Energy Drinks sind übrigens keine Einstiegsdroge

Jugendlich, die auf Energy Drinks stehen, sind einfach Jugendliche, die auch später ein bisschen Nervenkitzel brauchen.

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12 Februar 2014, 11:27am

(Bild via: FlickR Simonippon)

Als ich damals mit dem Rauchen und Trinken und all den anderen schönen Dingen, die schädlich für mich sind, angefangen habe, kam mir nie der Gedanke: „Ich hätte nicht diesen Red Bull trinken dürfen!“ Eine wissenschaftliche Studie jedoch legt nun nahe, dass Energy Drinks die Einstiegsdroge zu all den sonstigen finsteren Gewohnheiten dieser Erde sind. Laut der Untersuchung, die in der Januar/Februar Ausgabe vom Journal of Addiction Medicine veröffentlicht wurde, verleiht Red Bull nicht nur Flügel, sondern beschert dir auch ein Drogenproblem.

Die Studie betrachtete fast 22.000 Jugendliche zwischen der 8. und 12. Klasse. Es stellte sich heraus, dass Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Energy Drinks konsumieren, zwei bis dreimal eher in Kontakt mit andere Drogen kamen, als diejenigen, die auf die stimulierenden Getränke verzichten. Energy Drinks werden oft in Kombination mit Alkohol getrunken, um das Aroma für die Jugend attraktiver zu machen, und auch jeder, der ein bisschen zu viel kifft, weiß, dass man manchmal einfach einen kleinen Wachmacher braucht.

Gerne werden Energy Drinks exotische Stimulanzien beigemischt, die ihren eigenen Drogen-ähnlichen Effekte produzieren sollen. Der Crunk Energy Drink wurde sogar von dem Grey Goose Vodka Gründer entwickelt und enthält einen Wirkstoff namens „Horny Goat Weed“. Neben der Energiezufuhr dient dieses Mittel auch der Förderung der Libido und der Bekämpfung von Erektionsstörungen. Viele Enerygy-Drink-Unternehmen verwenden solche Mittel, damit sie später mit dem Label „natürlich“ werben können.

Der Energy Drink Tweaker führt in seiner Inhaltsangabe auch Yohimbe auf. Yohimbe ist der Name eines Baumes, der in Afrika gefunden wurde, und dessen Rinde die Chemikalie Yohimbin enthält. Es wird gesagt, dass diese Chemikalie ebenfalls Erektionsströrungen bekämpft, aber auch den Blutfluss in die Vagina unterstützt. Das Zeug verleiht dir also nicht nur Energie, sondern schlägt dir auch noch vor, wie du diese Energie nutzen kannst.

Rockstar enthält Mariendistel, die häufig eingesetzt werden, um die Leber zu unterstützen, aber, laut Dr. Web, auch geeignet sind im Kampf gegen „Leberzirrhose, Gelbsucht, Hepatitis und Erkrankungen der Gallenblase.“ Die Vorteile und Effekte sind umstritten, wie es bei vielen natürlichen Heilmitteln so ist, aber man kann eindeutig sagen, dass sich Rockstar ganz wunderbar effektvoll mit Alkohol kombinieren lässt, im Gegensatz zu anderen Getränken. Zumindest kannst du ein bisschen Rausch und vielleicht auch ein bisschen gesundheitliche Hilfe miteinander mischen.

Einer der allgemeinen Wirkstoffe von Energy Drinks befindet sich auch als Zutat in Red Bull. Das Kohlenhydrat Inositol wird gegen eine ganze Reihe von Leiden eingesetzt: „Diabetische Nervenschmerzen, Panikattacken, hoher Cholesterinspiegel, Schlaflosigkeit, Krebs, Depressionen, Schizophrenie, Alzheimer-Krankheit, Aufmerksamkeits Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus, Förderung des Haarwachstums, eine Hauterkrankung namens Psoriasis und Behandlung von Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung mit Lithium.“

Die Forscher glauben übrigens ebenfalls herausgefunden zu haben, dass die Kinder, die Energy Drinks, Drogen und all die anderen lustigen Dinge mögen, auch „sensationsgeil“ und auf der Suche nach „Nervenkitzel“ seien. Ohne mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, würde ich einfach mal die These aufstellen, dass Drogenkonsum einfach ein Verhalten ist, dass zu einer bestimmten Art von Persönlichkeit passt.

Das Institute of Medicine of the National Acadamy of Science hat schon 1999 erklärt, das die Schwierigkeit in der Bestimmung einer Droge als Einstiegsdroge schlicht darin besteht, dass in den meisten Fällen eigentlich Begleitumständen bewiesen werden.  Energy Drinks sind wohl eine der ersten verfügbaren Drogen, denen ein Kind begegnet, und es bleibt nicht aus, dass darauf eben auch Alkohol, Zigaretten, Marihuana oder noch mehr folgen können.

Das Time Magazin hatte schon im Jahr 2010 den passenden Scherz zur Debatte um Einstiegsdrogen parat: „Mitglieder der Hell’s Angels sind mit einer 104 prozentigen Wahrscheinlichkeit als Kind Fahrrad gefahren, als Kinder, die keine Hell’s Angels Mitglieder geworden sind. Das heißt aber nicht, dass Fahrradfahren der ‚Einstieg‘ in die Welt der Motorradgangs ist.“