party-patriotismus

Diesen Shot würden wir nicht mal aufs Haus nehmen …

Ein patriotischer Erfinder will 40.000 € für den ekligsten Drink einsammeln, den du dir vorstellen kannst.
18 April 2016, 2:30pm
Screenshot: Startnext.com

Die Partypatrioten schlagen zurück. Unter dem Namen „Glasbanner - Die Deutsche Trinkolore" (höhö) sucht der 35-jährige Student Lars Tanger gerade Geld, um die vielleicht scheußlichste Alkoholkreation des Jahres umsetzen zu können: einen Shot in Form einer Deutschlandfahne. Auf Startnext sammelt Tanger gerade Unterstützer um noch vor der Fußball EM insgesamt 3.000 Liter Likör produzieren zu können. Jeder Likör mit unterschiedlicher Dichte, damit er sich in Kombination zu einem schwarz-rot-goldenen Schichtcocktail aufgießen lässt, und jeder in einer, klar, eigenen Farbe und Geschmacksrichtung. Dabei orientiert sich der Erfinder—als ob das ganze Projekt denn ohnehin nicht schon fragwürdig genug wäre—am Fürst-Pückler-Eis, also an der Mischung Schoko-Erdbeer-Vanille. Lecker.

Und die Pückler-Kombination hat noch einen weiteren vermeintlichen Vorteil: Keine Magengeschwüre wegen blöder Anfeindungen als rechter Trinker!

Schließlich war Fürst von Pückler-Muskau „Abenteurer und Kosmopolit, der die Welt bereiste um das Fremde zu entdecken", wie es auf der Crowdfundingseite heißt. „Sein Leben war eine Party, sein Lebenswerk, der Muskauer Park, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und sein Grab ist eine Pyramide. Mit Fürst Pückler als Identifikationsfigur wird unser lieb gewonnener Party-Patriotismus nicht nationalistisch instrumentalisiert und wir können unbeschwert feiern." So einfach ist das.

Nach erfolgreicher Finanzierung können Unterstützer für 35€ oder mehr ein Paket mit drei Flaschen erwerben. Zum Deutschlandkissen, Deutschlandschal und Deutschlandhut kommt jetzt also noch was hinzu.

Der seit 2006 grassierende „Party-Patriotismus" hat übrigens keinerlei positive, sprich: mindernde, Effekte auf die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gehabt. Forscher und Forscherinnen wie Dr. Ulrich Wagner, Professor für Sozialpsychologie in Mannheim kommen darüber hinaus auch zu dem Schluss, dass Patriotismus und Nationalismus zwar voneinander verschieden sind, der „Party-Patriotismus" aber fließend in Letzteren übergeht.

Bei „Party-Patrioten" übernimmt die Identifikation mit dem Land zwar nicht die Hauptrolle, sagte Wagner vor drei Jahren gegenüber der SZ, jedoch: "Wenn sie aber hochgekocht wird, dann kommt es auch bei Patrioten zu dem gleichen negativen Effekt wie beim Nationalisten."

Zumal die Bewegungen von AfD und Pegida in ihren Ausmaßen ohne den oft bemühten „unverkrampften Patriotismus" Marke 2006 schwerlich vorstellbar sind. Auch wenn man sich auf der Facebook-Seite gegen die Verwendung von Schwarz-Rot-Gold durch derlei Kräfte stellt: Das „Glasbanner" destilliert die Deutschland-Identifikation eben nur sprichwörtlich, statt sie „hochzukochen".

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