Zu funky für N.W.A.—dieser Produzent ist kurz vor ‚Straight Outta Compton‘ ausgestiegen

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Zu funky für N.W.A.—dieser Produzent ist kurz vor ‚Straight Outta Compton‘ ausgestiegen

Sein Name ist Arabian Prince und er war einer der Ersten, die HipHop mit Dance-Musik vermischt haben.
18.9.15

In einem Krabben-Laden in Marina Del Rey findet eine kleine Gruppe einflussreicher, aber weitestgehend unbekannter HipHop-Künstler für eine Geburtstagsparty zusammen. Das Geburtstagskind ist ein Mann namens Egyptian Lover. An seiner Seite befinden sich seine alten Freunde Arabian Prince, Greg Mack und ein Mann, der auf den Namen Snake Puppy hört. Die Geschichte dieser Männer ist weitestgehend unbekannt, aber sie waren Pioniere bei der Entstehung von West-Coast-HipHop und gehörten zu den ersten, die Dance-Musik mit Rap vermischt haben. Sie haben ein Genre geschaffen, das als Electro-Funk bekannt ist.

Ihre Version von Electro-Funk klingt wie eine Mischung aus Kraftwerk, Rick James und Parliament-Funkadelic. Mit 130 BPM, futuristischen Synthies und 808er-Beats haben sie den Soundtrack für die Straßenszene im L.A. der frühen 80er geliefert. DJ-Crews wie Uncle Jamm's Army haben im Veterans Auditorium Partys veranstaltet und regelmäßig für ein ausverkauftes Haus in der 10.000 Leute fassenden L.A. Sports Arena gesorgt. Der oben genannte Greg Mack, einer der ersten DJs des einflussreichen L.A.-HipHop-Radiosenders K-DAY, hat diesen Musikstil 1983 in den Mainstream gebracht.

Arabian Prince in den späten 80ern.

Heute hat Arabian Prince, der mit richtigem Namen Kim Lezan heißt, mit seiner Prince-Persönlichkeit von 1982 nicht mehr viel gemeinsam. Das Los Angeles dieser Zeit war ein abgefahrener Ort für Partys. Ice-T, der Proto-Gangsta-Rapper, hatte eine extravagante Gelfrisur und war in der B-Boy-Szene unterwegs. Dr. Dre und DJ Yella waren in der World Class Wreckin' Cru und haben Lidschatten und paillettenbesetzte Overalls getragen. Während dieser Zeit hat Arabian Prince als Tänzer bei lokalen Jams angefangen. Er wurde zu einem einflussreichen DJ, dann Rapper, dann Produzent. Er hat für Bobby Jimmy and the Critters an Electro-Funk-Tracks gearbeitet, wurde für seine Arbeit mit J.J. Fad für den Grammy nominiert und hat sein eigenes Material produziert. Währenddessen entstand eine enge Freundschaft zu André Young, der Welt besser bekannt als Dr. Dre.

Diese Zeit der Unschuld sollte nicht lange anhalten und Arabian Prince fand sich unbeabsichtigt an den Wurzeln dieses Niedergangs wieder. Gangsta-Rap, das Genre, das in den 1980ern in L.A. aus der Crack-Welle, aus Polizeibrutalität und der Politik Reagans entstand, hat das Milieu der Afroamerikaner überrannt und dabei das Haus niedergebrannt, das Electro-Funk aufgebaut hatte. Vorbote dieser neuen Welt war eine Gruppe namens N.W.A.

Auf dem Albumcover für ‚N.W.A. and the Posse' sieht man die Gruppe vor ihrer Gangsta-isierung

Arabian Prince war Gründungsmitglied von N.W.A und einflussreiche kreative Kraft, bevor die Gruppe eine Kehrtwende gemacht und sich vom Electro-Funk der Straße dem harten Gangsta-Rap zugewandt hat, für den sie heute bekannt sind. Er hat ihre erste Single „Panic Zone" geschrieben und produziert. Auch an den ersten beiden Alben von N.W.A. war Arabian Prince als Rapper und Mitproduzent beteiligt; im neuen Film Straight Outta Compton ist er allerdings nicht zu sehen. Ähnlich wie Pete Best, der Schlagzeuger, der die Beatles kurz vor dem Durchbruch verlassen hat, ist auch Arabian ein paar Wochen bevor das legendäre zweite Album Straight Outta Compton erschien, bei N.W.A. ausgestiegen und zu einer Randnotiz der Geschichte geworden.

