als der vorherige.

19) Der DJ sieht aus, als wäre er da oben wirklich sehr gelangweilt, und du fragst dich, wann der Punkt in einer DJ-Karriere kommt, an dem ein DJ mit der gleichen Art von Langeweile erfüllt ist, der die meisten von uns jeden Morgen begegnen, wenn wir uns zur Arbeit schleppen und uns durch Unmengen unnützer Daten wühlen. Ist es nach dem ersten großen Festival? Nachdem er zum ersten Mal Kokain von der Brieftasche eines PR-Menschen im Keller eines hippen Hotels gezogen hat? Als er zum ersten Mal um zwei Uhr nachts im Abflugbereich eines Flughafens außerhalb der Stadt saß und leise geweint hat—sich gewünscht hat, im eigenen Bett zu sein und beim Gedanken, seine Mutter sechs Monate nicht umarmen zu können, geschluchzt hat? Ist es genau jetzt, während er vom DJ-Pult zu dir herab und du mit traurigen Augen zu ihm hinauf schaust? Wahrscheinlich.

20) Der DJ spielt „Uptown Funk".

21) Irgendjemand auf der Tanzfläche furzt pausenlos rum, bewegt sich aber gerade genug, um nicht aufzufliegen.

22) Es ist jemand auf der Tanzfläche, der ein schickes Hemd und Halbschuhe trägt, und du hast unverhältnismäßig viel Mitleid mit der Person und jedes Mal, wenn du zum Rauchen raus gehst, siehst du diese Person dort stehen, rauchend, in ihrem schicken Hemd und den Halbschuhen und du willst mit deinen Freunden über sie reden. Die Person, in dem schicken Hemd und den Halbschuhen, steht aber zu nah bei euch, um darüber sprechen zu können, wie merkwürdig traurig es ist, jemanden in einem Club zu sehen, der ein schickes Hemd und Halbschuhe trägt.

23) Es ist jemand auf der Tanzfläche, der einen kompletten Trainingsanzug von Nasir Mazhar trägt und andauernd auf sein Handy schaut. Du hast Angst.

24) Es ist jemand auf der Tanzfläche, der ein bisschen so aussieht wie jemand, mit dem du zur Uni gegangen bist, also gehst du zögernd rüber und tanzt in der Nähe der Person und irgendwann erregst du die Aufmerksamkeit dieser Person und du sprichst sie an: Alles klar, Kumpel, wie geht's? Ja, nicht schlecht, danke, guter Abend, ja, sicher, abgefahren, cool, bis bald, lass uns ein Bier trinken, ja, wie geht's Clara, ah, ja, scheiße, tut mir leid, das zu hören, Mist, aber hey, das wird schon wieder, lass uns auf jeden Fall ein Bier trinken, cool, ja wir sehen uns gleich, genieß den Abend, aber in dem Moment, in dem die Worte deine Biergetränkten, fettigen Lippen verlassen, wird dir klar, dass das ein komplett Fremder ist, also gehst du schnell wieder.

25) Es gibt jemanden auf der Tanzfläche, der seine Freundin sehr, sehr fest umklammert—so fest, dass es für alle Umstehenden extrem unangenehm mitanzuschauen ist. Du kannst nicht anders, als dir über seine sexuellen Unzulänglichkeiten Gedanken zu machen.

26) Ein komisches Pärchen hängt bei der Bar rum, beide an ihren Handys, beide schreiben Nachrichten an andere Menschen darüber, wie sehr sie sich doch wünschen würden, nicht mit der Person im Club zu sein, mit der sie gerade hier sind, und lieber was mit den anderen Menschen machen würden, denen sie gerade Nachrichten schreiben. Die Menschen, denen sie gerade Nachrichten schreiben, schreiben sich währenddessen gegenseitig Nachrichten darüber, wie das Pärchen im Club Nachrichten an seinem Handy schreibt, anstatt miteinander zu reden.

27) Eine Person, die etwas zu alt für den Club ist, schaut sich in besagtem Club um und zuckt innerlich zusammen, schließt ihre Augen und versinkt immer tiefer im Treibsand des Bedauerns. Sie denkt darüber nach, wie es damals war, wie es damals hätte sein können und hätte sein sollen, bevor das das, was sie gerade erleben, noch das das war und das das perfekt und rein war und nicht das das war, das es jetzt ist.

