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Die neue Dating-App LUXY verspricht das exklusive Tinder für die Reichen zu sein

Der Chef von LUXY liebt seine Entwicklung: „Angesichts des Erfolgs von Highspeed-Digital-Dating, war es doch höchste Zeit, dass jemand einen Filter entwickelt, der all die einkommensschwachen Kontakte ausmistet.“

Dating-Dienste, die sich exklusiv an reiche Menschen richten, können nicht gerade als Höhepunkt menschlicher Innovationskraft gelten. Aber die App LUXY stellt definitiv einen neuen Tiefpunkt der Schamlosigkeit dar. Das Programm, welches für iOS und Android verfügbar ist, wird in einer Pressemitteilung ohne jegliche Ironie als „Tinder ohne die Armen" beworben.

Nachdem du dich mit deinem Facebook-Account angemeldet hast, brauchst du nur kurz deine Hobbies (zum Beispiel: Segeln, Autorennen und Reiten), deine liebsten Luxusmarken (Gucci, Givenchy usw.) und natürlich dein Jahreseinkommen angeben und los geht der exklusive Spaß mit Matching nach dem Tinder-Prinzip. Bisher scheint die Seite vor allem von amerikanischen Sugarbabes und -Daddies bevölkert zu sein. (Genauso wie die App bisher ausschließlich auf englisch verfügbar ist).

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Die Pressemitteilung für LUXY kann getrost als neuer Meilenstein unverschämter Apps und als Beispiel für die manchmal verblüffende Ignoranz des Silicon Valleys gelten. Verfasst wurde sie von Darren Shuster von der PR-Firma Pop Culture Public Relations, der mir in einer E-Mail auch erklärte, dass die App momentan bereits 3000 Nutzer habe. Hier einige Highlights aus der PM:

Es war nur eine Frage der Zeit. [LUXY] ist wie Tinder ohne Dating-Kontakte mit niedrigem Einkommen. Das Durchschnittseinkommen männlicher LUXY-Nutzer liegt bei über 150.000 Euro im Jahr, und alle die nicht in der Lage sind, finanziell mitzuhalten, werden sofort von dem Dienst ausgeschlossen.

Wer möchte nicht jemanden daten der sowohl reich als auch attraktiv ist?

„Angesichts des Erfolgs von Highspeed-Digital-Dating, war es doch höchste Zeit, dass jemand einen Filter entwickelt, der all die einkommensschwachen Kontakte ausmistet", erklärt der CEO von LUXY.

Sowohl die Mitarbeiter der PR-Firma als auch der Chef von LUXY scheinen tatsächlich gedacht zu haben, es eine gute Idee, diese PR-Mitteilung an Journalisten zu verschicken: „Wie wäre es, wenn du die Armen und Hässlichen einfach zur Seite wischen könntest, wie einen schlechten Tinder-Match", fantasiert ein scheinbar reicher Firmenchef in der Mitteilung.

In der Vergangenheit kamen Apps, deren Zielgruppe privilegierte Menschen sein sollten, zumindest mit etwas wolkigeren und ambivalenteren Selbsteinschätzungen daher. SketchFactor war zum Beispiel eine ziemlich beschämende App, die dich vor „unerwünschten" (sprich: sozial benachteiligten) Vierteln bewahren sollte, aber immerhin verkaufte sie sich nicht gleich direkt als Möglichkeit armen Menschen vollständig aus dem Weg zu gehen. LUXY verspricht jedoch genau dies—alle Menschen, die nicht reich genug sind, sollen per Algorithmus ausgeblendet werden.

Die App kommt so unverblümt daher, dass das ganze Projekt schon fast wie ein Hoax klingt. Der Name des CEO's taucht bisher verdächtigerweise nicht auf. Es gibt jedoch eine funktionierende Webseite, eine ältere Ankündigung der App vom August und die Möglichkeit das Programm erfolgreich auf dein Smartphone zu laden (und es schnell wieder zu löschen, nachdem du einmal reingeguckt hast.)

Ich hoffe jedenfalls inständig, dass es sich bei LUXY tatsächlich um eine Satire auf den Sexismus und die Sozialfeindlichkeit handelt, die auch im Silicon Valley trotz aller Innovationen leider immer noch viel zu häufig anzutreffen sind.