Arabian erinnert sich noch immer gerne an diese Zeit zurück. „Dr. Dre und ich hatten uns gerade kennengelernt, weil wir in der gleichen Szene rumhingen. Es gab in den 80ern einen kleinen Kreis von DJs an der Westküste. Dre war in der Wrecking Crew, ich war zu der Zeit bei Bobby Jimmy and the Critters und es hat einfach Klick gemacht zwischen uns. Wir haben in der gleichen Gegend gewohnt, in South Central, Compton. Wir sind ins Skateland in Compton, zum Strand, haben Frauen angequatscht."

Dr. Dre hat Arabian Prince an Bord von Ruthless Records geholt, nachdem er und Eazy-E angefangen hatten, zusammenzuarbeiten. Arabian war der erste In-House-Producer bei Ruthless und sah sich selbst als Geschäftspartner. „Dre und ich hatten es satt, nicht bezahlt zu werden", sagt Lezan. „Wir haben eine Menge Platten produziert, haben hier und dort Geld verdient, aber wir haben keine Lizenzeinnahmen bekommen. Eazy hat Drogen in der Gegend verkauft, also hatten wir ein bisschen Geld. Dre kam zu mir und sagte: ‚Eazy wird das Projekt finanzieren und du und ich können die Produzenten sein. Wir nennen es Ruthless Records. Es wird eine familiäre Sache werden, wir werden die Einnahmen alle teilen.' Letztendlich hat es nicht wirklich funktioniert. Wegen Jerry Heller und einigen anderen Dingen..."

Suge Knight und Jerry Heller werden im Film ‚Straight Outta Compton' als Bösewichte dargestellt

Jerry Heller war der Manager von N.W.A. und Eazy-Es rechte Hand. Er wird von Arabian, Dr. Dre, Ice Cube und der HipHop-Szene allgemein beschuldigt, Einnahmen zurückgehalten und sich die Gewinne aus den N.W.A.-Erfolgen in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Im Film Straight Outta Compton wird er als Bösewicht dargestellt und laut Arabians Erinnerung trifft dies auch zu.

„Vor der Veröffentlichung von Straight Outta Compton (dem Album) haben wir viele Shows gespielt und ich erinnere mich daran, gedacht zu haben: ‚Mann, wir werden nicht so bezahlt wie wir sollten.' Wir haben die Hälfte des Geldes bekommen und die andere ist verschwunden, wir haben nichts von den Vorauszahlungen bekommen. Und dann habe ich begonnen, Jerry Heller wegen Lizenzeinnahmen zu fragen. Wir verkauften Millionen Platten, aber sahen kein Geld und hatten keinen Einblick in Lizenzabrechnungen. Es gab immer eine Ausrede."

Er sagt weiter: „Ich hatte Platten als Arabian Prince gemacht und Geld verdient, aber jetzt, wo ich in dieser Gruppe war, die Millionen Platten verkauft hat, sollte ich weniger verdienen? Wie sollen wir Hardcore-Gangsta sein, wenn wir trotzdem um Geld beschissen werden? Die Leute sagen, es war blöd, N.W.A. so früh zu verlassen, aber letztendlich sind Dre und Cube aus den selben Gründen ausgestiegen. Ich war nur der Erste."

Die Story von Arabian Prince verdeutlicht den Eindruck, dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Der Film Straight Outta Compton wurde von Eazys Witwe, Tomica Woods-Wright, produziert, die diverse Male von Arabian verklagt wurde. „Ich bin nicht sauer, dass ich nicht darin vorkomme, sie haben auch J.J. Fad außen vor gelassen. Auch sie haben Tomica verklagt."

J.J. Fad, nicht N.W.A., war der erste kommerziell erfolgreiche Act auf Ruthless Records. Ihr von Arabian Prince produziertes Album Supersonic war die erste Frauen-HipHop-Platte, die für den Grammy nominiert wurde und hat sich millionenfach verkauft. Man sollte denken, dass dies Grund genug für eine Erwähnung in einem Biopic über N.W.A. sei, aber sie wurden ebenfalls ignoriert.