28) Ein Typ, der damals total auf Acid House stand, jammert jeden, der ihm zuhört, damit voll, dass Acid House der beste House ist und dass er sich wünscht, dass der verdammt beschissene DJ, der gerade beschissene Platten auflegt, einfach Acid House auflegen soll. Er denkt keine Minute darüber nach, warum er nicht einfach zu einer Acid House Party gegangen ist, weil für ihn alle Musik der Acid House sein sollte, mit dem er aufgewachsen ist, der Acid House, zu dem er seine erste Pille geworfen hat, der Acid House, zu dem er zum ersten Mal gevögelt hat, der Acid House, aus dem er seine komplette Identität schöpft und aus dem er niemals herauswachsen kann, weil aus diesem Acid House herauszuwachsen, bedeuten würde, aus sich selbst herauszuwachsen, und aus sich selbst herauszuwachsen, zu einer tiefen Existenzkrise führen würde, aus der es für ihn kein Entkommen gäbe. Ständig fragt er den DJ, ob er nicht was von Phuture hat. Der DJ hat nichts von Phuture.

29) Eine Gruppe Mädchen aus einem anderen Ort als dem, in dem sie jetzt gerade sind, steht herum und fotografiert sich gegenseitig, während sie mit Sekt auf Eis in der Hand posierend. Der Sekt ist etwas teurer als früher und muss deshalb auch demonstrativ mehr genossen werden. Wenn sie sich dann am nächsten Morgen die Fotos anschauen, fällt allen auf, dass Kim die traurigen, toten Augen von jemandem hat, der realisiert hat, dass jede getroffene Entscheidung in ihrem Leben zumindest im Ansatz falsch war. Sie sagen nichts zu Kim. Kim sagt nichts zu ihnen.

30) Eine Gruppe bulliger Jungs mit Gürteltaschen aus dem näheren Umland tanzt oben. Kippen baumeln von ihren blassen Lippen, sie teilen sich eine Dose Red Bull, sie schwitzen Sturzbäche, ihre Augen rasen wild von einer Ecke zu anderen. Happy Hardcore, sagen sie dir immer wieder, will never die. Happy Hardcore, sagen sie dir immer wieder, war nie weg. Will never die. War nie weg.

31) Du beobachtest einen total missglückten Drogendeal im Raucherbereich. Der vermeintliche Käufer hat offensichtlich so etwas noch nie in seinem Leben gemacht und beschert beiden einen Haufen unnötiger Probleme. Der Dealer sieht mit jeder Sekunde angepisster aus und vor deinem inneren Auge spielt sich eine grausame Montage mit ausgerissenen Fingernägeln, durch Fenster fliegenden Pflastersteinen und einem Infusionsgerät ab.

32) Du beobachtest jemanden, dessen Drogendeal offensichtlich sehr, sehr gut gelaufen war. Die Person schwitzt wie ein beleibter, deutscher Tourist in der Mittagshitze von El Arenal und säuft Wasser, als würden hier gleich alle Hähne für immer abgestellt werden. Mechanisch reckt die Person immer wieder ihren Arm in die Luft und löst in Zeitlupe die geballte Faust.

VICE: Ohne Ecstasy wäre die Welt ein schlechterer Ort

33) Du beobachtest, wie ein Tinder-Date gehörig in die Hose geht. Ein Teil des potenziellen Pärchens kann offensichtlich nicht tanzen und versucht sein Manko durch eine letztendlich abgebrochene Reihe körperlicher Annäherungsversuche zu kompensieren, die den Date-Partner ein für alle mal vergraulen.

34) Du beobachtest, wie alle um dich herum die Zeit ihres Lebens haben und bekommst langsam Panik, warum du keinen Spaß hast, warum du nicht bist wie sie, warum du nicht einfach loslassen und dein Leben leben kannst, warum du nicht tanzt und auch später nicht tanzen wirst, warum du jedem Aspekt deines Lebens das letzte Fünkchen Spaß raubst. Und du gehst nach Hause und schwörst dir, alles anders zu machen, obwohl du sehr genau weißt, dass du das niemals tun wirst.

35) Du erwischst dich, wie du kurz davor bist, Spaß zu haben, bevor dir wieder einfällt, dass du eigentlich ein ganz jämmerliches Stück Scheiße bist, und du dich wieder etwas zügelst.

Teil 2. folgt in Kürze.

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