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Florence Meunier designt AGBs, die ihr auf jeden Fall lesen wollt

16 Seiten schwarz-weißer Textwüste im PDF-Format tragen nicht gerade dazu bei, sich mit Nutzungsbedingungen auseinanderzusetzen. Dabei eignet sich die EULA von Apples iCloud sogar zum Geschichten Erzählen.
"The man who aggreed-Apple EULA." Bild: ​Florence Meunier. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.

Das Bestätigen Allgemeiner Geschäftsbedingungen erfreut sich in etwa ähnlicher Beliebtheit wie das ​Freihandelsabkommen TTIP. Mit dem Unterschied, dass sich deutlich weniger Menschen die Mühe machen, ein sogenanntes EULA (End User License Agreement) zu studieren, als die ​150.000 TTIP-kritischen Bürger, die in der größten EU-Konsultation der Geschichte ihrem Ärger über die Investorenschutzklausel online Ausdruck verliehen.

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Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Die Lektüre von 16 DIN-A4-Seiten vertraglichen Regelwerks am Bildschirm ist eine Zumutung und gehört verboten. Kaum einer macht sich ernsthaft Gedanken darüber, was „Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen und akzeptiere sie" eigentlich bedeutet. Und typographisch sind AGBs ohnehin ein Verbrechen. Die designtechnische „Leistung" der Apple-AGBs beschränkt sich beispielsweise auf einen Wechsel von Textwüsten in Versalien zu Textwüsten in Minuskeln.

Aus lausiger AGB-Ästhetik wird ein ansprechend designter Mittelfinger mit löblicher Botschaft

Das dachte sich auch Grafikdesignerin ​Florence Meunier aus London. Sie hat das EULA von Apples iCloud in eine angenehm leserliche und unterhaltsame Erzählung über „​The man who agreed-Apple EULA" verwandelt. Dafür hat sie sich schlicht den Ursprungstext in ihrem Sinne zurechtzensiert:

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Florence Meunier

Mit ihrem schlicht-eleganten Schwarz-Weiß-Booklet verpackt Meunier Apples Monster-PDF stellvertretend für alle AGB-Augenkrebs-Beschleuniger dieser Welt in ein „user-freundliches" Format. Mit seinen 10,5 mal 14,8 Zentimetern kann es bequem in der Hand durchgeblättert werden.

Außerdem bietet Meuniers Neuauflage einen echten Anreiz, die AGBs ausnahmsweise einmal zu lesen: Zusammengesetzt aus originalen Textbausteinen von Apples iCloud EULA erzählt ihr Heft in einer zweiten Textebene die Geschichte eines Mannes, der die AGBs vorschnell akzeptierte und nun entsprechende Konsequenzen tragen muss.

„Es ist nicht meine Absicht, ein Kunstwerk abzuliefern, sondern ein Grafikdesign. Meine Arbeit und dieses Projekt im Besonderen basieren auf der Idee, dass visuelle Kommunikation die Stärke und auch die Verantwortung hat, kritisches Denken und Perspektivwechsel bei Menschen hervorzurufen. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, zu informieren und auf humorvolle Weise auf soziale Themen aufmerksam zu machen", erklärt Meunier.

The man who agreed-Apple EULA" ist also ein ansprechend designter Mittelfinger in Richtung all der Firmen, die mit ihrer lausigen AGB-Ästhetik jegliche Bereitschaft, sich mit vertragssprachlicher Grausamkeit auseinanderzusetzen, bereits im Keim ersticken. Die großen Tech-Unternehmen unserer Zeit scheinen lieber wohl ignorierende als wohl informierte Konsumenten als Kunden haben zu wollen. Dieser modernen Malaise digitaler Verantwortungslosigkeit stellt Florence Meunier nun eine Geschichte mit unmissverständlicher Moral entgegen.