„Falls der Grund dafür, dass wir nicht in diesem Film vorkommen, ist, dass diese Frau einen Rachefeldzug gegen uns führt, dann ist das verdammt beschissen", sagt Arabian Prince. „Sie war nicht einmal dabei, um irgendwas davon zu sehen. Ich weiß, dass sie ausführende Produzentin ist und die Rechte an fast allem hat. Wahrscheinlich waren Dre und Cube die Hände gebunden, aber bei mir hat sich niemand gemeldet, also weiß ich es nicht. Am Ende wird die Wahrheit rauskommen, denn es gibt Leute, die die wahre Geschichte kennen."

Über die weiteren Gründe für Arabian Princes Ausstieg bei N.W.A. wird spekuliert. Manche sagen, er wurde rausgedrängt, als Ice Cube vom College zurückkam. Andere sagen, dass seine Electro-Funk-Produktion schlecht für das Gangsta-Image von N.W.A. war. Wie auch immer, nachdem er die Gruppe verlassen hat, blieb Arabian mit ihnen im Reinen. „Als sie gegen Cube in den Krieg gezogen sind, nachdem dieser ausgestiegen war, habe ich mich da rausgehalten", sagt er. Arabian Prince hat weiter für Ruthless produziert und sowohl Tracks für J.J. Fad als auch für seine eigene Solo-Platte gemacht. Beinahe wäre er sogar bei Death Row Records eingestiegen, nahm jedoch Abstand davon, nachdem er den anderen Bösewicht des Films getroffen hatte.

„Nachdem Dre bei Ruthless ausgestiegen war, sind Yella und er zu mir nach Hause in Burbank gekommen und haben mich eingeladen, mit ins Studio zu kommen, um vielleicht an ein paar Projekten zu arbeiten", sagt er. „Ich bin mitgegangen und Suge Knight war dort und hing mit ein paar der Jungs rum. Ich kannte Suge aus meiner Gegend und wusste, was für ein Typ er war. Zu dieser Zeit hatte ich das Gefühl, dass das nicht der richtige Ort für mich ist. Als wir N.W.A. gemacht haben, war es eine Familie, es waren Leute, die wir kannten. Von diesen Leuten kannte ich niemanden und ich habe niemandem dort wirklich getraut."

Kim Lezan heute

Während er auf Tour war, hat Arabian den Einfluss eines der ersten Videospiel-Systeme, ColecoVision, mitbekommen und beobachtet wie Freunde dadurch von Kiffern zu Hardcore-Gamern wurden. Da er immer darauf aus war, etwas über die neuesten Synthesizer und Produktionstechniken zu lernen, haben Videospiele und Spezialeffekte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Arabian hat Programmieren gelernt und wurde Spieletester und Technik-Tausendsassa. Seine Firma Hypnotic FX hat in Korea Animes und Effekte für Filme wie Independence Day produziert.

Trotzdem ist er noch immer mit der Musik verbunden. „Nach N.W.A. habe ich ein Album veröffentlicht (Brother Arab von 1989). Es war nicht so ein großer Erfolg wie das Album von Cube, aber es war meins, also habe ich damit Geld verdient. Egyptian Lover und ich sind gerade aus Europa zurückgekommen, wo wir in den letzten 20 Jahren auf Tour waren. Ich habe nie aufgehört, Sachen zu machen. Tatsächlich arbeite ich gerade an einem elektronischen Album mit einigen großen Namen, streng geheim. Ich liebe elektronische Musik und ich respektiere die Leute, die das gerade machen. Respekt an Flying Lotus, ich habe ihn ein paar Mal getroffen, er ist wirklich cool."

Die englische Indie-HipHop-Institution Stones Throw Records hat 2008 eine Sammlung von Arabian Princes Musik veröffentlicht und er verspricht, dass wir die Premiere präsentieren dürfen, wenn sein Elektro-Projekt in den nächsten Monaten erscheint. „Weißt du, einige Leute sagen, dass Gangsta-Rap Electro-Funk getötet hat, aber ich denke es hat sich einfach zu Pop und EDM entwickelt. Viele von den Beats, die wir damals gemacht haben, kommen wieder, es sind nur die Künstler, die anders sind. Die Dinge entwickeln sich und letztendlich ist das alles, was ich versucht habe zu machen. Manche Leute sagen, ein Vorkämpfer zu sein, ist ein Fluch, aber ich war es schon immer und denke, dass es ein Segen ist."

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